Vermögensverwalter-Ranking Die erfolgreichsten Geldmanager

Die erfolgreichsten Vermögensverwalter in Nahaufnahme: Wer sie sind, welche Strategien sie haben – und wem sie sich geschlagen geben.

Die erfolgreichsten Geldmanager in Nahaufnahme. Quelle: Stefan Nimmesgern für WirtschaftsWoche

Die ganze Welt hatte der Bundesnachrichtendienst von Pullach aus im Blick. Datenspionage und Risikoeinschätzung – das hat in dem idyllischen Städtchen südlich von München Tradition. Und die wird hier auch nach dem Teilumzug des BNDs nach Berlin weitergeführt.

Ein paar Hundert Meter vom hinter hohen Mauern und Natodraht verborgenen BND-Gelände entfernt saugen die Rechner von DJE Kapital auf, was der globale Kapitalmarkt an Daten liefert. In einer sanierten Altbauvilla in Nachbarschaft zum Ausflugslokal Isarfräulein laufen Millionen Signale zusammen. IT-Experten haben drei Jahre getüftelt, bis ein Programm die Analysen vollautomatisch aktualisiert. Das System sortiert die Informationsflut von den weltweiten Börsen, Statistikämtern, Notenbanken, Wirtschafts- und Wissenschaftsinstituten und macht aus ihnen Kurven, Tortengrafiken und Tabellen. Sie sind das Werkzeug, um 10,8 Milliarden Euro Vermögen von Anlegern zu vermehren. Als Frühwarnsystem und Ideenlieferant dienen sie den Investmentprofis bei DJE Kapital. Erkennen sie Ungleichgewichte an den Märkten, nutzen sie die, um Aktien oder Anleihen günstig zu kaufen und teurer zu verkaufen – das macht jenseits aller Daten den Anlageerfolg aus. Die verbliebenen Spione nebenan könnten glatt neidisch werden.

Angefangen hatte alles mit Berechnungen zu Geldmenge, Zins und Inflation des heute 74-jährigen, promovierten Wirtschaftswissenschaftlers und DJE-Gründers Jens Ehrhardt. Mit dem viel größeren digitalen Datenschatz hat jetzt sein 41-jähriger Sohn Jan das Anlegergeld in drei Jahren noch besser durch die Märkte gelotst als der Vater. Mit einer Strategie, die weltweit auf Dividenden und Zinsen setzt, erzielte er 30,3 Prozent plus, ohne hohe Risiken einzugehen.

Beste Vermögensverwalter 2017: Ein Exklusives Ranking der besten Geldmanager.

Im Vermögensverwalter-Ranking der WirtschaftsWoche und des Fonds-Analysehauses MMD aus Arnsberg ist das die beste Leistung in der Depotkategorie „Ausgewogen“. MMD-Chef Klaus-Dieter Erdmann und Analyst Nicolai Bräutigam haben mehr als 1300 Portfolios ausgewertet, die mit Kundengeld von rund 400 Banken und Vermögensverwaltern gelenkt werden. Das Rennen läuft in drei Kategorien: Für den renditehungrigen Anleger sind die Portfolios „Offensiv & Flexibel“ geeignet, bei denen die Fondsmanager zeitweise komplett in Aktien investieren können. In der Kategorie „Ausgewogen“ treten die Portfolios gegeneinander an, die zu maximal 60 Prozent aus Aktien bestehen sollen und bei denen die Vermögensverwalter den Rest mit Zinspapieren auffüllen. Die schwanken üblicherweise weniger stark als Aktien. „Defensiv“ sind Portfolios mit maximal 40 Prozent Aktienanteil, wobei die Verwalter bei den derzeit niedrigen Erträgen mit Anleihen vor der Herausforderung stehen, überhaupt noch Rendite zu erzielen.

Gemessen wurden der Wertzuwachs innerhalb von drei Jahren sowie das Risiko, dem Anleger ausgesetzt waren. MMD hat die Kursschwankungen jedes Portfolios (Volatilität) analysiert und die zwischenzeitlichen maximalen Verluste. Zusätzlich hat MMD den Vermögensverwalter ermittelt, bei dem Anleger in den vergangenen fünf Jahren die beste Rendite erzielt hätten – ohne auf die Risiken zu schauen. Die Verwalter im Ranking haben eine Lizenz, um einzelne Depots speziell nach Kundenwünschen zu verwalten, arbeiten aber auch mit Fonds, in die jeder Anleger kleine Beträge einzahlen kann.

Die besten Vermögensverwalter der Kategorie "Ausgewogen"

Zurück nach Pullach: Es ist ein sonniger Nachmittag Anfang Februar. Durch die Fenster des Konferenzraums blickt Jan Ehrhardt auf Tennisplätze des lokalen Clubs. Seit er Kind war, habe er dort nicht mehr gespielt, sagt Ehrhardt junior. Skifahren am Wochenende? Ebenfalls Fehlanzeige. Er kommt Mitte Februar zum ersten Mal in der Saison auf die Bretter. Freie Zeit verbringt er mit seiner Familie. Schwer beeindruckt hat den Vater, wie angstfrei sich sein vierjähriger Sohn beim Ausflug in eine Kletterhalle an den Wänden hochzieht. Die Zeit der Unbekümmertheit ist für Jan Ehrhardt vorbei, seit er bei DJE Kapital mitverantwortlich ist für das Milliardenvermögen.

Wenn ein riesiges, in der Wand eingelassenes Display leuchtet, hält Ehrhardt nichts auf dem Konferenzsessel. Er springt immer wieder auf, deutet auf die Entwicklung der Immobilienpreise in China, die Bewertung von US-Aktien, Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe, koreanische Exporte, die Preisentwicklung von Kupfer und die Zahlen zum Konsum an Flughäfen.

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