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Gesundheitsversorgung aus der Ferne, per App oder durch andere technische Lösungen: Mittels Healthtech können Patienten behandelt werden, ohne dass ein Arzt persönlich aufgesucht werden muss. Quelle: imago images

Healthtech wird auch nach Corona boomen

Maximilian Kunkel Quelle: PR
Maximilian Kunkel Chief Investment Officer, UBS Wealth Management Germany & Global Family Office Zur Kolumnen-Übersicht: Geldanlage global

Healthtech boomt seit Beginn der Pandemie. Angesichts eingeschränkter Möglichkeiten einer Behandlung kommt die größere Technologie-Akzeptanz der Patienten nicht überraschend. Der Trend wird sich nach Corona fortsetzen.

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Erstaunlich ist jedoch die Breite der weiteren Anwendungs- und Nutzungsmöglichkeiten von Healthtech. In einer Studie von 1800 Ärzten und Krankenschwestern in sieben europäischen Ländern gaben 46 Prozent der deutschen Befragten an, dass ihre Organisation im vergangenen Jahr keinerlei Änderungen bei der Bereitstellung von Gesundheitstechnologien vorgenommen hat. Sieben Prozent berichteten sogar von einem Rückgang bei der Nutzung von Gesundheitstechnologien, die medizinisches Personal wohlgemerkt dabei unterstützen, effizienter zu arbeiten.

Die Nutzung von Gesundheitstechnologien könnte zurückgehen, sobald Volkswirtschaften durch Massenimpfungsprogramme wieder in Gang gebracht werden. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die Attraktivität der Branche über die Covid-19-Ära hinaus bestehen bleiben und in Zukunft sogar zunehmen könnte. Dieser Bereich dürfte aus drei Gründen einer der nächsten großen Trends für Patienten, Regierungen und auch Investoren sein:

1. Gesundheitstechnologien unterstützen den Wandel zur kontinuierlichen Gesundheitsversorgung.

Patienten und Gesundheitssysteme werden sich von der episodischen Gesundheitsversorgung – der Behandlung von Krankheiten, wenn sie auftreten – zukünftig stärker zu einer kontinuierlichen Gesundheitsversorgung – der Vorbeugung von Krankheiten, bevor sie auftreten – bewegen. Die Zahl der über 65-Jährigen wird bis 2030 weltweit um 60 Prozent auf eine Milliarde Menschen anwachsen. Entsprechend steigt die wirtschaftliche Notwendigkeit, ein längeres, gesünderes Leben zu unterstützen, ohne dabei Staatsfinanzen zu belasten.

Ich denke, dass hierbei vor allem Telemedizin eine wichtige Rolle spielen könnte: Schätzungen zufolge wird der Gesamtmarkt für Telemedizin in den USA von 2019 bis 2024 jährlich um 17 Prozent auf 35 Milliarden Dollar wachsen. Der kleinere chinesische Markt könnte sogar um fast 50 Prozent pro Jahr wachsen und damit die USA bis 2023 überholen.

2. Gesundheitstechnologien helfen Gesundheitsanbietern mit weniger mehr zu erreichen.

Das Spannungsverhältnis zwischen der steigenden Nachfrage nach personalisierter Versorgung und größerem Druck auf Gesundheitsetats dürfte in Zukunft weiter zunehmen. Gesundheitstechnologien können dazu beitragen, mehr maßgeschneiderte Leistungen zu geringeren Kosten zu erbringen. Das Potenzial zur Effizienzsteigerung ist beträchtlich: Bis zu 25 Prozent der US-Gesundheitsausgaben wurden 2019 gemäß Jama Network durch unnötige Behandlungen oder Überkomplexität verschwendet.

Digitalisierung ist hier entscheidend. Die Kombination aus Big Data, künstlicher Intelligenz und 5G eröffnet Möglichkeiten, die von der Roboterchirurgie bis zur effektiveren Nutzung von Patientendaten bei der Bewältigung sozialer Gesundheitsprobleme reichen.

3. Gesundheitstechnologien können helfen, schwer zugängliche Gebiete zugänglich zu machen.

Gesundheitstechnologien erweitern bereits den Zugang zu den mehr als eine Milliarde Menschen, die keinen Zugang zur medizinischen Grundversorgung haben. Nicht umsonst sehen Nachhaltige und Impact-Investoren Healthtech zunehmend als ein unverzichtbares Instrument, um unter anderem die UN-Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und attraktive finanzielle Renditen zu erzielen.

Gesundheitstechnologien haben zudem das Potenzial, Patienten zu erreichen, deren Krankheiten heute noch unbehandelbar sind. Zukünftige Anwendungen (wenn auch sehr spekulativ für Investoren heutzutage) umfassen unter anderem Prime Editing, das fast 90 Prozent der bekannten krankheitsverursachenden genetischen Varianten korrigieren könnte, 3D-Bioprinting von Zellen für fortschrittliche Prothesen und sogar Organersatz durch im Labor gezüchtetes Gewebe.

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Es ist zwar unwahrscheinlich, dass das diesjährige Wachstum digitaler Anwendungen im Gesundheitswesen ein ähnlich hohes Tempo wie 2020 erreichen wird. Aber das langfristige Ziel von Gesundheitstechnologien, lebenslange, flexible und transformative Patientenresultate zu ermöglichen, ist noch lange nicht erreicht. Die Chancen für Patienten, Regierungen und Investoren dürften weit über die Covid-19-Krise hinausreichen.

Mehr zum Thema: Die besten Healthcare-Fonds erreichen hohe Renditen. Die Coronapandemie gibt dem Sektor neuen Schub.

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