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Korrektur bei Kryptowährungen Der ganz normale Bitcoin-Wahnsinn

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten: Die Kurse von Kryptowährungen sind seit jeher heftigen Schwankungen ausgesetzt. Quelle: imago images

Nach dem Rekordhoch am Wochenende verliert der Bitcoin nun massiv an Wert. Ist das ein nachhaltiger Einbruch – oder nur eine kleine Kurskorrektur der Kryptowährung? Vieles spricht für Letzteres.

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Steigt oder fällt der Bitcoin-Preis, hatte zuletzt fast immer Tesla-Chef Elon Musk seine Finger im Spiel. Noch vor rund zwei Wochen ließ die Ankündigung von Tesla, 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin getauscht zu haben, den Preis für die Kryptowährung nahezu explodieren, am vergangenen Wochenende erreichte der Kurs ein Rekordhoch von über 58.000 Dollar.

Doch dann folgte die Kehrtwende, erneut eingeleitet von Elon Musk. Der twitterte am Samstag, die Preise für die Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum erschienen hoch. Und tatsächlich verliert das Kryptogeld seit dem an Wert. Schon am Montag brach der Bitcoin um 20 Prozent ein, am Dienstag fiel der Kurs noch mal auf zuletzt 46.400 Dollar - weit mehr als 10.000 Dollar hat ein Bitcoin in den vergangenen drei Tagen mal eben an Wert verloren.

Neben den Tweets von Musk gibt es allerdings noch andere mögliche Erklärungen für den Kursverlust. Zum Beispiel hat der US-Staat New York den Handel an der Kryptoplattform Bitfinex verboten. Diese hatte den Stablecoin Tether betrieben.

Was auf den ersten Blick anmutet wie ein massiver Einbruch, ist allerdings beim Bitcoin fast schon normal. Einbrüche von zehn Prozent und mehr sind keine Seltenheit, gleichzeitig geht der Preis für die Kryptowährung bei entsprechender Nachrichtenlage auch schnell mal durch die Decke. Allianz-Chef Oliver Bäte formulierte das bei der Bilanzpressekonferenz seines Konzerns in der vergangenen Woche so: „Da kauft irgendeine Celebrity irgendein Bitcoin und dann explodieren die Preise für diese Assets“, sagt der Allianz-Chef. „Das ist schon ziemlich verrückt, da müssen wir wirklich aufpassen.“

Ja, verrückt ist das tatsächlich. Aber letztlich ist es eben nur die Konsequenz aus dem vielen billigen Geld, welches die Notenbanken überall auf der Welt in die Märkte pumpen. Das muss ja irgendwo hin, und immer mehr Anleger und insbesondere immer mehr Großinvestoren investieren es in Bitcoin.

Dass es zwischenzeitlich zu Rücksetzern kommt, bleibt nicht aus. Viele Investoren haben die anrollende Kurskorrektur zum Anlass genommen, um mal Gewinne mitzunehmen. Gleichzeitig sehen andere in den gefallenen Kursen endlich neue Möglichkeiten zum Einstieg.

Tatsächlich spricht vieles für eine Kurskorrektur, weniger für einen langanhaltenden Einbruch des Bitcoin-Preises.

Beliebter Inflationsschutz

Letztlich zeigt die Bitcoin-Hausse den Vertrauensverlust in Papierwährungen wie den Euro oder den Dollar. Und der dürfte in Zukunft weiter zunehmen, denn die Inflationsraten steigen. Noch sind es vor allem Einmaleffekte wie die Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer in Deutschland, die die Preise schneller steigen lassen, aber Marktbeobachter rechnen im Verlauf des Jahres mit weiter steigenden Preisen.

Selbst Profi-Investoren, des Zockens recht unverdächtig, räumten bereits ein, Bitcoin auch als Schutz vor Inflation mit ins Depot zu mischen. „Ich bevorzuge als Inflationsschutz Bitcoin statt Gold“, sagt Acatis-Gesellschafter Hendrik Leber. Auch andere defensive Investoren wie der auf Kapitalerhalt fixierte britische Vermögensverwalter Ruffer nutzt mittlerweile die Kryptowährung als Inflationsschutz.

Tatsächlich haben immer mehr Großinvestoren zuletzt in Bitcoin investiert oder sich zum Kryptogeld bekannt. Dazu gehörten neben Tesla auch Paypal, Mastercard will künftig Zahlungen mit Bitcoin erlauben und auch der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock öffnet einige seiner Fonds für Bitcoin.

Auch einige der großen Investoren dürften den jüngsten Rücksetzer für Zukäufe nutzen, was mittelfristig für steigende Kryptopreise spricht. Denn natürlich gilt: So schnell wie der Kurs fällt, so schnell kann er auch wieder steigen. Ein positiver Tweet von Musk, und die Horde rennt in eine andere Richtung.

Was die langfristige Kursentwicklung angeht, steigt die Zahl der Unbekannten. Die neue US-Finanzministerin Janet Yellen zeigte sich kürzlich besorgt ob der hohen Schwankungen am Kryptomarkt und möchte das digitale Kryptogeld stärker regulieren. Angesichts der dezentralen, auf Anonymität ausgerichteten Blockchain-Technologie, auf der der Bitcoin basiert, ist das aber gar nicht so einfach. Wer trotzdem regulieren will, greift automatisch in die Privatsphäre der Nutzer ein. Bis es soweit kommt, dürfte also gut noch etwas Zeit vergehen.

Was der Bitcoin-Hausse tatsächlich ein (vorläufiges) Ende bereiten könnte, ist ein allgemeiner Abschwung an den Märkten. Denn kommt es zu einem Crash, bleibt die Kryptowährung nicht außen vor; das hat der Corona-Einbruch an den Börsen im vergangenen März eindeutig gezeigt.

Tatsächlich deuten immer mehr Indikatoren auf eine zu starke Überhitzung an den Märkten hin. Ob es allerdings zu einem nachhaltigen Einbruch kommt, ist längst nicht ausgemacht. Dagegen spricht weiterhin das viele Zentralbankgeld, welches im Umlauf ist. Auch die Frage, wie die großen Volkswirtschaften in den kommenden Monaten durch die Pandemie manövrieren, wird dabei eine Rolle spielen.

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So oder so: Bis es soweit ist, hat der Bitcoin längst noch mal die ein oder andere Schwankungsrunde gedreht, Zukäufe haben den Kurs wieder gestützt, und Krypto-Fan Elon Musk hat ohnehin sicher wieder über das Kryptogeld getwittert.

Mehr zum Thema: Investoren vertrauen darauf, dass billiges Geld der Notenbanken weiter die Kurse treibt. Doch diese Indikatoren signalisieren einen drohenden Absturz.

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