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Helikoptergeld Wird Japan Geld vom Himmel regnen lassen?

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Woher kommt der Begriff „Helikoptergeld” und wer steckt dahinter?


Ursprünglich stammt die Idee von dem späteren Nobelpreisträger Milton Friedman. Er hatte 1969 das Bild vor Augen, dass Helikopter Geld über einer Stadt abwerfen.

Milton Friedman war als Erfinder des Monetarismus der Antipode zu John Maynard Keynes. Die beiden gelten als die wichtigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Das Besondere an dieser Debatte ist, dass es heute vor allem Keynesianer sind, die den Einsatz von „Helicopter Money” befürworten. Keynesianer gelten als eingefleischte Gegner von Milton Friedman.

Dieser Widerspruch kann insofern aufgelöst werden, als Friedman als Monetarist ausschließlich geldpolitische Maßnahmen befürwortete und andere Maßnahmen des Staates wie eine höhere Schuldenaufnahme zur Ankurbelung der Wirtschaft ablehnte. Friedman musste aber ein geldpolitisches Mittel ins Leben rufen, das in einer extremen Situation eingesetzt werden kann, um einen Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern. Und es musste ein Mittel sein, das aus seiner Sicht legitim war. Das war das „Helicopter Money”. Dass sich heute Keynesianer dafür begeistern, ist einerseits eine Ironie, andererseits aber nachvollziehbar, weil Keynesianer die Gefahr einer Inflation generell niedriger einschätzen als Monetaristen.

Wie ist es zu der aktuellen Debatte gekommen und wer hat sich wie positioniert?

Die aktuelle Debatte ging in den vergangenen Monaten von Kolumnen und Leitartikeln der „Financial Times“ aus, später der „Neuen Zürcher Zeitung“ ("NZZ"). Bei ersterer ist es nicht so sehr verwunderlich, weil die Angelsachsen generell weniger Probleme mit dem Gelddrucken haben und speziell die "Financial Times" nahezu jede Maßnahme positiv beurteilt, die die Wirtschaft ankurbelt. Bei der "NZZ" ist es überraschender, sind doch die Schweizer traditionell ähnlich wie die Deutschen stabilitätsbewusst. Das gilt vor allem auch für die „NZZ”. Andererseits kämpft die Schweiz ganz besonders mit der Deflation und sucht händeringend nach Lösungen, um die eigene Währung zu schwächen. Die „NZZ” hat die Debatte immer wieder aufgegriffen, wenngleich sie in Kommentaren „Helikopter-Geld” dezidiert ablehnte.

In den vergangenen Monaten haben sich dann immer mehr hochrangige Experten zu Wort gemeldet, um das Konzept zu vertreten, so Anfang November 2015 auf der Forschungskonferenz des Internationalen Währungsfonds (IWF). Dort wiederholte Adair Turner, ehemaliger Chef der britischen Finanzmarktaufsicht FSA, die Zentralbanken sollten zu einer sogenannten „monetären Finanzierung” (MF) übergehen, wie das Konzept sonst noch genannt wird. Die Nachfrage solle dadurch stimuliert werden, dass der Staat mehr Geld ausgibt und dieses Mehr direkt von der Notenbank überwiesen bekommt, ohne dass das Geld zurückgezahlt werden muss. Über seinen Auftritt beim IWF berichtete die „NZZ”.

Turner verwies dabei aber auf das Risiko, dass Staaten, die dieses Instrument einmal einsetzten, Gefahr laufen, es wieder und wieder einsetzen zu wollen. Turner hat seine Ideen zuletzt in seinem Buch "Between Debt and the Devil" (Princeton University Press, Oxford 2015, 320 S., $ 29.95.) ausgeführt. Darin warnt er vor der Vorstellung, hohe Schulden seien bei niedriger Inflation kein Problem. Es drohten vielmehr Preisblasen an den Immobilienmärkten, Finanzkrisen und anschließende Rezession. Ein Ausweg sei die Druckerpresse.

Turner ist bei weitem nicht alleine mit seinen Vorstellungen. Rückendeckung erhielt er auf der IWF-Konferenz vom ehemaligen schwedischen Vizenotenbankchef Lars Svensson, berichtet die „NZZ”.

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