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KryptowährungenWie die USA mit dem Stablecoin-Gesetz einen Multi-Milliarden-Markt beflügeln

Der US-Senat hat mit dem „Genius Act“ über die Zukunft von Stablecoins entschieden. Das befeuert die Rally einiger Krypto-Aktien – und dürfte Präsident Trump bei einem seiner größten Probleme helfen.Philipp Frohn 18.06.2025 - 15:18 Uhr aktualisiert
Die Kryptofirma Circle steht mit USDC hinter dem zweitgrößten Stablecoin. Foto: REUTERS

Allein der Name zeigt, wie sehr die USA von ihrem neuen Gesetz überzeugt sind: „Genius Act“. Am Dienstag hat der US-Senat mit großer Mehrheit ein Gesetz verabschiedet, das den Kryptomarkt stärker regulieren soll – genauer gesagt: den Markt für Stablecoins. Das sind Token, die an eine Fiatwährung wie den Euro oder den Dollar gekoppelt sind. Ein USDT entspricht zum Beispiel immer einem Dollar.

Anleger nutzen Stablecoins als Parkplatz für ihr Kryptogeld, und auch immer mehr Unternehmen greifen auf sie zurück, um schnell und günstig Zahlungen abzuwickeln.

In den vergangenen Jahren ist der Markt stark gewachsen. Alle Stablecoins zusammen bringen etwa 250 Milliarden Dollar auf die Waage. Große Unternehmen lancieren eigene Stablecoin-Projekte. Die US-Großbank JP Morgan könnte bald einen auf den Markt bringen. Amazon hat ähnliche Pläne, ebenso wie die Supermarktkette Walmart. Das Volumen wertstabiler Token dürfte in den nächsten Jahren deutlich wachsen, glauben Branchenkenner. Der US-Finanzminister Scott Bessent geht davon aus, dass der Markt bis 2030 auf einen Wert von 3,7 Billionen Dollar anwachsen wird. Das ist mehr als alle Kryptowährungen inklusive Bitcoin momentan wert sind (3,2 Billionen Dollar).

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Schon jetzt herrscht Jubelstimmung über das neue Gesetz. Tim Scott, der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, sagt, die Regulierung bringe „Klarheit in einen Sektor, der von Unsicherheit getrübt war“. Auch für Markus van de Weyer, Gründer der Frankfurter Vermögensverwaltung Alpha Beta Asset Management, ist das Gesetz „ein entscheidender Schritt für die Integration in das Finanzsystem“.

Noch ist das Stablecoin-Gesetz nicht in trockenen Tüchern. Nach der Abstimmung im Senat muss nun auch das Repräsentantenhaus – die zweite Kammer des US-Kongresses – der neuen Regulierung zustimmen. Und anschließend bedarf es noch einer Unterschrift von US-Präsident Donald Trump. Für viele Beobachter gilt das aber nur als Formsache – auch, weil eine größere Stablecoin-Adaption dabei helfen würde, bei einem der größten Probleme der USA zu helfen: nämlich neue Schulden aufzunehmen.

Neue Regeln für Stablecoins

Der wohl zentralste Punkt des Stablecoin-Gesetzes ist nämlich: Emittenten, die an den Dollar gekoppelte Stablecoins herausgeben, müssen diese fortan zu mindestens 100 Prozent mit Bargeld, kurzlaufenden US-Staatsanleihen oder Geldmarktfonds besichern. Das bedeutet, dass der Anbieter mindestens so viele liquide Vermögenswerte halten muss, um sofort alle Coins zurückkaufen zu können. Diese Vermögenswerte dienen einerseits als Sicherheit für Anleger, andererseits verdienen die Anbieter damit Geld durch Zinseinnahmen.

Das heißt: Je erfolgreicher Dollar-Stablecoins werden und je stärker ihre Marktkapitalisierung steigt, umso mehr US-Anleihen müssen die Anbieter kaufen. Mit dem Gesetz schaffen die USA also einen automatischen Nachfrageschub für ihre Schuldscheine – und den können sie gebrauchen. Zuletzt waren immer weniger Investoren bereit, die horrenden US-Schulden zu finanzieren.

