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Bonität und SchufaWann Verbraucher kreditwürdig sind

Statt renditelosem Sparen lieber einen billigen Kredit? Wer sich so einen Traum erfüllen will, muss zunächst durch die Bonitätsprüfung. Was die Schufa weiß, wann es kritisch wird – und was Verbraucher tun können.Andreas Toller 11.08.2016 - 11:53 Uhr

Tipps und Tricks: Die eigene Kreditwürdigkeit verbessern.

Foto: dpa Picture-Alliance

Reicht das Ersparte nicht für das neue Auto, den Immobilienkauf oder die notwendige Wohnungseinrichtung? Dann muss zur Not ein Kredit her. Der ist momentan so günstig wie nie. Immobilienkredite sind mittlerweile unter einem Prozent Effektivzins zu bekommen. Ratenkredite schon unter 2,5 Prozent – vorausgesetzt, der Kreditnehmer ist zahlungskräftig. Und zahlungswillig! Das verrät Kreditgebern die Bonitätsnote.

Die wollen sich davon überzeugen, dass der Kunde seine Raten auch bedienen kann. Auch Online-Händler oder Mobilfunkanbieter wünschen eine Bonitätsauskunft. Die holen sie sich von Auskunfteien wie Schufa, Arvato Infoscore, Creditreform, Bürgel und anderen. Allein die Schufa, Marktführer bei Bonitätsauskünften für Banken, erteilt jeden Tag 350.000 Auskünfte über Zahlungsverhalten und Ausfallwahrscheinlichkeiten von Verbrauchern. Die Zahl der bei ihr gespeicherten Verbraucherkredite ist in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen: Das Niedrigzins-Umfeld wirkt.

Problematisch wird es für Verbraucher, wenn die Bonitätsbewertung schlecht ausfällt. Um der Kreditwürdigkeit auf die Sprünge zu helfen müssen sie wissen, wie die Auskunfteien arbeiten und welche Informationen sie preisgeben.

Was genau macht die Schufa?

Hauptaufgabe der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (SCHUFA) ist das Sammeln von Daten. Damit soll die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern überprüft werden. Die Daten sammeln die Wiesbadener nicht selbst sondern bekommen sie von Vertragspartnern wie Banken oder Mobilfunkanbietern. Gleichzeitig wiederum können Kreditgeber eine Auskunft über einen Kunden bei der Schufa einholen.

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Seit wann gibt es die Schufa?

Die Schufa wurde 1927 gegründet und ging aus der Berliner städtische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (BEWAG) hervor. Die verkaufte neben Strom auch Haushaltsgeräte auf Raten. Da nur regelmäßig zahlende Kunden ihre Geräte bekamen, sammelte das Unternehmen viele Daten zu den Zahlungsgewohnheiten seiner Kunden. Damit entstand die Grundlage für die Berliner Schutzgemeinschaft zur Absatzfinanzierung, einem Vorläufer der Schufa.

Foto: WirtschaftsWoche

Wie berechnet sich der Schufa-Score?

Der Schufa-Score ist die finanzielle Prognose, die die Wiesbadener für Sie erstellen. Die Punktzahl liegt zwischen eins und hundert, je niedriger der Wert, desto schlechter Ihre Aussichten auf einen (günstigen) Kredit. Die Schufa berechnet den Wert anhand der Informationen, die sie über eine Person gespeichert hat. Wichtig sind dabei zum Beispiel alle Daten rund im Ihre Kredite, beispielsweise wie viele Kredite Sie in den letzten Monaten angefragt haben oder ob es Zahlungsschwierigkeiten gab. Allerdings fließen auch allgemeine Personendaten mit in die Berechnung ein. Den genauen Rechenweg veröffentlicht die Schufa nicht, Kritiker werfen ihr deshalb Intransparenz vor.

Foto: WirtschaftsWoche

Was sagt der Score aus?

