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Jörg Benecke „Die Geschichte vom wertstabilen Betongold ist ein Märchen“

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„An ökonomischen Fragen sind Aufseher kaum interessiert“

Hat die Finanzaufsicht nicht dafür gesorgt, dass Interessen der Anleger gewahrt wurden?
Die BaFin sieht das rein formal. Ist etwas paragrafenkonform gelaufen, dann kommt ein Haken dran, auch wenn es ökonomisch der größte Schwachsinn ist. An ökonomischen Fragen sind Aufseher kaum interessiert. Das sind überwiegend Juristen. Wenn Anleger formal korrekt einen Schaden erleiden, ist das in Ordnung.

Kennen Sie ein Beispiel?
Die BaFin hatte die Immobilien-Dachfonds, die andere Fonds bündeln, dazu verdonnert, binnen drei Jahren mit ihrer Abwicklung fertig zu sein. Diese Dachfonds mussten also alle in der Abwicklung befindlichen Fonds verkaufen. Sie verschleuderten die Anteile der von ihnen gehaltenen Fonds 2017 und 2018 über die Börse – weil die BaFin beim Termin kein Pardon kannte und vor den wirtschaftlichen Folgen die Augen verschloss. Das waren großartige Kaufgelegenheiten, wir haben Fondsanteile zu Discountpreisen an der Börse gekauft. Für die Anleger der Dachfonds dagegen war es echt Mist. Ein, zwei Jahre später hätten sie mindestens 20 Prozent mehr von ihrem Geld zurückbekommen.

Wie wurden Anleger informiert?
In der Abwicklungsphase ist nur ein jährlicher Abwicklungsbericht vorgeschrieben. Der enthält meist dürres statistisches Gewäsch, informativ muss der nicht sein. So können Informationen über Fondsimmobilien völlig veraltet sein. Für Immobilienfonds, die ja durchweg an der Börse gehandelt werden, sollten aber die gleichen Ad-hoc-Meldevorschriften gelten wie für jede kleine Aktiengesellschaft.

Welche Gefahren drohen jetzt noch?
Bei abwickelnden Fonds keine, in denen liegt heute ja fast nur noch Bargeld. Ursache der Krise der offenen Immobilienfonds war ja, dass langfristige Immobilieninvestments mit Geldern finanziert wurden, die Anleger täglich abziehen konnten. Um das zu vermeiden, gibt es seit 2016 Mindesthalte- und Kündigungsfristen. Die Fonds kommen nicht mehr unter Druck, unbegrenzt Rückgabewünsche ihrer Kunden erfüllen zu müssen.

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    Also können Immobilienfonds wieder als nahezu risikolose Geldanlage verkauft werden?
    Die Geschichte vom wertstabilen Betongold ist ein Märchen. Immobilienmärkte sind, über einen Zyklus gesehen, nicht weniger volatil als die Aktienmärkte. Nehmen Sie das Shoppingcenter Diagonal Mar in Barcelona. 2006 war es Investoren aus Irland noch 300 Millionen Euro wert. 2013 kaufte es ein US-Investor für 250 Millionen Euro, und drei Jahre später zahlte der Deutsche-Bank-Immobilienfonds Grundbesitz Europa 493 Millionen Euro. Bei Immobilienfonds werden Preisschwankungen zwischendurch nur etwas geglättet, indem die Sachverständigen in Boomphasen die Verkehrswerte nicht so stark hochschreiben und die Preise im zyklischen Tal nicht so brutal runterschreiben, wie es der Realität entspräche. Das muss ja auch gar nicht verkehrt sein, erweckt halt nur nach draußen den im Prinzip falschen Eindruck, Immobilien unterlägen gar keinen so großen Wertschwankungen. Die Stunde der Wahrheit kommt immer mit dem Verkauf.

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