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Schulden-Atlas 2018 Überschuldete Deutsche: Zu viel Miete, zu viel Konsum

Überschuldete Deutsche: Zu viel Miete, zu viel Konsum Quelle: imago images

Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland. Aktuell sind es rund 6,93 Millionen. Betroffen sind immer mehr Ältere. Experten sehen eine Ursache in den steigenden Mieten.

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Der Trend hält seit Jahren an: Die Zahl verschuldeter Menschen ist hoch, sie steigt sogar. In den vergangenen zwölf Monaten gab es 19.000 neue Überschuldungsfälle. Rund 6,93 Millionen sind es damit aktuell. Die Überschuldungsquote liegt bei über zehn Prozent (10,5). Das zeigt der neue Schuldner-Atlas 2018 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Demnach ist die Zahl überschuldeter Verbraucher in Deutschland zum fünften Mal in Folge gestiegen.

Es wird von Überschuldung gesprochen, wenn der Schuldner seine Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Kurzum: Wenn die regelmäßigen Gesamtausgaben höher sind als die Einnahmen.

Die Experten setzen die Ergebnisse ins Verhältnis zur aktuellen Stimmungslage in der Bundesrepublik und sprechen von „Licht und Schatten“. Die Stimmungslage in der deutschen Wirtschaft bewege sich zwischen Stagnationsangst und Euphorie. Deutschland sieht zwei Entwicklungen gleichzeitig: Zum einen ziehen höhere Energie- und Mobilitätskosten sowie eine insgesamt gestiegene Inflation den Verbrauchern das Geld aus den Taschen, andererseits sind derzeit so wenige Menschen arbeitslos wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Das Auf und Ab schlägt sich in der Überschuldung deutscher Verbraucher so nicht wieder. Dass sich daran bald etwas ändert, glauben die Studienmacher nicht. Angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen sei für die nächsten Monate nicht davon auszugehen, dass die Überschuldungszahlen in Deutschland sinken würden. „Hierzu werden sicherlich auch die weiter steigenden Immobilien- und Mietpreise beitragen“, heißt es im Schuldner-Atlas.

Miet- und Immobilienpreise treiben die Überschuldung

Denn Wohnen wird in deutschen Großstädten in vielen Fällen offensichtlich zunehmend zum Überschuldungsrisiko, zeigt der Schuldner-Atlas. „Auch wenn im Ranking der Ursachen von Überschuldung die Kosten für das Wohnen erst an neunter Stelle von den Betroffenen genannt werden, zeigen die gestiegenen Verbrauchsausgaben die Rolle, die vor allem die Mietpreissteigerungen spielen“, erläutert Michael Bretz, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung. Der Grund liege darin, dass Verbraucher der Begleichung von Mietschulden zumeist eine hohe Priorität einräumen: „Die Nichtzahlung von Mietkosten hat für den Mieter meist harte Folgen“, beschreibt Bretz. „Deshalb werden Mietkosten selbst bei knapper werdenden finanziellen Ressourcen meist vorrangig beglichen.“

Tatsächlich habe sich die Entwicklung von Einkommen und Wohnkosten in vielen strukturstarken Regionen entkoppelt. „Während die Kaufkraft nur noch langsam steigt, legen die Kosten für Mieten und Immobilien in vielen Regionen Deutschlands deutlich zu. In vielen deutschen Großstädten müssten Mieter bereits mehr als die Hälfte ihres Haushaltseinkommens für das Wohnen aufbringen. Das ist kaum zu schaffen“, so Bretz.

In der Regel raten Experten, fürs Wohnen – sprich Miete, Immobilienkredit, Heizkosten und Co. – nicht mehr als 30 Prozent des Einkommens auszugeben. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Herbst 2017 liegt die Mietbelastungsquote bei etwa 40 Prozent der Haushalte in Deutschlands Großstädten allerdings bei über 30 Prozent ihres Nettoeinkommens.

Laut der Stiftung hatten Ende 2017 etwa 1,3 Millionen Haushalte in deutschen Großstädten nach Abzug der Miete sogar nur ein Resteinkommen unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze zur Verfügung. „Die Folge ist, dass Geringverdiener und Hartz-IV-Empfänger sehr häufig bei ihrer Kommune um Unterstützung bitten, weil sie die Miete nicht aufbringen können“, sagt Bretz.

Wer in Deutschland besonders anfällig für Überschuldung ist, zeigt der Schulden-Atlas ebenfalls. Demnach haben nicht nur die Höhe des Einkommens und ein fester Arbeitsplatz Einfluss auf die Überschuldungslage, sondern auch Faktoren wie etwa der Schulabschluss, die Struktur und Größe des sozialen (oft familiären) Umfelds und die Nutzung von Konsumentenkrediten. Auch die „Partei-Neigung“ kann den Daten zufolge mit der Überschuldungslage korrelieren.

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