Je höher der Wert, desto besser. Ein Wert über 97,5 Prozent steht laut Schufa für ein sehr geringes Risiko für Kreditausfälle. Zwischen 90 und 95 Prozent ist das Risiko bereits nur noch zufriedenstellend bis erhöht, zwischen 80 und 90 Prozent sogar schon deutlich erhöht bis hoch. Ein Wert unter 50 Prozent gibt ein sehr kritisches Risiko an.

Foto: WirtschaftsWoche

Was kostet die Auskunft?

Die Bonitätsauskunft der Schufa kostet 18,50 Euro. Allerdings ist die Schufa laut § 34 des Bundesdatenschutzgesetzes verpflichtet, die Daten für eine einmalige Einsicht (pro Jahr) kostenlos zur Verfügung zu stellen. Dann bekommen Kunden lediglich eine einfache Übersicht über ihre Daten.

Foto: WirtschaftsWoche

Verwendet die Schufa auch Adressdaten?

Ja, allerdings nur, wenn der jeweilige Auftraggeber das möchte. Dann fließen kreditrelevante Daten aus dem Umfeld der Anschrift, beispielsweise von Nachbarn, mit in die Berechnung ein. Nur daraus kann allerdings kein Score berechnet werden.

Foto: dpa

Wie bekomme ich meine Schufa-Daten?

Die Kontrolle der Daten kann sinnvoll sein, um böse Überraschungen zu vermeiden. Dazu können Sie eine sogenannte Selbst- beziehungsweise Eigenauskunft einholen. Diese können Sie entweder online über die Homepage der Schufa einholen oder bestellen. Wer beispielsweise eine neue Wohnung mieten möchte, wird von seinem Vermieter oft aufgefordert, eine Schufa-Auskunft vorzulegen.

Foto: Screenshot

Wann müssen die Schufa-Daten wieder gelöscht werden?

Nach einer gewissen Zeit müssen Schufa-Einträge wieder gelöscht werden. Je wichtiger die Auskunft, desto länger bleibt sie bei der Schufa erhalten. Eine Anfrage zur Eröffnung eines Girokontos wird beispielsweise nach genau einem Jahr wieder gelöscht. Ein Kredit dagegen verschwindet erst drei Jahre, nachdem das Darlehen vollständig zurückgezahlt wurde. Dagegen wird ein Kreditkartenkonto sofort gelöscht, wenn es aufgelöst wurde. Nach eigener Auskunft speichert die Schufa keine Daten zu Einkommen, Vermögen, Beruf oder Nationalität von Bürgern.

Foto: WirtschaftsWoche

Was sind A- und B-Auskünfte?

Die Auskünfte, die beispielsweise Kreditgeber von der Schufa bekommen, werden in A- und B-Auskünfte unterteilt. Aus den B-Auskünften geht hervor, ob der Verbraucher Kreditraten oder Rechnungen ordnungsgemäß bezahlt hat. A-Auskünfte dagegen zeigen genau an, wie viele Konten, Kreditkarten oder andere Belastungen der Kunde hat. Diese Informationen übermittelt die Schufa hauptsächlich an Geldinstitute.

Foto: WirtschaftsWoche

Wo die Schufa an ihre Grenzen stößt

Im vergangenen Jahr wollte die Schufa auch über die sozialen Netzwerke Twitter oder Facebook auf Datenfang gehen. Das Hasso-Plattner-Institut sollte im Auftrag der Schufa erforschen, inwiefern sich solche Internetquellen für die Bewertung der Bonität eignen. Datenschutzbeauftragte sind gegen das Vorhaben Sturm gelaufen, im Zuge der öffentlichen Kritik ist das Forschungsinstitut aus dem Vorhaben wieder ausgestiegen.

Foto: dapd

Was die wenigsten wissen: Schon bei einer Bestellung über das Internet ist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen in aller Regel eine sogenannte Schufa-Klausel enthalten, mit der der Kunde die Weitergabe von Daten an eine Auskunftei erlaubt.

Bei Bankkrediten jedweder Form ist sogar ein eigenes Formular üblich, das der Kunde unterschreiben muss. Aber welche Daten kennt die Schufa eigentlich? Welche Informationen gibt sie raus und was beeinflusst die Bonitätseinstufung eines Verbrauchers?

