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Logistikzentren Aufstand gegen die Flächenräuber

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„Oft kommen Logistikplaner zu spät zu den Kommunen“

So scheiterte Aldi Süd in Wörthsee bereits zum zweiten Mal mit dem Versuch, ein neues Lager in der Region zu bauen. Einige Jahre zuvor hatte es der Discounter im nahen Gilching probiert. Jetzt hat Aldi die Suche aufgegeben: Man habe „entsprechende bauliche Maßnahmen im bestehenden Lager getroffen, um die Nutzfläche zu vergrößern“, teilte Aldi der WirtschaftsWoche mit.

Ähnlich erging es Hugo Boss: Der Modehersteller fand erst im dritten Anlauf einen neuen Standort für ein Warenlager. In Metzingen scheiterte der erste Versuch an einem Bürgerentscheid. Der damalige Bürgermeister Dieter Hauswirth (CDU) trat zurück, weil er sich für den Modekonzern eingesetzt hatte. In Nürtingen zog eine Bürgerinitiative bis vor den Verwaltungsgerichtshof, um eine Ansiedlung in der Stadt zu verhindern.

Die Kommunen sehen die Schuld bei den Unternehmen selbst: „Oft kommen Logistikplaner zu spät zu den Kommunen und erwarten dann die billige Kiste auf der grünen Wiese“, sagt Hilmar von Lojewski, Beigeordneter für Stadtentwicklung beim Deutschen Städtetag. „Die Logistiker sind nach unserer Analyse die maßgeblichen Flächenräuber in Deutschland.“ Statt der grünen Wiese sollten die Entwickler lieber alte Industriegelände nutzen.

Deutschland ist Logistik-Weltmeister
Platz zehn: JapanDie Weltbank hat rund 6000 Logistikunternehmen rund um den Globus befragt, wie ihre Erfahrungen mit der Zollabfertigung, der Nachverfolgung von Paketen und der Pünktlichkeit von Dienstleistern in verschiedenen Ländern sind. Die Unternehmen konnten in den Kategorien Zollabfertigung, Handels- und Transportinfrastruktur, Lieferungen, Zufriedenheit mit regionalen Logistikunternehmen, Pünktlichkeit und Transparenz Punkte von eins bis fünf vergeben. Daraus ergibt sich der Logistics Performance Index (LPI).Japan liegt mit einem LPI von durchschnittlich 3,91 auf Rang zehn. Am höchsten ist die Einzelwertung Japans in der Kategorie Pünktlichkeit mit 4,24 von fünf möglichen Punkten. Quelle: AP
Platz neun: USAMit nur 0,01 Punkten mehr ziehen die USA im Logistik-Ranking an Japan vorbei: 3,92 Punkte vergaben die befragten Logistiker an Amerika. Die höchste Punktzahl gab es für die Qualität der Handels- und Transportinfrastruktur (4,18 Punkte), am schlechtesten bewertet wurde das Arrangieren von Lieferungen zu arrangieren (3,45 Punkte). Quelle: REUTERS
Platz acht: LuxemburgAn Luxemburg gingen je 3,82 Punkte für die Effizienz der Zollabfertigung und das problemlose Arrangieren von Lieferungen, 3,91 Punkte für die Qualität der Infrastruktur an sich, 3,78 Punkte für die Qualität der regionalen Logistikdienstleister, 3,68 Punkte für die Nachverfolgung von Sendungen und 4,71 Punkte für die Pünktlichkeit. Insgesamt erreicht Luxemburg 3,95 von fünf Punkten. Quelle: dpa
Platz sieben: NorwegenNorwegen tat sich insbesondere bei der Qualität der Zollabfertigung mit 4,21 Punkten hervor. Insgesamt ergatterte Norwegen mit 3,96 Punkten Platz sieben - im Jahr 2012 belegte das skandinavische Land noch Rang 22. Quelle: AP
Platz sechs: SchwedenAuch Schwedens Logistik kann sich sehen lassen. Bestnoten gab es für die Pünktlichkeit (4,26 Punkte). Insgesamt erzielte Schweden eine LPI von 3,96 Punkten. Quelle: AP
Platz fünf: Singapur Singapur hat sich gegenüber dem Logistik-Ranking der Weltbank aus dem Jahre 2012 verschlechtert. Vor zwei Jahren belegte Singapur noch Platz eins, heute reicht es mit einem LPI von vier von fünf möglichen Punkten nur noch für Platz fünf. Die beste Wertung bekam Singapur mit 4,28 Punkten übrigens für die Qualität der Handels- und Transportinfrastruktur. Quelle: dpa
Patz vier: GroßbritannienInsgesamt gingen 4,01 Punkte an das Vereinigte Königreich. Im einzelnen bekam England folgende Punkte: Qualität der Zollabfertigung: 3,94 Qualität der allgemeinen Infrastruktur: 4,16 Qualität von Logistikdiensten: 4,03 Sendungsnachverfolgung: 4,08 Pünktlichkeit: 4,33 Quelle: REUTERS

Doch im hessischen Groß-Gerau wehrten sich die Anwohner sogar, als Rewe dort vor fünf Jahren auf dem Gelände einer alten Zuckerfabrik ein Lager bauen wollte. Schließlich errichtete die Supermarktkette ein kleineres Lager im Nachbarort Riedstadt.

Planer und Auftraggeber versäumten es, die Bürger früh genug einzubinden, sagt Städtetag-Vertreter Lojewski. Bauherren sollten sich mehr um „Planungsqualität und Flächensparen kümmern“, um Bürger und Politiker von den Investitionen zu überzeugen.

Dass das möglich ist, hat der Immobilienentwickler Nextparx auf dem Zuckerfabrikgelände in Groß-Gerau bewiesen. Fünf Jahre nachdem Rewe mit den Plänen für das 27 Hektar große Areal scheiterte, beginnen dort im Frühjahr 2016 die Bauarbeiten für einen Logistikpark. Allerdings soll der nur rund 20 Hektar beanspruchen. Auf drei Hektar errichtet Nextparx ein Wohngebiet, auf vier Hektar entsteht ein Park und damit auch ein Lebensraum für die seltene Mauereidechse, die sonst ihr Zuhause verlieren könnte.

Immobilien



Dreieinhalb Jahre musste der Entwickler verhandeln, bevor der Stadtrat den Plänen zustimmte, berichtet Oliver Schmitt, geschäftsführender Gesellschafter von Nextparx. Der Mittelständler aus dem hessischen Dreieich macht mit seinen zehn Mitarbeitern je nach Projektlage etwa zehn Millionen Euro Umsatz und hat sich auf Logistikprojekte spezialisiert. Etwa 110 Millionen Euro investierte Nextparx in Groß-Gerau. „Wir haben versucht, die Bürger von Anfang an einzubeziehen und sie auch zu unseren bereits gebauten Standorten zu bringen“, sagt Schmitt.

Oft scheitern diese komplizierten Projekte auf Industriebrachen jedoch an den Investoren, an die Entwickler ihre Logistikhallen meist weiterverkaufen. „Die Investoren wollen günstige und standardisierte Hallen, für die Erfahrungswerte existieren und für die sie vermeintlich leichter Nachmieter finden können,“ sagt Veres-Homm. Also genau die Art Halle, die kaum eine Kommune will.

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