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Elsässers Auslese

Der dritte Karriereweg

Markus Elsässer Value Investor

Veränderte Lebensplanungen sind nötig, um das Alter zu meistern. Standardisierte Rentenmodelle sind von der Zeit überholt.

Quelle: dpa

Es ist gar nicht so lange her, da gab es in Deutschland jahrzehntelang fünf bis sechs Prozent Zinsen pro Jahr für deutsche Post-, Bahn- und Staatsanleihen der BRD. Und zwar mit zehnjähriger Laufzeit, pünktlicher Zinszahlung zum festen Termin einmal im Jahr und einwandfreier Rückzahlung am Ende der Laufzeit. Die Inflation war moderat und die Anleihen wurden in einer "bombenfesten" Währung zurückgezahlt: Der Deutschen Mark.

Die 10 schlimmsten Fehler bei der Vorsorge
Schlecht informiertDie Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Vor dem Kauf werden oft zahlreiche Testberichte gelesen. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. Dabei sind ausreichende Informationen wichtig, um teure Fehlabschlüsse zu vermeiden. Quelle: Institut GenerationenBeratung IGB Quelle: Fotolia
Lückenhafte VorsorgeOft werden einzelne, wichtige Teile der Altersvorsorge vergessen. Dazu gehören: 1) individuelle Vorsorgevollmacht 2) Patientenverfügung 3) Klärung der Finanzen im Pflegefall 4) Testament Quelle: Fotolia
Die falschen Berater„Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal“, sagt Margit Winkler vom Institut GenerationenBeratung. Denn nur ausgebildete Finanzberater könnten auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren. Quelle: Fotolia
Vorsorge ist nicht gleich VorsorgeJeder sollte seine Altersvorsorge an seine eigenen Bedürfnisse anpassen, pauschale Tipps von Beratern oder Freunden taugen in der Regel wenig. Je nach Familiensituation können andere Versicherung und Vorsorgeleistungen wichtig sein. „Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge", sagt Winkler. Quelle: Fotolia
Schwarze Schafe Deshalb ist bei der Auswahl des Beraters Vorsicht geboten, in der Branche sind schwarze Schafe unterwegs. Geht ein Berater nicht auf die persönliche Situation ein oder preist ein bestimmtes Produkt besonders an, sollten die Kunden hellhörig werden.
Informiert ins GesprächWer Fehlern im Zuge von Falschberatung entgehen will, der muss sich vorher selber informieren. Je besser der Kunde im Beratungsgespräch selber informiert ist, desto eher kann er schlechte Berater enttarnen. Quelle: Fotolia
Vorsorge-FlickenteppichBeraterin Winkler warnt davor, zu viele Verträge bei vielen verschiedenen Beratern abzuschließen. Am Ende drohten Versicherte, den Überblick zu verlieren, besser sei eine ganzheitliche Lösung, die auf die individuelle Situation abgestimmt ist. Quelle: Fotolia

Was bedeutete das für einen erfolgreichen Menschen am Ende seiner Berufslaufbahn damals? Hatte er im Laufe seines Lebens sein "Häuschen" abgezahlt und wohnte mietfrei, hatte er kurz vor der Pensionierung zum letzten Mal einen neuen Mercedes gekauft, so konnte er mit einer Millionen Deutsche Mark Ersparnisse angstfrei und bequem leben. Denn die eine Million Deutsche Mark, angelegt in verschiedenen guten Bonds, brachte ihm Zinseinkünfte von 50.000 bis 60.000 Deutsche Mark im Jahr. Das waren 4000 bis 5000 Deutsche Mark im Monat (vor Steuern). In einer solchen Konstellation konnte man ein beschauliches Dasein in Deutschland führen.