Sechs Millionen Bürger mit eingeschränkter Bonität

Die Auskunftei Schufa hortet und pflegt Informationen über das Zahlungsverhalten von 66 Millionen Bundesbürgern und vergibt für jeden einen Score-Wert. Dieser drückt die Wahrscheinlichkeit in Prozent aus, mit der ein Verbraucher seinen Zahlungsverpflichtungen auch nachkommt. Die Daten dazu kommen von den 9000 Vertragspartnern, überwiegend Banken, Leasinggesellschaften und Telekommunikationsanbieter. Um Schufa-Auskünfte zu beziehen, sind sie zugleich verpflichtet, relevante Daten zum Zahlungsverhalten ihrer Kunden zeitnah an die Schufa zu melden.

Was die Schufa speichert – und was nicht
Die Schufa speichert zu natürlichen Personen personenbezogene Daten wie:- Namen- Geburtsdatum und gegebenenfalls Geburtsort- Anschrift, eventuelle sonstige, auch frühere Anschriften- auf Wunsch und nur nach Anzeige: Identitätsbetrugsopfer (soll erneuten Betrug verhindern)
Ferner erhält die Schufa Informationen über:- Bankkonten- Kreditkarten- Leasingverträge- Mobilfunkkonten- Ratenzahlungsgeschäfte- Kredite und Bürgschaften- sowie etwaige Zahlungsausfälle bei angemahnten und unbestrittenen Forderungen
Die Schufa speichert keine Informationen über:- Vermögen und Einkommen- Marketingdaten (Kaufverhalten oder Ähnliches)- Beruf- Lebenseinstellungen und Mitgliedschaften (z. B. religiöse, politische etc…)- Ehegatten- Nationalität
Die Schufa erhebt selbst keine Daten und führt keine Recherchen durch. Sie erhält die Daten von:- ihren Vertragspartnern- öffentlichen Schuldnerverzeichnissen- und anderen öffentlichen BekanntmachungenTexte: Walter Epp.

Schufa-Sprecher Ingo Koch betont: „Zu über 90 Prozent der von uns erfassten Verbraucher liegen ausschließlich positive Informationen vor. “ Diese Verbraucher profitieren unmittelbar von der Schufa-Auskunft, weil Banken, Handel Vermieter oder Telekommunikationsanbieter sich damit binnen Sekunden bestätigen lassen können, dass sie zahlungswillig sind. „Zu 4,1 Prozent der Verbraucher sind erste Zahlungsschwierigkeiten bekannt oder die Risikoquote, mit der Probleme bei der Kreditrückzahlung auftreten – wir nennen sie Score – liegt bei mehr als zehn Prozent“, erklärt Koch. „1,1 Prozent der Personen im Schufa-Datenbestand hatten 2015 mindestens eine offene Verbindlichkeit, die angemahnt und unbestritten war. Eine kritische finanzielle Lage verzeichnen wir bei nur 4,4 Prozent der Verbraucher. Sie haben beispielsweise eine Vermögensauskunft abgeben müssen oder durchlaufen ein Verbraucherinsolvenzverfahren.“

Dass die Rückzahlungsquote bei Verbraucherkrediten in Deutschland mit 97,6 Prozent sehr hoch ist und Deutsche als gute Schuldner gelten, ist auch ein Verdienst der Auskunfteien, die für eine grundlegende, unabhängige Einschätzung der Bonität von Verbrauchern und Firmen sorgen. Zwar legt jede Bank und jedes Unternehmen zusätzliche eigene Bonitätskriterien an, die über eine Kreditvergabe oder das Zustandekommen eines Geschäfts entscheiden. Einen wichtigen Bestandteil steuern jedoch die Auskunfteien bei.

