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Altersvorsorge Riester-Fonds legen oft zu ängstlich an

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Fördern oder nicht?

Eine Schwäche der Riester-Fondssparpläne bleibt ohnehin: die hohen Kosten. Bei der UniProfiRente zahlen Kunden auf jeden Eigenbeitrag bis zu fünf Prozent Ausgabeaufschlag. Bei 20 Jahren Vertragslaufzeit sind allein 0,5 Prozent Gewinn im Jahr nötig, um das aufzufangen. Sparer sollten den Aufschlag durch Verhandlungen drücken. Die DWS Toprente gibt es bei der DWS online zum halben Ausgabeaufschlag; einige Fondsdiscounter im Internet erstatten auch den Rest.

Doch teuer bleiben Riester-Fondssparpläne selbst dann. Die dabei eingesetzten Aktienfonds kosten bis 1,5 Prozent Gebühren im Jahr. Günstiger ist ein nur per Internet angebotener Riester-Fondssparplan des Berliner Anbieters Fairr.de in Kooperation mit der Hamburger Sutor Bank. Das Geld fließt hier nach fixen Quoten, je nach den bis zur Rente verbleibenden Jahren, in Aktien – und Anleihefonds. Plötzliche Umschichtungen soll es nicht geben. Die Sutor Bank – die als Garantiegeber einsteht – hatte 2013 nur acht Millionen Euro Eigenkapital. Allerdings existiert die Bank schon seit 1921, die Geschäfte werden von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt, und die Fondsanteile gehören – wie bei jedem Fondssparplan – als Sondervermögen den Kunden.

Rendite von Riester-Fondssparplänen

Bei Fairr.de kommen ETFs zum Einsatz, aber auch Fonds des Anbieters Dimensional. Die sind etwas teurer als ETFs. Außerdem berechnet Fairr.de Depotgebühren. Insgesamt müssten jüngere Fondssparer, die noch auf weniger als 5000 Euro Depotwert kommen, rund zwei Prozent Gesamtkosten bezahlen. Erst später spielt das Angebot seinen Kostenvorteil aus. Ab 10.000 Euro Depotwert summieren sich die Kosten – je nach Jahren bis zur Rente – nur auf 0,6 bis 1,0 Prozent.

Ungefördert oft besser

Vor allem für Wechsler, die bereits in anderen Fondssparplänen Geld angespart haben und dieses übertragen, kann das Angebot daher lohnen. „Wir profitieren derzeit von der Umstellung bei Union Investment“, sagt Jens Jennissen, Gründer und Geschäftsführer von Fairr.de. Das Unternehmen erstattet abwanderungswilligen Kunden der Konkurrenz die dort fälligen Wechselgebühren, bei der UniProfiRente etwa 50 Euro. Fairr.de allerdings besetzt nur eine Nische; Kundenzahlen nennt Jennissen nicht.

Im Vergleich zur Anlage abseits von Riester sind Kunden aber auch bei Fairr.de eingeschränkt. Schon 15 Jahre vor Rentenbeginn soll die Aktienquote unter 50 Prozent sinken, fünf Jahre vor der Rente sind es schlappe sieben Prozent. Da Rentner ihr Geld ja nicht auf einen Schlag brauchen, könnten sie eigentlich durchaus noch 20 Prozent in Aktien investieren – wenn sie die Freiheit haben, das zu tun.

Für Michael Ritzau von der südbadischen Honorarberatung in Inzlingen ist das Fairr.de-Produkt mit dem Kostenaufschlag von einem Prozent zu teuer und auch den Inhalt, die Indexfonds des amerikanischen Anbieters Dimensional, hält er für überteuert. Er empfiehlt seinen Riester-Interessenten, wenn sie mehrere Kinder haben, für die sie eine Förderung bekommen, einen ansonsten kostenfreien Banksparplan zu wählen. Die Kunden sollen dann möglichst zusätzlich einen normalen Fondssparplan mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) bestücken. Hier würde Ritzau ETFs zusammenstellen, die bei gängigen Aktienindizes jährlich auch nur etwa 0,2 Prozent kosten.

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In den Banken allerdings liegen die Riester-Sparpläne als Bückware unter dem Tresen. Banken verdienen mit ihnen nichts, sie verkaufen daher lieber Riester-Rentenversicherungen. Gutverdienenden Kunden empfiehlt Ritzau statt eines Riester-Produktes gleich einen ungeförderten Fondssparplan mit ETFs. „Das hat den Vorteil, dass sie auch ihre Aktienquote individuell nach ihrer Risikoneigung anpassen können und nicht plötzlich im Rentenalter ganz ohne Aktien im Portfolio dastehen“, sagt Ritzau. Denn: „Wer mit 60 noch eine Lebenserwartung von 20 Jahren hat, sollte auch Aktien bei seiner Anlagestrategie berücksichtigen.“

Ein ungeförderter ETF-Sparplan bietet diese Flexibilität – und noch niedrigere Kosten. Da lässt sich der Verzicht auf die staatliche Förderung meist gut verschmerzen.

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