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Soli und Krankenversicherung So viel mehr Nettogehalt bringt 2021 wirklich

Wegfall des Solidaritätszuschlags Quelle: imago images

Seit Jahresanfang müssen die meisten keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen. Im Gegenzug fällt oft mehr Beitrag für die Krankenversicherung an. Zumeist bleibt trotzdem mehr vom Lohn. Diese Beispiele zeigen, wie viel.

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Einige Vertriebler bei Banken, Fondsgesellschaften oder Versicherern haben den Wegfall des Solidaritätszuschlags zu Jahresbeginn als Chance begriffen: Die Kunden sollten die Entlastung doch nutzen, um Geldanlage oder Vorsorge aufzustocken. „Mit der Soli-Ersparnis neue Spielräume gewinnen“, heißt es etwa bei der R+V Versicherung. Auf ihrer Website stellt sie einen Ersparnisrechner bereit und bietet an, das eingesparte Geld in die Vorsorge zu stecken. Wie praktisch!

Die Botschaft ist nicht falsch. Die meisten werden durch den Wegfall des Soli  tatsächlich entlastet. Zwar müssen ihn Spitzenverdiener weiter zahlen und auch Sparer werden im Rahmen der Abgeltungsteuer weiter belastet. Doch wenn normales Arbeitseinkommen den Großteil der Einkünfte darstellt, überwiegt der Entlastungseffekt.

Der Soli wurde bislang als 5,5-prozentiger Zuschlag zur Einkommensteuer erhoben. Bei Alleinstehenden entfällt er nun bis maximal knapp 74.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen komplett. Darüber hinaus wird er schrittweise wieder erhoben. Erst ab 109.451 Euro brutto fällt er weiter in voller Höhe an. Bei Ehepartnern mit gemeinsamer Steuererklärung gelten doppelt so hohe Beträge.

Wie viel bringt der Soli-Wegfall?

Schon diese komplexe Regeln machen es vielen allerdings schwer, die genaue Ersparnis abzuschätzen. Dazu kommen noch gegenläufige Effekte, durch steigende Sozialabgaben und Krankenversicherungsbeiträge – sowohl bei Privatversicherten, die nun nach Lösungen suchen, als auch bei gesetzlich Krankenversicherten. Der von den Krankenkassen kassenindividuell erhobene Zusatzbeitrag ist 2021 im Durchschnitt von 1,1 Prozent auf 1,3 Prozent gestiegen. Außerdem wird jetzt auf bis zu 4837,50 Euro monatlich der Beitrag für gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung fällig, statt nur auf bis zu 4687,50 Euro wie 2020. Diese steigende Beitragsbemessungsgrenze verteuert die Krankenversicherung bei Gutverdienern noch zusätzlich.

Betrachten wir also einen Musterfall: 45 Jahre alt, kinderlos und Mitglied der gesetzlichen Sozialversicherungen, ohne Kirchenzugehörigkeit. Seine Krankenkasse verlangt einen Zusatzbeitrag, der genau dem Kassendurchschnitt entspricht.

Szenario 1: 3500 Euro Bruttomonatsgehalt
Verdient der Mustermensch 3500 Euro im Monat, fallen rund 30 Euro an Soli weg. Hinzu kommt noch eine kleine steuerliche Entlastung, da der Grundfreibetrag zu Jahresbeginn gestiegen ist. Insgesamt führt das zu rund 44 Euro Vorteil pro Monat. Beim Gehalt von 35000 Euro steigt der Krankenkassenbeitrag nur um 3,50 Euro, sodass ein Großteil dieser Ersparnis tatsächlich ankommt: etwa 40 Euro monatlich.

Szenario 2: 4500 Euro Bruttomonatsgehalt
Der Soli-Wegfall und eine zusätzliche Steuerentlastung kommen auch hier weitgehend an: Fast 64 Euro machen sie aus. Für die Krankenversicherung fallen knapp fünf Euro mehr im Monat an. Mit etwa 60 Euro pro Monat bleibt die Entlastung damit aber deutlich spürbar.

Szenario 3: 5500 Euro Bruttomonatsgehalt
Der Gutverdiener mit 5500 Euro monatlich wird durch Soli-Wegfall und Steuerplus noch stärker entlastet, insgesamt um etwa 94 Euro. Doch sein Beitrag für gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung steigt im Gegenzug stärker als in den übrigen Szenarien. Das liegt an der höheren Beitragsbemessungsgrenze 2021.

Der Gutverdiener liegt oberhalb der alten und neuen Grenze, sodass er jetzt monatlich auf 150 Euro mehr an Einkommen seinen Kassenbeitrag zahlen muss. Darauf fällt der Arbeitnehmer-Anteil von insgesamt 7,95 Prozent für die Krankenkasse und 1,775 Prozent für die Pflegeversicherung an (samt Kinderlosenzuschlag). Allein die gestiegene Beitragsbemessungsgrenze kostet ihn daher bei den neuen Beitragssätzen 14,40 Euro mehr im Monat als bisher. Der Anstieg des GKV-Zusatzbeitrags um 0,2 Prozentpunkte, je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen, verteuert die Sozialversicherungen des Arbeitnehmers um weitere knapp fünf Euro im Monat. Unter dem Strich bleiben so aber trotzdem knapp 75 Euro Ersparnis.

In allen Szenarien bleibt dem Musterfall also mehr Geld als 2020. Kommen noch Kinder hinzu, ergibt sich ein weiterer Vorteil: Das Kindergeld ist zu Jahresbeginn um 15 Euro pro Kind und Monat gestiegen.

Wie viel mehr Ihnen 2021 im Vergleich zu 2020 bliebt, können Sie auch unserem Brutto-Netto-Rechner entnehmen, den Sie hier finden.

Mehr zum Thema: Wie Sie Ihr Gehalt unabhängig von Steuern und Sozialabgaben steigern, durch Verhandlungsgeschick, Weiterbildung oder Jobwechsel etwa, erfahren Sie in unserer Rubrik Mein Gehalt. Schauen Sie vorbei! Es lohnt sich.

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