Falsche Schufa-Auskunft

Der Bonitätskrieg und wie Kreditnehmer ihn gewinnen

Falsche Schufa-Einträge können erheblichen Schaden anrichten, wie ein aktueller Fall zeigt. Was Banken und die Schufa dürfen, wie sich Kreditnehmer wehren und fehlerhafte Bonitätsauskünfte korrigieren.

von Andreas Toller

Wünscht ein Verbraucher zum Beispiel eine Baufinanzierung, benötigt die angefragte Bank neben einer Bonitätsauskunft immer auch Angaben zur Einkommens- und Vermögenssituation des Antragstellers. Diese Daten werden von der Schufa überhaupt nicht erfasst. Für eine Immobilienfinanzierung sind sie jedoch zwingend nötig, ebenso wie Angaben zu Haushaltsausgaben, Art der Beschäftigung oder Familienverhältnissen. Entsprechen die Auskünfte nicht den Ansprüchen des Kreditgebers, gibt es trotz guter Schufa-Auskunft mit hohem Bonitätsscore am Ende keinen Kredit.

In den Score fließen alle Informationen zum Zahlungsverhalten ein, die der Schufa vorliegen. Das sind Angaben zu vorhandenen Bankkonten, Kreditkarten, Leasingverträgen, Mobilfunkkonten, Versandhandelskonten, Ratenzahlungsgeschäften, Krediten und Bürgschaften sowie etwaige Zahlungsausfälle bei angemahnten und unbestrittenen Forderungen. „Der Score ist Ergebnis des individuellen Zahlungsverhaltens und der Konstellation der verschiedenen erfassten Merkmale“, so Koch. Einzelmerkmale, die sich direkt auf den Bonitätsscore auswirken, sind daher kaum auszumachen.

Wie Sie herausfinden, was Auskunfteien über Sie speichern
Verbraucher rufen die Seite des Betreibers informa risk & fraud prevention (www.informa-irfp.de) auf, auf der sie in der Rubrik „Selbstauskunft und Datenschutz“ ein Formular herunterladen können. Dann müssen sie Namen, Adresse und Geburtsdatum eintragen und das Formular per Post an informa schicken – samt Kopie des Personalausweises (Vorder- und Rückseite). Entdecken sie Fehler in der Selbstauskunft, können sich Betroffene entweder an informa oder an den Versicherer wenden, der den Eintrag gemeldet hat. Das gilt auch, wenn Einträge korrekt sind, aber bereits gelöscht sein müssten.
Auf www.meineschufa.de können Interessierte ein Bestellformular für eine „Datenübersicht“ herunterladen, ausfüllen und per Post an die Schufa schicken. Auch hier ist wieder eine Ausweiskopie nötig. Alternativ ist ein ständiger Online-Zugriff auf die eigenen Schufa-Daten möglich – inklusive sofortiger Info über Neues, etwa Änderungen der Bonität. Das kostet je nachdem, ob es sich um die Service-Varianten Kompakt, Plus oder Premium handelt, zwischen 3,95 und 9,95 Euro pro Monat. Die Registrierung schlägt mit einmalig 9,95 Euro zu Buche. Die Schufa verspricht, unvollständige, unzutreffende oder veraltete Angaben „kostenlos und umgehend“ zu korrigieren. Dazu sollen sich Verbraucher ans Privatkunden Service Center (Postfach 10 34 41, 50474 Köln) wenden und ihr Anliegen „kurz schriftlich darstellen“, am besten mit Belegen. Die Schufa hakt nach eigenen Angaben meist noch am selben Tag beim Vertragspartner nach, der den Eintrag gemeldet hat.

Das kann zum Beispiel bedeuten, dass viele Kreditkartenverträge im Zusammenhang mit Zahlungsstörungen – zum Beispiel bereits angemahnte und unbestrittene Forderungen - eher negativ bewertet werden, ohne jegliche Zahlungsausfälle jedoch positiv. Dann ist eher davon auszugehen, dass die Kreditkartenanbieter dem Verbraucher Vertrauen schenken und gerne Geschäfte mit ihm machen.

Viele Girokonten können darauf hindeuten, dass der Kunde nicht gut mit seinem Geld zu haushalten weiß. Oder aber es gibt gute und völlig harmlose Gründe dafür, etwa weil er ein Geschäft betreibt und dafür verschiedene Konten benötigt.

Was dem Score schadet

Mahnverfahren, vollstreckbare Titel wie etwa zu Zwangsversteigerungen oder Pfändungen, Privatinsolvenzverfahren, eidesstattliche Erklärungen, ungedeckte Schecks – all das senkt den Bonitätsscore. Ab welchem Score-Wert eine Bonität als schlecht gilt und eine Kreditanfrage abgelehnt wird, liegt im Ermessen des Kreditgebers, also in der Regel der Bank.

Ein niedriger Score bedeutet für die Bank zunächst ein höheres Ausfallrisiko für den Kredit. Wenn sich das noch im Rahmen bewegt, wird sie dafür nur einen Zinsaufschlag verlangen. Ganz abgelehnt wird ein Kredit hingegen mit großer Wahrscheinlichkeit, wenn die Schufa eine Privatinsolvenz oder einen Offenbarungseid vermerkt hat.

Eine Selbstauskunft gibt Aufschluss über die gespeicherten Daten. Darin finden sich neben den personenbezogenen Daten sämtliche Konten und relevanten Verträge mit laufenden Zahlungsverpflichtungen, zum Beispiel laufende Kredite. Sollte es unbestrittene und angemahnte offene Forderungen geben, sind diese ebenso vermerkt wie gerichtlich erwirkte, vollstreckbare Titel, eidesstattliche Erklärungen (Offenbarungseid) oder Insolvenzverfahren.

Diese Daten verwendet die Schufa in ihrem Score
Um die Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, mit der ein Kredit ausfällt, erstellt die Schufa einen Prozentwert, den so genannten „Schufa-Score“. Hat jemand zum Beispiel einen Wert von 85 Prozent, so beträgt dessen Kreditausfallwahrscheinlichkeit 15 Prozent. Für ihr Scoring verwendet die Wirtschaftsauskunftei eine Vielzahl von Daten. Generell gilt: Nicht jede Information fließt auch in die Berechnung ein. Und: Auch, wenn bestimmte Daten über eine Person nicht vorliegen, können sie deren Score beeinflussen. Ein Überblick.Quelle: Anhang einer Schufa-Verbraucherauskunft
Zu den allgemeinen Daten, die in den Schufa-Score einfließen, zählen zum Beispiel das Geburtsdatum und das Geschlecht. Zudem erfasst die Auskunftei die Anzahl der Adressen, welche die Person in ihrem Geschäftsverkehr mindestens einmal verwendet hat.
Hierbei ermittelt Schufa ob und wie viele Kreditgeschäfte innerhalb der letzten 12 Monate eine Person angefragt und abgeschlossen hat.
Zu den Zahlungsstörungen, die in den Schufa-Score einfließen, zählen nicht nur geplatzte Kredite. Auch, wer seine Handyrechnungen und die Bestellungen bei Einzelhändlern nicht pünktlich zahlt, riskiert einen schlechteren Schufa-Score. Neben der Art der unerfüllten Kredite achtet die Auskunftei auch auf deren Anzahl: Je mehr unbezahlte Rechnungen sich stapeln, umso schlechter die Bonität.
Wie oft und welche Art von Krediten eine Person in Anspruch nimmt, erfasst die Schufa ebenfalls. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Informationen beim Scoring berücksichtigt werden, steigt, je mehr Unternehmen dem Schuldner Kredit gewähren.
Hierbei untersucht die Auskunftei die Laufzeit der Kredite, die eine Person bedient. Dabei deute eine lange Laufzeit auf viel Erfahrung im Umgang mit finanziellen Verpflichtungen, so die Auskunftei.
In der Regel verwendet die Schufa bei ihrem Scoring keine Bewertung der Anschrift des Kreditnehmers. Wenn jedoch nur wenige Informationen zur Person vorliegen, verwendet die Auskunftei Informationen aus der direkten Umgebung der Anschrift. Text: Julia Rotenberger.

