1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Steuern & Recht
  4. Robert Habeck: Grünen-Kanzlerkandidat will Sozialabgaben auf Kapitalerträge

Sozialabgaben auf KapitalerträgeMit dieser Idee attackiert Robert Habeck vor allem kleine Sparer

Robert Habeck will Aktiengewinne sozialversicherungspflichtig machen. Die Zeche zahlten all jene, die an der Börse fürs Alter sparen wollen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Philipp Frohn 15.01.2025 - 09:01 Uhr

Grünen-Chef Robert Habeck will die Krankenkassen entlastet – und dafür Anleger zur Kasse bitten.

Foto: Andreas Arnold/dpa

Robert Habeck macht gerade Wahlkampf für die Konkurrenz. Wer an der Börse aktiv ist, dürfte sich nach seinem gestrigen Auftritt in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ zweimal überlegen, ob er das Kreuz bei den Grünen macht. In dem Interview sprach er sich dafür aus, dass künftig auch auf Kapitalgewinne Sozialversicherungsbeiträge fällig werden sollen. Damit will er den Druck auf die Krankenkassen kompensieren.

Bislang ist geregelt: Wer im Jahr mehr als 1000 Euro Kapitalerträge erzielt, muss von da an 26,375 Prozent Abgeltungssteuer plus gegebenenfalls Kirchensteuer zahlen. Doch dem Wirtschaftsminister reicht das nicht. „Warum soll eigentlich Arbeit höher belastet sein als Einkommen durch Kapitalerträge? Das leuchtet mir nicht ein“, erklärt der Grünen-Spitzenkandidat seine Forderung. Und offenbart damit fragwürdige Vorurteile übers Anlegertum.

Habeck hat wohl vor allem Privatiers im Sinn, die sich nur von Dividendenzahlungen eine dicke Yacht und ein Leben in Saus und Braus leisten können, ohne dabei in die Sozialkassen einzuzahlen. Nur: Tatsächlich müssten vor allem kleine Sparer die von Habeck geforderten Sozialversicherungsabgaben auf Kapitaleinkünfte zahlen.

25 Aktien

Dividenden statt Gehalt – so bauen Sie ein zweites Einkommen auf

Die Börse boomt, viele Unternehmen schütten Milliarden an Aktionäre aus. So bauen Sie sich mit Dividenden und Zinsen ein zweites Einkommen auf.

von Julia Groth, Saskia Littmann, Philipp Frohn und weiteren

Denn wer als Gutverdiener ohnehin über den Beitragsbemessungsgrenzen der jeweiligen Sozialversicherung liegt, müsste nicht mehr zahlen, wenn weitere Einkunftsarten einbezogen würden. In seinen bislang vagen Ausführungen zu dem Thema verlor Habeck jedenfalls kein Wort dazu, ob er in diesem Zuge auch die Beitragsbemessungsgrenzen abschaffen möchte. Für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung etwa gilt bislang, dass für jeden Euro über dem Monatsbruttoeinkommen von 5512,50 Euro keine zusätzlichen Beiträge gezahlt werden müssen.

Habecks Vorschlag ist ein Affront

So oder so, Habecks Vorschlag ist ein Affront, aus mehrfacher Hinsicht: erstens, weil Anleger fortan doppelt Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssten, auf ihr Gehalt und auf Kapitalerträge. Zweitens, weil die meisten Krankenkassen in diesem Jahr ihre Zusatzbeiträge anheben und Arbeitnehmer ohnehin schon deutlich stärker belastet werden. Und drittens, weil sie dadurch in dem eingeschränkt würden, was sie über die Börse versuchen: fürs Alter ein Polster anzusparen. Die meisten Anleger sind nämlich keine Zocker, sondern sparen am Kapitalmarkt für die Rente.

Habecks Vorschlag würde dazu führen, dass die private Vorsorge am Kapitalmarkt für Anleger unattraktiver wird. Das ist fatal, zumal das einst als Aktienrente geplante Generationenkapital durch das Ampel-Aus begraben worden ist. Die Politik hat es versemmelt. Und jetzt will es Habeck auch noch allen schwerer machen, die auf eigene Faust tätig werden.

Dabei hat er womöglich nicht einmal nur die Sozialabgaben im Blick. Im Entwurf des Parteiprogramms fordern die Grünen das „Schließen weiterer offenkundiger Gerechtigkeitslücken im Steuersystem“. Solche sehen sie etwa „beim Auseinanderklaffen der Besteuerung von Arbeits- und Kapitaleinkünften“. Das klingt nach einem Ende der derzeitigen Abgeltungssteuer. Ein Nachteil: Laut Bund der Steuerzahler lag die Abgabenquote eines Arbeitnehmers – also Steuern und Abgaben etwa für Sozialversicherungen – im vergangenen Jahr bei 52,6 Prozent.

Würde dies auch bei Aktiengewinnen so angewandt, blieben von einem Euro Ertrag nur noch 47,4 Cent in der Tasche – 26,22 Cent weniger als bisher. Viele Freunde dürfte sich Habeck mit seiner Idee also nicht machen.

Lesen Sie auch: 25 Aktien für Ihr zweites Einkommen

Dieser Beitrag entstammt dem WiWo-Newsletter Daily Punch. Der Newsletter liefert Ihnen den täglichen Kommentar aus der WiWo-Redaktion ins Postfach. Immer auf den Punkt, immer mit Punch. Außerdem im Punch: der Überblick über die fünf wichtigsten Themen des Tages. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick