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Gold-Geschichte Das letzte Geld wenn's brennt

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Goldpreis übersteigt die 100-Dollar-Marke

Am 24. April 1972 wird die so genannte „Währungsschlange im Tunnel“ geboren. Die Währungen der Europäischen Gemeinschaft (EG) werden gegenüber einem weiterhin fixierten Dollarkurs innerhalb einer engen Schwankungsbreite gehalten. Eine Woche später übersteigt der Goldpreis die Marke von 50 Dollar pro Feinunze. Am 23. Juni 1972 bricht das britische Pfund Sterling aus der „Schlange“ aus und wird freigegeben. Am 2. März 1973 stellt die Deutsche Bundesbank die Stützungskäufe für den Dollar ein und gibt den Wechselkurs der D-Mark frei. Auch die übrigen westlichen Staaten geben den Wechselkurs frei. Am 14. Mai übersteigt der Goldpreis erstmals die 100-Dollar-Marke. Sechs Monate später wird der Goldpreis offiziell freigegeben. Das Goldverbot in den USA wird am 31. Dezember 1974 durch US-Präsident Gerald Ford aufgehoben. Nach über 40 Jahren dürfen US-Bürger wieder Gold besitzen.

Die Goldreserven der G20-Länder

Die 1970er Jahre waren geprägt durch ein geldpolitisches Chaos. Zwei Ölkrisen, steigende Staatsverschuldungen, hohe Inflationsraten, schwache Wirtschaftsentwicklungen in den Industrieländern hatten eine Flucht in Sachwerte ausgelöst. Beim Gold mündete diese Entwicklung in einer Spekulationsblase, die am 21. Januar 1980 bei einem Goldpreis von 850 Dollar pro Unze platzte. Mit massiven Leitzinserhöhungen der US-Notenbank unter ihrem damaligen Vorsitzenden Paul Volcker endete die Phase hoher Inflationsraten. Das Vertrauen der Anleger in die Zentralbanken kehrte zurück. Der Goldpreis schwenkte ein in einen 20-jährigen Abwärtstrend.

Notenbanken verscherbeln Gold

Vor allem europäische Notenbanker sahen immer weniger Bedarf, Goldreserven zu halten. Weil der Goldpreis in den Achtziger- und Neunzigerjahre gefallen war, verkauften sie Gold aus ihren Beständen. Gerechtfertigt wurden die Verkäufe damit, dass das Gold den Notenbanken und damit den Staaten keine laufenden Erträge und keine Wertsteigerung bringe. Am 20. Juli 1999 fällt der Goldpreis im Tief auf 252,80 Dollar. Die Notenbanken Großbritanniens, der Schweiz und der Niederlande gehörten zu den größten Verkäufern. Heute müssen sie sich peinliche Fragen gefallen lassen, warum sie zwischen 1999 und 2004 zusammen 1740 Tonnen zu Tiefstpreisen verscherbelt haben. Die Verkäufe markierten das Ende der Goldbaisse.

Gold aus Sternenstaub und Diamanten aus Seife
Gold gehört zu den begehrtesten, weil edlen und raren Elementen. Die Gründe dafür liegen im Kosmos, denn dort entsteht das Edelmetall. Allerdings nicht wie etwa Kohlenstoff oder Eisen in normalen Sternen durch Kernfusion, sondern nur durch extrem energiereichere Vorgänge, etwa die Kollision zweier Neutronensterne. Quelle: dpa
Bei diesen Fusionen verschmilzt neutronenreiches Material der Auswurfmasse, anschließend zerfallen die daraus hervorgegangenen Elemente wieder zu stabilen Kernen wie eben Gold. Bei einem solchen Ereignis, das Astronomen vor einigen Jahren beobachteten, entstand eine Menge Gold, die schätzungsweise zehnmal der Masse unseres Mondes entspricht. Quelle: dpa
Die Weltproduktion an Diamanten reicht längst nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken: 80 bis 90 Prozent aller Diamanten werden daher mittlerweile künstlich erzeugt. Sie kommen meist in der Industrie zum Einsatz, Schmuck macht den kleinsten Teil aus. Die 20 Tonnen Naturmaterial stammen vor allem aus zwei Quellen: Zum einen aus den klassischen Minen, bei denen sogenannte Kimberlit-Schlote nahezu senkrecht in die Erde ausgebeutet werden – der Stein trägt die begehrten Diamanten. Quelle: dpa
Die andere Quelle sind sogenannte Diamantseifen, die trotz ihres Namens nichts mit waschaktiven Substanzen zu tun haben. Vielmehr handelt es sich hier um eine besondere Form der Mineralanreicherung. Verwittert der Kimberlit, bleiben die Diamanten als extrem robuste Materialien übrig. An einigen Küsten wie in Namibia passiert dies auch in Strandnähe. Wenn ankommende Wellen Material auf den Strand verfrachten, nimmt das zurückströmende Wasser die leichteren Körner wieder mit, während die harten Brocken, eben die Diamanten, im Sand oder Kies zurückbleiben und sich dort zu Diamantseife anreichern. „Seife“ stammt übrigens aus dem geologischen Sprachgebrauch und bezeichnet jede Art sekundärer Mineralanreicherung in Sedimenten. Quelle: Lempertz, Köln
Ein altes Flussbett bei Ratnapura, südöstlich von Sri Lankas Hauptstadt Colombo, ist das Eldorado für Edelsteinsucher. Seit 2000 Jahren schätzen Glückssucher die Region wegen ihrer relativ leicht zugänglichen Vorkommen an Saphiren, Rubinen und Granaten. Ursprünglich stammen sie aus dem angrenzenden Hochland, wo ihr Ausgangsgestein erodiert und von Niederschlägen in die Flussläufe gespült wurde. Dort lagerten sich die edlen Steine ab und wurden von jüngeren Sedimenten überdeckt. (Foto: dpa)
2016 wurde hier einer der bislang größten Saphire der Welt ausgegraben und der Öffentlichkeit vorgestellt: Er wiegt 1404 Karat und ist schätzungsweise 90 Millionen Euro wert. Bei dem hier abgebildeten Stein handelt es sich um ein anderes Exemplar, das bei einer Versteigerung im Jahr 2008 „nur“ knapp drei Millionen Euro erbrachte. (Foto: dpa)
Bislang besteht die wirtschaftliche Bedeutung des bolivianischen Salar de Uyuni in seinem touristischen Wert. Der riesige Salzsee im Altiplano der Anden lockt jedes Jahr zehntausende Touristen an, die die bizarre Salzpfanne bewundern. Doch der Salar besitzt noch einen weiteren Schatz, und der weckt industrielle Begehrlichkeiten: Er umfasst das weltweit vielleicht größte Vorkommen an Lithium – einem Metall, das etwa für Akkumulatoren von Elektroautos oder Smartphones gebraucht wird. Quelle: dpa

Von nun an ging‘s  bergauf.

Der Beginn der aktuellen Goldhausse fiel 2001 zusammen mit aggressiven Leitzinssenkungen der US-Notenbank. Um die US-Wirtschaft nach der geplatzten Dotcom-Blase vor dem Fall in die Rezession zu retten, machte Volckers Amtsnachfolger Alan Greenspan die Geldschleusen weit auf, indem er den US-Leitzins bis Mitte 2003 auf ein Prozent absenkte. Obwohl die US-Wirtschaft längst wieder angesprungen war, belässt Greenspan den Leitzins bis 2004 auf Rezessionsniveau und legt so das Fundament für die größte Kreditblase der modernen Wirtschaftsgeschichte.

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