Dass ein negativer Schufa-Eintrag droht, wird dem Verbraucher mitgeteilt. Bevor ein Unternehmen einen Zahlungsausfall oder -versäumnis der Schufa melden darf, muss es dem Verbraucher diesen Schritt ankündigen und eine Frist setzen. Folgt ein Negativvermerk bei der Schufa, bleibt er für lange Zeit, teilweise Jahre noch sichtbar und senkt den Score.

Bei Beträgen von maximal 2000 Euro erfolgt die Löschung aus der Schufa-Datenbank, wenn innerhalb von sechs Wochen nach dem Eintrag gezahlt wird. Alle anderen Einträge werden sonst spätestens nach drei bis vier Jahren nach Zahlungsausgleich gelöscht. Informationen über laufende Verträge oder Konten werden erst gelöscht, wenn die Schufa über ihre Auflösung informiert wird.

Diese Fristen gelten bei Löschung von Schufa-Daten
Wer schon einmal Zahlungsschwierigkeiten hatte, hat sicherlich Interesse daran, dass Informationen darüber nicht allzu lange bei der Schufa bleiben. Doch das ist oft nicht der Fall. Infos über Kreditanfragen, Verträge und Insolvenzverfahren bleiben monate- oft jahrelang in den Verzeichnissen der Auskunftei. Ein Überblick über die Löschungsfristen.Quelle: Anhang einer Schufa-Verbraucherauskunft
Kreditanfragen löscht die Schufa erst nach 12 Monaten. In den Auskünften stehen diese Angaben Schufas Vertragspartnern aber nur zehn Tage lang zur Verfügung.
-Kredite ab dem Zeitpunkt der Rückzahlung-Infos über nicht erfüllte Zahlungen. Als Referenzdatum gilt hierbei der Zeitpunkt der Speicherung. Voraussetzung für die Löschung nach drei Jahren ist, dass sich die Zahlungsunregelmäßigkeiten erledigt haben.-Informationen über Kreditkartenkonten. Referenzdatum: Beendigung der Geschäftsbeziehung mit dem Kreditgeber-Daten aus den Schuldnerverzeichnissen der Amts- und der zentralen Vollstreckungsgerichte. Wenn die Informationen jedoch bei den Gerichten selbst schon gelöscht sind, dann löscht auch die Schufa sie vor Ablauf der Dreijahresfrist.-Informationen über eine Restschuldbefreiung (Erteilung oder Versagung)-Infos über die Aufhebung eines Insolvenzverfahrens.
Informationen über Zahlungsschwierigkeiten und nicht erfüllte Verträge können bis zu vier Jahre lang gespeichert werden, wenn diese Dinge unerledigt bleiben. In besonders gravierenden Fällen – etwa bei einer unausgeglichenen titulierten Forderung – darf Schufa die Daten noch länger speichern.
Informationen über die Abweisung eines Insolvenzverfahrens oder über die Einstellung des Verfahrens mangels Masse löscht Schufa auf den Tag genau nach fünf Jahren.
Informationen über die Ankündigung einer Restschuldbefreiung bleiben sechs Jahre lang in der Schufa-Kartei. Ebenso die Infos über die Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens. Wichtig: Das Merkmal „Insolvenzverfahren eröffnet“ wird jedoch schon nach drei Jahren nach der Aufhebung oder der Einstellung des Verfahrens gelöscht.
Informationen über Girokonten löscht die Schufa, sobald das Konto selbst gelöscht wird. Bei Versandhauskonten verschwinden die Infos aus der Kartei, sobald die Forderungen gegenüber dem Anbieter beglichen sind.

