Geldanlage Wie Sparer weltweit ihr Vermögen bilden

Immobilien oder Aktien? Sicher oder riskant? So bunt die Welt ist, so einheitlich sind die Regeln, wie Menschen in schwierigen Zeiten rund um den Globus ihr Geld vermehren wollen. Ein Blick auf die Konten dieser Welt.

Brasilien, Uganda, Türkei: Wie sieht Geldanlage rund um den Globus aus? Quelle: Paulo Fridmann für WirtschaftsWoche

Das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Geld ist ein eigentümliches: Man hat es gerne, findet aber alles, was nach Finanzwelt riecht, befremdlich. Gelddinge scheinen den meisten Deutschen ähnlich attraktiv wie Stubenfliegen und vergleichbar angenehme Dinge des Lebens. Vier von zehn Deutschen halten Geldanlage für ein notwendiges Übel, haben die großen deutschen Direktbanken mal in einer Studie herausgefunden. Und dementsprechend wenig mühevoll ist die durchschnittliche Geldanlage zusammengestellt: ganz viel Sparbücher, einige Tagesgeldkonten, Lebensversicherungen noch und nöcher, vielleicht ein paar Rentenfonds. Und damit fuhren die Deutschen auch eine ganze Zeit gar nicht so schlecht.

Nun aber hat sich die Welt des Geldes geändert. Kein Preis in den sogenannten Marktgesellschaften des Westens wird so heruntermanipuliert wie der Preis des Geldes, der Zins. Man will mit billigem Geld das Rad der Wirtschaft in Schwung halten. Tatsächlich ist die bürgerliche (Geld-)Welt aus den Fugen geraten. Wer spart, verliert. Negativzinsen fressen sich nicht nur durch die Reputationskonten von Notenbankern, sondern auch durch Sparbücher, Lebensversicherungen und ähnlich deutsche Geldanlagen.

Das aber stellt die Deutschen vor Fragen: Wohin mit dem Geld? Und was sind Alternativen zu Sparkonto und Co.? Dass es sie gibt, ohne Zweifel. In anderen Teilen der Welt legen die Menschen ihr Geld schließlich auch jenseits des deutschen Weges an. Aber wie? Und worauf vertrauen Menschen in schwierigen Zeiten? Geschichten aus der ganz privaten Welt des Geldes.

Das wurde 2016 aus 100.000 Euro
Platz 27: Aktien NigeriaEuro-Investoren, die im vergangenen Jahr an der kleinen nigerianischen Börse investierten, machten ein sehr schlechtes Geschäft. Das lag gar nicht mal an den Aktien selbst, der Leitindex Nigeria All Share verlor zwar „nur“ sieben Prozent. Das lag vor allem daran, dass der bevölkerungsreichste afrikanische Staat stark von den Öleinnahmen ist. Doch am 20. Juni gab die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung Naira an den Dollar auf. Die darauf folgende deutliche Abwertung der Währung Naira zu vielen Währungen macht die Aktien aber zum weltweit größten Verlustbringer. Wer Anfang des Jahres theoretisch 100.000 Euro an der Börse in Nigeria investierte, hat jetzt nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Privatanleger können jedoch kaum in Nigeria direkt investieren, es gibt auch keine Zertifikate oder börsengehandelte Indexfonds auf den Nigeria All Share. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 26: GhanaAuch gezielte Investitionen an der Börse in Ghana sind für hiesige Privatanleger kaum möglich. Das ist auch gut so. Denn der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, entwickelte sich sehr schlecht. Die agrarisch strukturierte  Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes,  schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein. Von 100.000 in Ghana investierten Euro blieben bis Jahresende nur 77.840 Euro übrig. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 25: Aktien ÄgyptenNoch dramatischer als in Nigeria schlägt in Ägypten die Währungsentwicklung zu Buche. Dort gab die Zentralbank im November den Wechselkurs des ägyptischen Pfunds frei, das daraufhin abstürzte. Das bescherte Anlegern, die im Januar 100.000 Euro in den Leitindex EGX 30 investierten einen Verlust von 20.430 Euro, so dass nur noch 79570 Euro übrig bleiben. Das fast Tragische dabei: Die Abwertung beflügelten den Aktienmarkt. Der EGX 30 selbst gehört in Lokalwährungen gerechnet mit einem Plus von mehr als 70 Prozent zu den weltweit besten Börsen und stieg auf ein Rekordhoch nach dem anderen. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 24: Aktien ChinaDer Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450 Euro übrig. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 23: Britisches PfundDas knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell. Auf Jahressicht hat der Leitindex Footsie deshalb in Pfund gerechnet über 14 Prozent zugelegt und stieg Ende Dezember sogar auf ein Allzeithoch. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 22: Mexikanischer PesoDem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro. Mexikos Leitindex IPC legte aber um zumindest rund sechs Prozent zu. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 21: SparbuchSeit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa

Türkei – der Zauber der Sparkreise

Nach den Anschlägen auf den Atatürk-Flughafen im Juni dieses Jahres witterte Timur Erten eine Chance. Er kaufte Aktien des Flughafenbetreibers TAV, die gerade abgestürzt waren, und hoffte auf Erholung. „Anfangs lief es auch ganz gut“, sagt der 37-Jährige. „Aber dann kam ja leider der Putschversuch am 15. Juli.“ Und seitdem rückte die Türkei dem Chaos nahezu wöchentlich einen Schritt näher. Auf den Putsch folgten „Säuberungen“ der Verwaltung, darauf Terror, darauf staatliche Gegenwehr, darauf neuer Terror. Die türkische Wirtschaft leidet seitdem und mit ihr die Menschen.

Für Timur Erten jedenfalls ist seine ganz persönliche Wohlstandsabsicherung im vergangenen Jahr nicht aufgegangen. „Wieder einmal“, sagt seine Frau Ilke und verdreht liebevoll die Augen. „So läuft es meistens, wenn er Aktien kauft.“ Das Paar sitzt auf der Couch in einer Mietwohnung in einem der liberalen, säkularen Viertel Istanbuls. Vor ihnen auf dem Teppich spielt ihr vierjähriger Sohn Denis. Beide Ehepartner sind berufstätig. Ilke, 38, arbeitet in einer Werbeagentur, Timur im Kundensupport einer Möbelfirma. Jeder von ihnen verdient rund 6000 Türkische Lira im Monat, rund 1800 Euro. 600 Euro legen sie zusammen monatlich zurück. Zehn Prozent davon stecken sie in – ausschließlich türkische – Aktien. Ansonsten investieren die Ertens auf klassisch türkische Art: Sie kaufen Gold und Immobilien. Außerdem legen sie Geld in Devisen an. Zurzeit haben sie fast die Hälfte ihrer Barreserven in Dollar.

Aktien und Fonds, die vom Infrastrukturausbau profitieren

Was für Timur seine Aktien sind, sind für Ilke die Sparkreise. Einmal die Woche trifft sich Ilke dazu mit 20 Freundinnen zum Kaffee. Wie alle anderen Teilnehmerinnen zahlt Ilke 19 Mal 200 Lira ein. Jedes Mal erhält eine der Frauen die Summe. Nächste Woche ist Ilke dran. Sie bekommt dann 4000 türkische Lira, rund 1200 Euro. Ilke ist in dreien solcher Runden. Was beim ersten Mal hören irgendwie sinnbefreit wirkt, funktioniert aber wie eine Bank unter Freunden. Die Gruppe spart quasi für den Einzelnen. Außerdem entsteht so ein sozialer Zusammenhalt. Diese Sparkreise sind in der ganzen islamischen Welt verbreitet und fast immer Frauensache. Stolz sind die Ertens, dass sie keine Schulden haben.

Uganda – die Sehnsucht nach Betongold

Jeden Abend, wenn Edward Sekyewa von seinem Büro in Ugandas Hauptstadt Kampala nach Hause fährt, freut er sich auf seine Familie, die Frau, die zwei Kinder – und auf seine Baustelle. Jede Minute seiner Freizeit und jeden Schilling seines Ersparten hat der 42-Jährige in den vergangenen fünf Jahren in den Bau seines neuen Eigenheimes gesteckt. Direkt neben seinem bisherigen Haus ragt nun ein vierstöckiges Einfamilienhaus über die Mauern des Grundstücks.

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