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Wolfgang Pinner "Greenbonds finanzieren Klimaschutzprojekte"

Wolfgang Pinner, der Chef für Nachhaltigkeit beim größten österreichischen Fondshaus Raiffeisen Capital Management über die Auswirkungen von Klimaabkommen auf den Aktienmarkt sowie die Bedeutung der neuen Greenbonds.

Wolfgang Pinner, Chef für Nachhaltige Geldanlagen bei Raiffeisen Capital Management in Wien. Quelle: PR

WirtschaftsWoche Online: Herr Pinner, Ein Jahr nach dem Klimagipfel in Paris haben zwar die wichtigsten Staaten das UN-Klimaabkommen unterschrieben. Aber Papier ist geduldig. Gab es denn wirklich Weichenstellungen, die den Klimawandel aufhalten können?
Herr Wolfgang Pinner: Der Durchbruch war ja schon kurz nach der Konferenz bereits die Ratifizierung durch die USA und China, was einer Sensation glich, denn die Staaten hatten solche Vereinbarungen bei vorangegangenen Konferenzen häufig torpediert, jetzt sind ihre Vorschläge sehr ambitioniert. Ab 2020 müssen dann alle die zugesagten Klimaschutzmaßnahmen verbindlich umsetzen und weniger Treibhausgase ausstoßen. Wie das genau geschehen soll, ist tatsächlich noch nicht ganz klar. Aber neben China will zudem auch Indien zu einem Vorreiter bei erneuerbaren Energien werden und die Solar- und Windkraft zur Stromversorgung fördern, alle setzen auch stark auf Elektromobilität. Das sind hoffnungsvolle Schritte.

Manche Politiker wollen ähnlich der Energiewende eine Finanzwende einläuten und verstehen darunter, dass Anleger stärker auf ökologische, soziale und ökonomische, kurz ESG-Gesichtspunkte, bei der Geldanlage achten sollen. Merken sie davon schon etwas?
Klimarelevante Faktoren haben sich in der Geldverwaltung einen wichtigen Platz erkämpft. Viele Versicherer und Großanleger haben sich inzwischen von Investments in fossile Energieträger verabschiedet, das setzt die betroffenen Energie-Unternehmen unter Druck. Auch die Bereitschaft der Anleger, in nachhaltig investierende Fonds zu gehen, ist gestiegen. Und Nachhaltigkeit ist so vielschichtig, dass es immer Ansatzpunkte gibt – etwa bei der Demografie, der Regionalität oder speziellen Investments wie den populärer werdenden Greenbonds. 2016 gibt es bereits mehr Emissionen dieser speziellen Anleihen als im ganzen Jahr 2015.

Zur Person

Ist Deutschland bei Umweltthemen noch in der Vorreiterrolle?
Nein. Die Franzosen verlangen von Geldverwaltern ab Mitte 2017 viel stärkere Transparenz zu klimarelevanten Fragen. Sie sollen Daten zu CO₂-Emissionen bekannt geben und damit zeigen, dass ihre Investments die Beschlüsse von Paris unterstützen. Es ist ein französischer Vorstoß, der aber europaweit auf Interesse unter Investoren stößt.

Bemängelt wird aktuell, dass die Daten zum CO₂-Ausstoß von Unternehmen nicht der Realität entsprächen, man also bei der Dekarbonisierungs-Debatte von falschen Annahmen ausgehe. Wie gravierend ist der Datenmangel?
Es mangelt nicht an Researchmaterial und die Transparenz ist auch gut, weil Daten aus unterschiedlichen Sektoren mittlerweile vergleichbar sind. Wenn die Nachhaltigkeitsberichte von Wirtschaftsprüfern kontrolliert und testiert werden, passt das meistens auch. Abgesichert sind also die Daten zu direkten Wirkungen wie den Emissionen. Schwieriger wird es bei Daten zu den Umweltfolgen aus der gesamten Lieferkette von Unternehmen. Da gibt es verständlicherweise bei global tätigen Konzernen durchaus Probleme.

Das verstehen die Deutschen unter Nachhaltigkeit

Auch die Transparenz von nachhaltigen Geldanlagen wird häufig kritisiert. Fehlen klare Standards?
Nein, wer nachhaltig anlegen möchte, der findet eine Vielzahl an Bewertungen und Siegeln, die ihm einen Einblick und Überblick ermöglichen. Etwa das im vergangenen Jahr eingeführte Siegel des Forum Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland oder das Umweltzeichen in Österreich sind objektive Bewertungen mit klaren Qualitätskriterien. Den Empfehlungen kann man mit gutem Gewissen folgen.

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