Im Grunde gibt es für Verbraucher, die keine negative Schufa-Auskunft riskieren wollen, nur ganz selbstverständlich anmutende Tipps:

1. Halten Sie die Kredite und Zahlungsverpflichtungen immer in einem Rahmen, den Sie finanziell gut verkraften können. Lösen Sie wann immer möglich Kredite ab. Schulden zu tilgen, ist immer die rentabelste Investition.
2. Zahlen Sie pünktlich und regelmäßig.
3. Sollten Sie doch einmal eine Zahlung versäumen, ignorieren Sie die Mahnungen nicht. Zahlen Sie in den nächsten Tagen oder widersprechen Sie der Forderung, am besten schriftlich.

Andere kursierende Tipps gehören hingegen eher ins Reich der Mythen. So ist es zum Beispiel eine Mär, dass ein hoher eingeräumter aber ungenutzter Dispokreditrahmen den Score erhöht. Auch die Nutzung des Dispokredits müssen Banken der Schufa nämlich nicht melden, können dies aber freiwillig tun.

Kreditanfragen vs. Konditionenabfrage

Einen Tipp, seine Bonitätsbewertung zumindest nicht ungewollt zu verschlechtern, gibt es dennoch. Wer sich für einen Kredit interessiert, sollte darauf achten, den Bankberater zunächst nur um eine Kreditkonditionenabfrage zu bitten. Damit lassen sich die Angebote mehrerer Anbieter vergleichen, ohne dass die Schufa-Auskunft dies anderen Banken verrät. Eine Kreditanfrage hingegen geht mit einem Vermerk bei der Schufa einher. Viele Kreditanfragen oder sogar abgelehnte Anträge senken den eigenen Score. Zudem bleiben die Anfragen für zwölf Monate gespeichert. Allerdings werden diese Informationen nur zehn Tage nach der Anfrage an Vertragspartner weitergegeben.

Eine Kreditanfrage sollten Sie also nur stellen, wenn sie sich nach einer Konditionenabfrage mit einem Anbieter einig sind. Läuft alles glatt, kann sich das auch positiv auf die Bonitätsbewertung auswirken.

Wer diese Hinweise beachtet und den Eindruck macht, er habe seine Finanzen gut im Griff, sollte eine hohe Bonitätseinstufung erreichen. Eine Einschränkung gibt es jedoch. “Ein Score von 100 Prozent kommt in der Praxis nicht vor“, erklärt Koch. „Das wäre eine Garantie, dass der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt. Es bleibt immer ein Restrisiko, dass der Verbraucher durch besondere Lebensumstände wie Jobverlust, Krankheit oder Scheidung in finanzielle Not gerät oder vor Begleichen seiner Schuld unerwartet verstirbt.“

Fehler korrigieren lassen

Fehler in der Schufa-Auskunft sind höchst selten. Das zeigt sich vor allem in der Bilanz des Schufa-Ombudsmanns. Er leitet die Schlichtungsstelle der Schufa, die im Streitfall kostenlos und unabhängig prüft, ob Negativeinträge berechtigt sind. Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier hat 2015 lediglich 741 Anträge auf Schlichtung auf den Tisch bekommen. Davon hat er 329 zugelassen, bei den übrigen hatte zuvor noch nicht einmal der notwendige Kontakt zum Service-Center der Schufa bestanden. Bis zum Jahresende gingen die Schiedsverfahren für nur 39 Verbraucher zu ihren Gunsten aus. Angesichts der rund 350.000 Auskünfte, die die Schufa pro Tag erteilt, ist die Fehlerquote also marginal.

Dennoch: Fehler bei den gespeicherten Daten sind nicht auszuschließen. Nicht zuletzt, weil es die Schufa-Kunden – vor allem Banken und Händler - selbst sind, die Zahlungsverhalten und Kreditgeschäfte an die Schufa melden.

Verbrauchern, die einen Kredit beantragen wollen oder viele Kreditverträge und Konten haben, ist daher dringend zu empfehlen, die einmal jährlich kostenlose Datenauskunft der Schufa anzufordern und zu überprüfen. Fehler können dann der Schufa gemeldet und im Abgleich mit dem Urheber der Falschinformationen korrigiert werden. Der Service der Schufa hilft dabei unkompliziert; wer entsprechende Belege mitsenden kann, beschleunigt die Prüfung.

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