Geldanlage "Das Endspiel hat begonnen"

Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken wird sich über Jahre fortsetzen, damit sich die Staaten entschulden können. Sparern droht die Enteignung durch finanzielle Repression. Im Interview mit der WirtschaftsWoche erklären fünf profilierte Finanzmarkt-Kenner, wie Anleger gegenhalten können.

Von links: Andrew Bosomworth, Alfred Roelli, Bert Flossbach, Thomas Mayer, Jens Ehrhardt Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Meine Herren, die Zinsen, die Anleger bekommen, sind ganz unten, sichere Rentenpapiere sind nach Steuern und Inflation ein Minusgeschäft. Lohnt sich Anlegen überhaupt noch?

Bert Flossbach: Wer heute Geld für bis zu drei Jahre sicher anlegt, spendet an den Staat. Das einzig Sichere an sicheren Anlagen ist der reale Wertverlust.

Andrew Bosomworth: Wenn wir Glück haben, werden wir in den kommenden Jahren ein bis zwei Prozent auf hochqualitative Staatsanleihen bekommen. Der Satz könnte auch darunter liegen. Besser sind Unternehmensanleihen und solche aus Schwellenländern. Da bekommt man bei guter Qualität bis zu zwei Prozentpunkte mehr.

Zu den Personen

Jens Ehrhardt: Für die kauft man sich in Schwellenländern aber ein Währungsrisiko ein. Natürlich könnte man sagen, der Euro wird immer schwächer – dann macht der Anleger mit Fremdwährungen Gewinn, weil die fremde Währung zum Euro aufwertet. Doch wer sagt: "Hauptsache, mein Geld ist aus dem Euro raus", der muss am Ende nicht recht behalten. Denn es kann auch in die andere Richtung gehen.

Alfred Roelli: Bei Unternehmensanleihen lohnt es sich, dabei zu bleiben. Die gewaltigen Ergebnisse, die man mit ihnen in den vergangenen Jahren erzielen konnte, sind zwar vorbei, aber man bekommt mit einiger Mühe noch drei bis vier Prozent Rendite. Es lohnt sich auch, hochverzinsliche Werte im US-Dollar-Raum anzuschauen.

Flossbach: Die Bondmarktrally seit Anfang der Achtzigerjahre ist jedenfalls abgeschlossen. Ob 30 schlechte Jahre kommen, wage ich nicht zu behaupten, aber mit Sicherheit zehn. Bei der Vermögensstreuung muss sich jeder im Klaren sein: Er muss den Bondanteil deutlich reduzieren!

Herr Bosomworth, Sie vertreten hier den größten Anleiheinvestor der Welt, das dürften Sie nicht so stehen lassen.

Bosomworth: Komplett aus Bonds würde ich nicht gehen, sondern einen Teil des Vermögens in kurz laufenden Unternehmensanleihen und Papieren aus Schwellenländern halten. Man darf nicht vergessen, dass viele Anlageklassen illiquide sind, also nicht sofort verkauft werden können. Irgendwann muss man sagen: Ich nehme mit einem Teil meines Portfolios diese niedrigen Renditen bewusst in Kauf, um liquide zu bleiben, für bessere Einstiegsmöglichkeiten etwa in anderen risikoreicheren Anlageklassen.

Liquidität kann ich auch in Bundesanleihen oder Tagesgeld parken. Was ist besser?

Flossbach: Das kommt darauf an, wie viel man hat. Bei Summen über 100.000 Euro ...

... also der Grenze der gesetzlichen Einlagensicherung je Bank ...

Flossbach: ... ist sicher irgendwann Schluss. Wenn es hart auf hart kommt, würde ich nicht davon ausgehen, dass Bargeld über 100.000 Euro sicher ist.

Ehrhardt: Das Extremszenario, dass Banken zusammenbrechen, wird dank der Europäischen Zentralbank auf absehbare Zeit vermieden. Die wird jedes Loch stopfen.

Thomas Mayer: Deshalb werden die Zinsen auch unten bleiben. Manch einer hat schon Angst vor japanischen Verhältnissen. Dort lagen die Renditen ja jahrelang bei nahezu null. Schön wär’s! In der Euro-Zone wird das alles viel schlimmer werden: Wir werden neben den negativen Realrenditen auch ein niedriges Wachstum bekommen.

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