Kryptowährungen: Memecoins mehr wert als Dax-Konzerne: Das ist doch gaga

Aus der einstigen Bitcoin-Parodie ist ein Milliarden-Dollar-Coin geworden.
Foto: REUTERSEin Internet-Gag mit Hundegesicht ist mehr wert als der größte Autobauer der Welt. Der Dogecoin – ein sogenannter Memecoin, der einst als Parodie auf den Bitcoin geschaffen wurde, – bringt es mittlerweile auf einen Börsenwert von 59,6 Milliarden Euro. Das sind etwa 15 Milliarden Euro mehr als Volkswagen.
Shiba Inu, eine noch sinnlosere Digitalwährung, ist mehr wert als der Laborausrüster Sartorius. Anleger stecken auch mehr Geld in den Kröten-Coin Pepe als in den Online-Versandhändler Zalando. Und selbst ein Memecoin, der als digitales Andenken für das vor kurzem eingeschläferte Eichhörnchen Peanut entstand, ist ihnen mehrere Hunderttausend Dollar wert.
Eine Auflistung, die man noch weiterführen könnte – und die nur einen Schluss zulässt: Das ist doch gaga. Klar, über den Wert von Kryptowährungen lässt sich streiten. Für die einen ist sogar der Bitcoin digitaler Müll, andere finden ihn selbst bei einem Kurs von fast 100.000 Dollar noch günstig. Und sicher lässt sich auch bei der wichtigsten Kryptowährung fragen: Sind fast 1,9 Billionen Dollar Marktkapitalisierung – mehr als beim Ölgiganten Saudi Aramco – wirklich gerechtfertigt?
Den Bitcoin mit zigtausenden Memecoins, die gerade aus dem Boden schießen, in einen Topf zu werfen, ist aber nicht fair. Die älteste Kryptowährung etabliert sich im Mainstream der Geldanlage. Viele Anleger sehen darin ein digitales Pendant zu Gold, einen Wertspeicher. Selbst institutionelle Investoren steigen in großem Stil ein. Und Memecoins? Eben.
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Von der Wirklichkeit entkoppelt
Memecoins sind in der Regel von witzigen, im Internet verbreiteten Bildern (Memes) inspiriert oder beruhen auf einem Internethype. Sie sind bloße Zockerprodukte. Wer glaubt, die Kursschwankungen beim Bitcoin seien hoch, sollte sich mal auf Memecoin-Plattformen umsehen. Innerhalb weniger Minuten steigen und fallen die Kurse dort mitunter um mehrere Hundert Prozent.
Auch der Dogecoin hat sich innerhalb weniger Wochen verdreifacht. Dass manche Memecoins nun mehr wert sind als Dax-Konzerne, zeigt: Die Kryptowelt hat sich von der Realität entkoppelt. Dass herkömmliche Finanzkennzahlen in diesen Sphären nicht mehr relevant sind, zeigt auch das Kurstheater bei MicroStrategy.
Die Softwarefirma wird in diesem Jahr nicht einmal eine halbe Milliarde Dollar Umsatz machen, einen Millionenverlust einfahren und sitzt auf immensen Nettoschulden. Seit Donald Trumps Wahlsieg liegt ihre Aktie trotzdem mehr als 70 Prozent im Plus. Warum? Weil sie letztlich eine gehebelte Bitcoin-Wette ist. MicroStrategy nutzt geliehenes Geld, um im großen Stil Bitcoin zu kaufen. Dass die milliardenschwere Bitcoin-Position in der Bilanz nichts mehr mit dem eigentlich Geschäftsmodell zu tun hat, ist Anlegern genau so egal wie die Nebensache, dass der Börsenwert von MicroStrategy den bilanziellen Bitcoin-Wert um ein Mehrfaches übersteigt.
Mit solchen Entwicklungen tut sich die Kryptowelt keinen Gefallen – und auch jenen nicht, die nur in Bitcoin und vielleicht noch in ein paar andere etablierte Kryptowährungen investieren. Das Memecoin-Casino rückt den Sektor in ein schlechtes Licht. Dabei begann der Krypro-Sektor gerade, erwachsen zu werden. Die Memecoin-Zockerei wirft ihn zurück in die schlimmste Phase der Pubertät.
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