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Marc Faber Die Freiheit des Dr. Doom

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Ein Leben ohne staatliche Kontrolle und gesellschaftliche Zwänge

Eigentlich sei er am besten in Montana aufgehoben, dem amerikanischen Bundesstaat der Ultra-Libertären, Anarchisten und Eigenbrötler. Doch auch in Thailand ist sein Traum verwirklicht – wenn schon nicht strukturell, dann immerhin faktisch. „Solange man hier zahlt und niemandem auf die Füße tritt, lassen sie einen in Ruhe“, sagt er. Als Ausländer mit Geld könne man hier quasi frei von staatlicher Kontrolle und gesellschaftlichen Zwängen leben. Das Gefährlichste am Leben in Thailand? „Der Straßenverkehr.“ Wenn Faber lacht, bekommt sein Gesicht einen weichen, schelmischen Ausdruck. Jährlich sterben 26.000 Menschen auf Thailands Straßen, acht Mal so viele wie in Deutschland, oft, weil die Fahrer betrunken sind. Kampagnen nützen wenig. Wer von der Polizei angehalten wird, zahlt Schmiergeld und fährt weiter.

So kommen Gold-Anleger durch das Zinstal

Vor allem aber begeistern ihn die thailändischen Frauen. Er hat seine liberale Einstellung zu käuflichem Sex nie geheim gehalten. Eines seiner ersten Bücher widmete er „all den wundervollen Damen, deren Namen besser verschwiegen wird“. Um Währungsgefälle zu veranschaulichen, nutzt er auch mal die Preise der Prostituierten in verschiedenen Ländern oder beklagt den Preisanstieg auf dem Straßenstrich in Zürich. „Was soll ich mich verstellen?“, fragt er. „Meine Kunden schätzen mich, weil ich ihr Geld vermehre, nicht, weil ich politisch korrekt bin.“

Lieber einfache Spelunke als teure Luxusbar

Gegen sechs Uhr bricht Faber auf. Er setzt sich auf seine gelbe Suzuki und fährt in die Stadt zu Linda’s Bar. In Chiang Mai gibt es, anders als in Pattaya oder Bangkok, kein großes Rotlicht-Viertel. Die Loi Kro ist die einzige Straße der Stadt, in der sich ausländische Männer und thailändische Frauen treffen. Der Besitzer des Ladens, ein Schweizer, lehnt in der Ecke auf einem Barhocker und begrüßt seinen Stammgast.

Ein einarmiger Deutscher lacht scheppernd. Der habe sich in seiner Heimat einmal vor den Zug geschmissen, erzählt Faber, aber überlebt. „Seitdem er in Thailand ist, geht es ihm blendend“, lacht Faber. Später kommen zwei völlig aufgelöste deutsche Motorradfahrer in ärmellosen schwarzen Shirts. Ein Club-Bruder der beiden hat sich am Nachmittag mit dem Motorrad fast tot gefahren. Jetzt liegt er mit gebrochener Hüfte auf Morphium in einem Hotelzimmer. Im Krankenhaus wollte er nicht bleiben. Der Jüngere der beiden schwärmt von Schutzengeln, die ihn vor dem Tod bewahrt haben. Der Ältere sitzt später mit Tränen in den Augen vor einem Whiskey Cola. Ein junges Mädchen streichelt ihm den Kopf.

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Ein Ire kommt an den Tisch, der Küchen-Utensilien in China einkauft und in der Welt verkauft. „Fuck the English!“, ruft Faber ihm zu, und als der Ire geht, verabschieden sie sich wie alte Freunde. Manche der Gäste hier wissen, wer er sei. Zumindest hätten sie eine Ahnung, dass er viel Geld habe. Doch das spiele keine Rolle. Faber sagt, er schätze einfache Spelunken voller Leben mehr als teure Luxusbars.

Übermorgen fliegt Faber mit Zwischenstopp in Hongkong nach New York zu einer Aufsichtsratssitzung, anschließend nach London und wieder zurück nach Thailand. Nächste Woche dann Kanada und Deutschland. Er wird wieder Vorträge halten über die Unverantwortlichkeit der Notenbanken, wird vor Hyperinflation warnen, zum Goldkauf raten und die schlechten Aussichten der jungen Generation sowie die sinkenden Reallöhne beklagen. Vom ultimativen Zusammenbruch, der die „Grundfesten unserer kapitalistischen Gesellschaft in Brand setzen wird“, wird er sprechen. Wer ihm zuhört, wird den Eindruck nicht los, die Welt werde von den Geißeln der Menschheit – Staat und Notenbanken – in den Abgrund getrieben. Faber ärgert sich über so viel Dummheit der politischen Klasse. Und doch muss man sich Dr. Doom als einen glücklichen Menschen vorstellen:

„Wenn ich Pessimist wäre, würde ich doch nicht in Thailand Motorrad fahren.“ Dann setzt sich Faber auf seine gelbe Suzuki und donnert durch die warme Nacht, zurück in seine Fantasie-Villa.

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