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Sport trifft Krypto Warum immer mehr Fußballclubs auf Kryptowährungen setzen

Die Tranfergerüchte um Cristiano Ronaldo lassen den Kurs vom Manchester City Fan Token nach oben schnellen. Quelle: Dpa

Immer mehr Sportvereine springen auf den Krypto-Hype auf und bringen Fan-Tokens auf den Markt. Eine neue Einstiegsmöglichkeit abseits von Bitcoin und Co.?

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Wenn Cristiano Ronaldo – einer der begehrtesten Fußballspieler der Welt – den Verein wechselt, ist die Aufregung groß. Zuerst hatten verschiedene Medien gemeldet, dass er bald Juventus Turin den Rücken zudrehen und demnächst bei Manchester City anheuern würde. Die Spekulationen lösten nicht nur, wahlweise, Jubel und Enttäuschung unter Fußballfans aus, sondern sorgten auch am Kryptomarkt für Bewegung.

Beide Vereine geben nämlich Fan-Tokens heraus, hauseigene Kryptowährungen also. Die Transfergerüchte Ronaldos trieben den Kurs des „Manchester City"-Fan-Tokens am Freitag um 20 Prozent nach oben, zeigen Daten des Analysehauses Coinmarketcap. Die Kursjagd fand jedoch ein jähes Ende, am Abend sackte er wieder um 24 Prozent ab: Denn der Kapitän der portugiesischen Nationalelf wechselt nicht zu Manchester City, sondern zu Manchester United.

Die Anekdote um den portugiesischen Fußballstar zeigt: Der Hype um Bitcoin und Co. ist mittlerweile auch in den Stadien der Welt angekommen. Zahlreiche Vereine kooperieren mit der Plattform Socios und lancieren so Vereins-Token. Große Fußballvereine wie Manchester City, AC Mailand und Paris Saint-Germain steigen so in den Markt ein.

Die Grundidee: Wer Fan-Tokens besitzt, soll sich unter anderem an Entscheidungen rund um den Verein beteiligen dürfen. Die Tokens sind so etwas wie ein digitales Guthaben, mit dem sich Fans ein Stimmrecht erkaufen können. Welches Kunstwerk in der Umkleidekabine im Camp Nou hängen soll, liegt beim FC Barcelona in der Hand der Token-Besitzer.

Lionel Messi als Krypto-Influencer

Bei Juventus Turin können sie entscheiden, welcher Song bei einem Tor abgespielt werden soll. Außerdem haben Token-Besitzer teils einen Exklusivitätsstatus. Besondere VIP-Erlebnisse, exklusive Fanartikel oder Tickets sind nur zu haben, wenn man mit der hauseigenen Kryptowährung zahlt. Das plant zum Beispiel der FC Valencia.

Die Mannschaft des spanischen Vereins wartet pünktlich zur neuen Spielsaison mit einer neuen Garderobe auf. Als erster Fußballverein der Welt wirbt er nun auf den T-Shirts für den $VCF, die hauseigene Kryptowährung. Der Schriftzug des langjährigen Hauptsponsors, der Sportwetten-Anbieter Bwin, musste dem Krypto-Abenteuer weichen.

Die Vereine wollen so auch die Fans stärker an den Verein binden. Galt vor einigen Jahren noch ein komplettes Panini-Sammelalbum mit Stickern der Fußballspieler als Beweis echter Fußballliebe, verlagert sich der Fanmarkt zunehmend ins Digitale.

Finanziell lohnt es sich für die Vereine, auf den Krypto-Hype aufzuspringen. Das Nachrichtenportal Bloomberg meldete jüngst, dass europäische Fußballvereine mit Fan-Tokens über 200 Millionen Euro verdient haben. Allein der FC Barcelona nahm damit innerhalb einer Stunde nach Verkaufsstart eine Million Euro ein.

Inzwischen verlassen einige Fan-Tokens die Nische und sind auch auf großen Kryptobörsen handelbar. Zum Beispiel der Token vom FC Barcelona, dessen Kurs allein seit Juli um 362 Prozent gestiegen ist. Im selben Zeitraum hat der Wert des Vereins-Token von Paris Saint-Germain gar um 790 Prozent zugelegt.

Seit bekannt wurde, dass Starspieler Lionel Messi einen Teil seines Millionengehalts in Fan-Token ausgezahlt bekommt, schießt die Digitalwährung des Pariser Clubs durch die Decke. Sowohl der Token von FC Barcelona als auch der von Paris-Saint-Germain können über Binance gehandelt werden, der weltweit größten Kryptobörse.

Große Risiken für Anleger

Klar, im Vergleich zum Krypto-König Bitcoin sind Fan-Tokens absolute Winzlinge. Die Marktkapitalisierung des Tokens vom FC Barcelona beläuft sich auf gerade mal rund 71 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Bei der größten und ältesten Kryptowährung liegt der Wert bei etwa 890 Milliarden Dollar. Dennoch, der Krypto-Hype bei den Fußballvereinen zeigt einmal mehr: Der Kryptomarkt ist sehr divers und umfasst mehr als Bitcoin und Ether.

Doch wie bei den großen Digitaldevisen sind auch die Fan-Tokens schwankungsanfällig. Als im Mai der globale Kryptomarkt stark nachgab, setzte das auch den digitalen Vereins-Währungen zu. Die Nachfrage danach ist nun mal unmittelbar an den Erfolg der großen Kryptowährungen gekoppelt.

Doch die Unwägbarkeiten der Krypto-Welt sind nicht die einzigen Risiken, die Anleger bei Fan-Tokens beachten müssen. Auch die wirtschaftliche Lage des Fußballvereins und die Performance auf dem Spielfeld wirken sich auf den Kurs aus. Fan-Tokens sind also mit mehr noch Unsicherheiten behaftet als Investments in Vereins-Aktien.

In Deutschland hat noch kein Top-Verein einen eigenen Fan-Token lanciert. Der FC Bayern kokettiert zwar mit der Blockchain-Technologie, mit der Kryptowährungen funktionieren. Durch eine Kooperation mit dem Unternehmen Sorare soll ein blockchainbasiertes Fantasy-Fußballspiel entstehen. Pläne für einen Fan-Token gibt es aber nicht.



Weiter war da Borussia Dortmund. Der BVB hatte im Dezember vergangenen Jahres eine Versuchsphase gestartet. Damit stieß der Verein aber auf Widerstand bei den Fans, allen voran bei der einflussreichen Ultragruppe The Unity. Als Reaktion darauf verabschiedete sich der BVB von seinen Kryptofantasien.

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