Börsen und KI: Gute Blase, schlechte Blase – wann kommt endlich der Crash?

Der weltbekannte Ökonom Mohamed A. El-Erian veröffentlichte 2016 ein Buch mit einem markanten Titel: „The Only Game in Town“. Nach der Finanzkrise 2008, so El-Erian, wurden Zentralbanken zu den wichtigsten Akteuren und Treibern der Wirtschaft und Finanzmärkte – mit ihrer Null- und Niedrigzinspolitik und dem massiven Kauf von Staatsanleihen. Dieses „einzige Spiel“ aber sei trügerisch und dürfe nicht der alleinige Problemlöser sein.
Würde man heute ein Buch mit diesem Titel schreiben, müsste es wohl um Künstliche Intelligenz gehen. Die immer größeren Wetten auf Rechenzentren, Chips und KI-Agenten sind im Grunde das einzige Spiel, das die Märkte noch treibt. Oder nicht? Natürlich gibt es Donald Trump und seinen täglichen Zollgroll, aber nicht jede Drohung verschreckt mehr, und Risiken wie die Rückkehr der Inflation werden ausgeblendet.
Klar, Investoren sorgen sich um die viel zu hohen Staatsschulden in den USA oder Frankreich – und natürlich wetten sie auch auf die riesigen Investitionen in Verteidigung. Und ist nicht die Flucht ins Gold das verblüffendste Spiel an den Märkten?
Am Ende bleibt die eine große Wette auf die Zukunft: KI. Die auch alle genannten Themen von hinten aufrollt oder überrollt, weil etwa die beschworenen Produktivitätsgewinne der einzige Ausweg aus der Staatsschuldenkrise sind. „Amerika ist inzwischen eine einzige große Wette auf KI“, sagt der Fondsmanager und Autor Ruchir Sharma. Sie gelte als Allheilmittel, als „magic fix“, für alle Probleme, die die USA haben. Was natürlich ein Grund zur Sorge ist.
Bei den 100-Milliarden-Wetten können diese Konzerne eh nicht mitspielen. Zumal diese größtenteils aus dem Cashflow der Techkonzerne finanziert werden, in immer inzestuöseren Partnerschaften: Nvidia investiert in OpenAI, damit der KI-Gigant genug Kapital hat, um die Superchips zu kaufen. Immerhin: Ein Staat wird hier nicht retten müssen, wenn diese Wetten nicht aufgehen. Und das werden viele nicht. Ist das schlimm?
Nun, zumindest werden der Crash und die Blase fortlaufend beschworen. Es vergeht kein Tag ohne Warnung, zuletzt vom Internationalen Währungsfonds und der Bank of England. Zuvor hatten unter anderem Jamie Dimon, CEO von JP Morgan, Fed-Chef Jerome Powell und sogar OpenAI-Gründer Sam Altman selbst vor der KI-Blase gewarnt.
Was tun, wenn es kracht?
Wir durchleben also eine der am besten prognostizierten Blasen seit langem, was nicht bedeutet, dass der eigentliche Knall dann doch plötzlich und heftig kommt. Das Geld indes, das dann vermutlich verbrannt oder verloren wird, kommt vornehmlich von den größten Cashpolstern der Welt: von Alphabet, Microsoft und Meta. Abgesehen natürlich von den Bewertungen an den Börsen selbst.
Was aber werden viele tun, wenn es um zehn bis 20 Prozent abwärts geht? Ich vermute mal: einsteigen oder nachkaufen. Was aus derzeitiger Sicht auch nachvollziehbar ist. Man will bei der KI-Wette ja nicht außen vorbleiben, bevor sie – zumindest in ihrer Dimension – nicht grundsätzlich widerlegt ist.
Amazon-Gründer Jeff Bezos hat dieser Tage eine interessante Differenzierung ins Feld geführt. Es gebe „schlechte Blasen“, die wie 2008 im Finanzsystem entstehen – und „gute Blasen“, sagte er vor einigen Tagen auf einer Konferenz.
Derzeit würden zwar eine Menge schlechte Ideen finanziert, am Ende aber würden alle von den technologischen Errungenschaften profitieren. „Die Vorteile der KI für die Gesellschaft werden gigantisch sein.“ Bezos’ Fazit: „Es gab noch nie einen besseren Zeitpunkt, um sich auf die Zukunft zu freuen.“
Also, spielen wir das Spiel weiter.
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