Keine 30 Jahre später, in ununterbrochenen Zeiten der Stabilität und des gewachsenen Wohlstands, wie sieht es nun aus? Aus einer Million Deutsche Mark sind 500.000 Euro geworden. Und was bringen die im Bond Market unserem Pensionär? Maximal 2.500 bis 5.000 Euro Zins im Jahr. Also 200 bis 400 Euro im Monat. Das Ganze dann noch mit gewissen Rückzahlungsängsten und in einer Währung, dem Euro, von der man nicht so recht weiß, was sie wohl in zehn Jahren an Werthaltigkeit zu bieten haben wird.

Meiner Ansicht nach ist es mit dem Hoffen auf ein höheres Zinsniveau nicht getan. Unsere hohe und bislang statistisch nicht zu fassende Lebenserwartung verlangt von uns neue Lebens-, Berufs- und Finanzplanungen. Das alte Modell mit den Abschnitten - Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr, mit zunehmendem Wohlstand dann selbständig oder abhängig beschäftigt bis zum 60. Lebensjahr und dann ab nach Mallorca, um dort erwerbslos die nächsten 30 bis 40 Jahre zu verbringen – wird immer weniger Menschen ins Alter tragen. 

Was wäre anzuraten? Eine systematische und intensive Planung des dritten Lebensabschnitts. Und zwar mit genauso viel Engagement und Grips, wie damals nach dem Schulabschluss, als es um die Laufbahnplanung ging. Je nach gewähltem Beruf würde ich beispielsweise spätestens ab Mitte 40 nicht auf Beförderungen schielen, die in einer Sackgasse enden. Auf die Anerkennung und das Lob der Kollegen würde ich verzichten. Auch Gehaltserhöhungen, die letztlich mit einem Rausschmiss ab Ende 50 erkauft werden, sind ein schlechtes Geschäft.

Vielmehr sollte man sich Gedanken machen, was beispielsweise an Fachwissen, Kundenkontakten und Stellung innerhalb einer Branche aufzubauen wäre, damit man eine Chance hat, in einer veränderten Rolle, auf einer sicheren Basis noch im Alter von 60 bis 75 tätig sein zu können. Unter Umständen wäre auch anzuraten, ein Hobby zum Beruf zu machen. Oder mit Hilfe von Ersparnissen eine Auszeit zu nehmen, um eine zweijährige Ausbildung zu absolvieren und zwar mit Anfang 50. Danach ist ein Neustart möglich, eventuell auch mit Hilfe eines Franchise-Systems, der einen jahrelang trägt.

Rentenprognosen für 2040

Es gilt, Ängste abzulegen und sich im Klaren zu sein, flexibel einen neuen Abschnitt auf der Reise durch ein langes Leben anzutreten. Die Wahrscheinlichkeit ein gesünderes und erfüllteres Leben zu führen ist hoch, wenn man das Ruder auf der Kommandobrücke seines Lebens in die Hand nimmt. Nach 20 Jahren Bürotätigkeit und viel Verantwortung, warum nicht nicht etwas ganz anderes machen? Etwas mit den Händen, etwas Musisches? Die Selbsterforschung oder die Hilfe eines Coachs werden einen auf den richtigen Weg führen. Entscheidend ist, die Bereitschaft sich ernsthaft und frühzeitig mit dem Thema des „Dritten Karrierewegs“ zu beschäftigen. Dann hat man genug Zeit, alles in Ruhe vorzubereiten und läuft nicht Gefahr, mit einem Schnellschuss aus der Hüfte einen Fehler zu machen.

Je nach Lage im Portemonnaie ist auch ein Standortwechsel langfristig zu planen. Bei gleicher guter Infrastruktur gibt es in Europa und auch innerhalb der einzelnen Länder ein gewaltiges Gefälle bei den Miet- und Immobilienpreisen. Wer sich über Jahre damit beschäftigt, andere Regionen mit diesem Blickwinkel bereist und Zeit hat, dies alles auszuloten, hat eine gute Chance, in besseren Altersverhältnissen zufrieden zu leben.

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