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Immobilien Baugeld auf Januar-Rekordtief – Hauskauf wird trotzdem immer teurer

Obwohl die Konditionen für Immobilienkredite so niedrig wie nie zu Beginn eines Jahres liegen, lässt sich der Traum vom eigenen Heim immer schwieriger realisieren. Quelle: dpa

Noch nie waren die Bauzinsen in einem Januar so niedrig wie jetzt. Aber Immobilienkäufern hilft das wenig, am Ende kostet sie ein Eigenheim deutlich mehr als noch vor einem Jahr.

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Obwohl die Konditionen für Immobilienkredite so niedrig wie nie zu Beginn eines Jahres liegen, lässt sich der Traum vom eigenen Heim immer schwieriger realisieren.

Zwar sind zu Anfang des Jahres 2020 Baugelder gegenüber dem Dezember etwas teurer geworden, weil sich nach Fortschritten bei den Dauerthemen Brexit und Handelsstreit Investoren aus dem sicheren Hafen Zinsmarkt ein wenig zurückgezogen haben, dennoch liegen die Finanzierungskonditionen derzeit so niedrig wie in keinem Januar zuvor. Bei Laufzeiten über zehn Jahre bezahlen bonitätsgute Schuldner weniger als ein Prozent an Jahreszins, das sind rund 0,5 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr oder mehr als zwei Prozentpunkte weniger als im Januar 2015.

Wer vor zehn Jahren eine Finanzierung abschloss und jetzt refinanzieren muss, freut sich noch mehr: Statt wie damals um die fünf Prozent zahlt er nun noch ein Fünftel des damaligen jährlichen Zinses. Das sollte die Haushaltskasse spürbar aufbessern. „Wer in diesem Jahr eine Anschlussfinanzierung benötigt, muss nicht mit hohen Zinsen rechnen. Konjunkturabkühlung, niedrige Inflation sowie politische und wirtschaftliche Unsicherheiten hemmen zusammen mit der lockeren Geldpolitik das Aufwärtspotenzial“, wagt Mirjam Mohr, Vorständin der Interhyp, Deutschlands größtem Vermittler privater Baufinanzierungen, einen Ausblick auch auf die kommenden Monate.

Auch die von Interhyp im monatlichen Bauzins-Trendbarometer befragten Experten von zehn Kreditinstituten rechnen mehrheitlich in den nächsten Wochen und im weiteren Verlauf des neuen Jahres mit einer Seitwärtsbewegung beim Baugeld, sprich: Die Konditionen sollten sich demnach in etwa dort einpendeln, wo sie derzeit sind.

Immobilienpreise steigen ungebremst

Kaufpanik ist also von der Zinsseite her nicht angebracht. Sorgenfalten treiben Immobilieninteressenten dagegen die Kaufpreise auf die Stirn. Denn auch im zehnten Jahr der Wende nach oben bei den Häuserpreisen hält das Tempo der Steigerung unvermindert an. Das zeigen neuesten Zahlen zum dritten Quartal 2019 des Hamburger Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung.

Demnach verteuerten sich Eigentumswohnungen gegenüber dem Vorjahr um 8,2 Prozent auf durchschnittlich 2030 Euro pro Quadratmeter. In den sogenannten Top-7-Städten Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf stiegen sie sogar um neun Prozent. Die Preise für Eigenheime verteuerten sich nicht ganz so stark, sie legten aber um immer noch deutliche 7,4 Prozent auf 2670 Euro pro Quadratmeter zu. In den Top-7-Städten müssen Käufer mit durchschnittlich 6100 Euro je Quadratmeter richtig tief in die Tasche greifen; wer Landluft im Osten Deutschlands mag, der kommt mit 1500 Euro je Quadratmeter viel günstiger weg. Die Daten beziehen sich auf um 30 Jahre gealterte Bestandsobjekte in mittlerer Lage und mit durchschnittlicher Ausstattung. Die Wohnungen haben dabei exemplarisch drei Zimmer und 80 Quadratmeter; die Häuser weisen 130 Quadratmeter Wohnfläche auf.

Bauzinsen

Preissteigerungen machen Zinsersparnis kaputt

Die erneuten Preissteigerungen kompensieren die Zinsersparnis über. Wer beispielsweise 300.000 Euro Kredit auf zehn Jahre finanziert und dann schuldenfrei sein möchte, der zahlt aktuell 2580 Euro pro Monat an Zins und Tilgung. Vor einem Jahr hätte der Interessent für dasselbe Objekt nur 273.000 Euro aufnehmen müssen. Denn jede Preissteigerung verteuert auch die Nebenerwerbskosten. Steigen die Kaufpreise um neun Prozent, dann müssen Käufer am Ende mit Nebenkosten etwa zehn Prozent mehr hinblättern. Die Berechnung mit dem Zins vom Januar 2019, der bei 1,4 Prozent lag, zeigt, dass damals Zins- und Tilgung günstiger waren: Mit 2420 Euro an monatlicher Rate hätte der Käufer gegenüber der Finanzierung in diesem Januar 160 Euro gespart, oder über die Gesamtlaufzeit immerhin 19.200 Euro – ein hübsches Sümmchen.

Sondertilgung am besten zu Jahresanfang

Wer jedoch schon gekauft hat und eine Sondertilgung leisten möchte, für den ist der Jahresbeginn am günstigsten. „Gerade zum Jahresanfang entfalten Sondertilgungen, zum Beispiel aus Bonuszahlungen oder dreizehnten Gehältern, ihr größtes Potenzial beim Schuldenabbau“, so Interhyp-Mitvorständin Mohr. Denn nach einer Sondertilgung erhöht sich bei einer festen monatliche Rate umgehend der Tilgungsanteil. Der Schuldenfreiheit kommen Hauskäufer früherer Jahre damit ein Stück näher.

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