3,7
Billionen Dollar
wird der Stablecoin-Markt bis 2030 wert sein, glaubt US-Finanzminister Bessent.

Im vergangenen Jahr hat der Stablecoin-Emittent Tether etwa – er steht hinter dem Branchenführer USDT – bereits Anleihen im Wert von 33 Milliarden Dollar gekauft und gehörte damit zu den größten Geldgebern der Vereinigten Staaten. Wenn das Gesetz final verabschiedet worden ist, muss das Unternehmen wohl noch mal aufstocken. Regelmäßig veröffentlicht das Unternehmen Reports, die zeigen sollen, welche Assets Tether für die Besicherung der Stablecoins hält. Per Ende April hielt Tether 18,5 Prozent der Einlagen etwa in Unternehmensanleihen, Edelmetallen und Bitcoin. Geht das Gesetz durch, müsste Tether Vermögenswerte in Höhe von etwa 27,7 Milliarden Dollar umschichten.

Als Profiteur des Stablecoin-Gesetzes gilt der Token USDC, die Nummer zwei am Markt. Das Unternehmen dahinter – Circle – hält die Reserven in Höhe von gut 61 Milliarden Dollar bereits jetzt vor allem in Form von kurzlaufenden Dollar-Anlagen. Vor knapp zwei Wochen war das Unternehmen an die Börse gegangen – und hat einen Hype unter Anlegern entfacht. Gegenüber dem Ausgabepreis ist die Circle-Aktie um über 400 Prozent gestiegen.

Mit Stablecoins Geld verdienen

Mit dem Gesetz wollen die USA auch einer speziellen Kategorie von Stablecoins einen Riegel vorschieben: algorithmische Stablecoins sind damit verboten. Bei diesen Token werden keine realen Vermögenswerte als Sicherheit hinterlegt, sondern vor allem andere Kryptowährungen. Die Kursrisiken sind hier also hoch – und es kann bei Marktturbulenzen schnell zu Problemen kommen.

Vor knapp drei Jahren war mit TerraUSD ein algorithmischer Stablecoin kollabiert. Dessen Sturz ließ den gesamten Krypto-Markt einknicken und zog eine Kaskade an Insolvenzen im Krypto-Bereich nach sich. Auch die Berliner Krypto-Bank Nuri ging in der Folge pleite. Wenn das Gesetz endgültig abgesegnet ist, erwarten Marktbeobachter nun Probleme beim Stablecoin DAI. Er ist mit Bitcoin, Ether, USDC und anderen Kryptowährungen besichert – nicht aber etwa mit US-Staatsanleihen. Mit einem Börsenwert von 5,3 Milliarden Euro gehört DAI zu den 25 größten Kryptowährungen.

Außerdem verbietet das Gesetz Stablecoin-Anbietern, Zinsen an die Inhaber der Token auszuzahlen. Bislang ist das ohnehin unüblich, weil die Emittenten ihrerseits die Erträge als Gewinn vereinnahmen. „Mit diesem Passus könnte man versuchen, einen zu starken Konkurrenzkampf um Anleger zu verhindern“, glaubt Vermögensverwalter van de Weyer. Mit Stablecoins lässt sich trotzdem Geld verdienen, etwa indem Anleger ihre Token über spezielle Handelsplätze wie Aave verleihen. Bei dem sogenannten Lending werden Zinsen gezahlt, die je nach Handelsplatz, Stablecoin und Anlagedauer variieren. Für USDT und USDC ist über Aave beispielsweise ein jährlicher Zins von über drei Prozent drin.

Trotz der Euphorie geht das Gesetz einigen Marktbeobachtern nicht weit genug. Die US-Bankenregulierer der Conference of State Bank Supervisors warnen vor Risiken für die Finanzstabilität – etwa, weil Akteure, die bislang keiner Aufsicht unterliegen, unerlaubt Gelder transferieren könnten.

Auch aus Sicht der demokratischen US-Senatorin Elizabeth Warren geht das Stablecoin-Gesetz nicht weit genug. Sollten Emittenten scheitern, drohen Anleger, ihr Geld zu verlieren – und womöglich müsse der Staat letztlich mit Rettungsmaßnahmen eingreifen.

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