Gesundheitsausgaben: Warum wird die Krankenversicherung so teuer?
Krankenhausbehandlungen machen den größten Block der Gesundheitsausgaben aus.
Foto: dpaFür Krankenversicherte hat das Jahr schlecht begonnen. Ob als gesetzlich oder privat Versicherte müssen sie auf breiter Front steigende Beiträge hinnehmen und können sich nur eingeschränkt dagegen wehren. Es besteht wenig Hoffnung, dass sich das bald bessert. Gerade in der Sozialversicherung dürfte der Beitragsanstieg noch an Dynamik gewinnen. Angesichts der angespannten Finanzlage sorgte Robert Habeck, Grünen-Spitzenkandidat zur Bundestagswahl, jüngst mit seiner Forderung für Aufsehen, künftig auch Sozialbeiträge auf Kapitalerträge erheben zu wollen. Die Reaktionen waren überwiegend empört – auch wenn es Krankenkassenbeiträge auf Kapitaleinkünfte teils schon heute gibt.
Doch warum halten Einnahmen und Ausgaben der Krankenversicherer eigentlich nicht Schritt? Und ist die Lage in Deutschland speziell, oder kämpfen andere Länder mit der gleichen Herausforderung?
Tatsächlich ist das Niveau der Gesundheitsausgaben in Deutschland besonders hoch, auch gemessen an der Wirtschaftsleistung. 2022 machten sie 12,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus, zeigen Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Das war der höchste Wert unter allen 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU).
Der EU-weite Durchschnitt betrug nur 10,4 Prozent. In Luxemburg machten die Gesundheitsausgaben gar nur 5,6 Prozent des BIPs aus. Nach OECD-Daten ist der deutsche Wert 2023 auf 11,8 Prozent gesunken. Im weltweiten Vergleich stechen die USA hervor: Dort machen die Gesundheitsausgaben, je nach Jahr, sogar mehr als 16 bis 19 Prozent des BIPs aus.
Milliardenlücke zwischen Ausgaben und Einnahmen
Auch der Anstieg der Gesundheitsausgaben in Deutschland konnte in den vergangenen Jahren nicht gebremst werden, im Gegenteil. 2022 waren die Gesundheitsausgaben laut Statistischem Bundesamt noch um 4,8 Prozent gestiegen, auf in Summe 497,7 Milliarden Euro. Davon trugen die gesetzlichen Krankenkassen mit 53 Prozent den größten Anteil, gefolgt von der sozialen Pflegeversicherung (11,6 Prozent). Die privaten Krankenversicherungen haben nur rund acht Prozent geschultert. 2023 mussten die gesetzlichen Kassen für Leistungen dann 5,2 Prozent mehr ausgeben.
In den ersten drei Quartalen 2024 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) sind die Ausgaben für Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sogar um weitere 7,8 Prozent gewachsen, zeigen offizielle Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums, die noch nicht das ganze Jahr 2024 umfassen. Zudem überstiegen die Ausgaben die Einnahmen der Krankenkassen um knapp 3,7 Milliarden Euro.
Der mit Abstand teuerste Bereich für die gesetzlichen Krankenkassen sind die Behandlungen im Krankenhaus. Rund ein Drittel der Ausgaben fließen in die stationäre Behandlung. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2024 machte das knapp 70 von rund 215 Milliarden Euro aus. Die beiden nächstgrößten Ausgaben – mit jeweils etwa einem Sechstel der gesamten Leistungsausgaben – landen als Honorar bei den niedergelassenen Ärzten und als Bezahlung für Arzneimittel. Es geht um jeweils gut 35 Milliarden Euro und um gut 37 Milliarden Euro im ersten Dreivierteljahr 2024.
Kosten steigen seit 20 Jahren
Dabei stehen mitunter einzelne Medikamente für einen großen Kostenblock. So kostete allein das Krebsmittel Keytruda des US-Konzerns Merck & Co. die gesetzlichen Kassen 2023 1,4 Milliarden Euro. Solche Effekte tragen auch dazu bei, dass allein auf die teuersten zehn Prozent der GKV-Versicherten mehr als die Hälfte der Mittel der Gesundheitsversorgung entfallen. Allein auf das teuerste Prozent entfielen in früheren Jahren teils 20 Prozent der GKV-Ausgaben.
Schaut man aktuell nur auf diese drei Sparten (Krankenhausbehandlungen, Arzthonorare und Arzneimittel), zeigt sich rasch, dass Einnahmen und Ausgaben im gesetzlichen System immer stärker auseinanderklaffen. Eigentlich waren die Einnahmen von den rund 90 Prozent der Bevölkerung, die gesetzlich versichert sind, im vorigen Jahr gar nicht schlecht. Immerhin war die Beschäftigung stabil und etliche Menschen bekamen ein Lohnplus. Beides sorgte dafür, dass die anteilig vom Lohn gezahlten Beiträge stiegen. Die Einnahmen des Gesundheitsfonds kletterten um 3,3 Prozent auf knapp 230 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten des Jahres 2024.
Doch die Ausgaben wuchsen deutlich stärker. Auch durch den Wegfall von Budgets, also von Ausgabengrenzen für bestimmte Arztgruppen, stiegen zum Beispiel die Kosten für Arzthonorare im selben Zeitraum um 6,4 Prozent. Arzneimittelausgaben wuchsen sogar um 9,9 Prozent. Die Ausgaben für Klinikbehandlungen kletterten um 7,8 Prozent, wie die Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums zeigen.
Laut Statistischem Bundesamt gab es auch im längerfristigen Rückblick nur ein einziges Jahr, in dem die Gesundheitsausgaben zum Vorjahr gesunken sind. Es war das Jahr 2004. Damals trat das GKV-Modernisierungsgesetz in Kraft (GMG-Gesetz), das beispielsweise flächendeckend Zuzahlungen der gesetzlich Versicherten zu Leistungen einführte. Die Arzneimittelausgaben sanken damals um 10,5 Prozent.
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