Südafrika Wo Beckenbauer, Schörghuber und Dornier Winzer sind

Früher kauften sich Prominente und Unternehmer gerne Weingüter in Frankreich und Italien. Heute ist Südafrika angesagt – aus guten Gründen.

Weingüter in Südafrika sind ein beliebtes Investment. Quelle: Charlie Shoemaker für WirtschaftsWoche

Der Kaiser ist nicht leicht zu finden. Auf der Straße, die sich wie eine schwarze Schlange ins Landesinnere zieht, fordert das Navigationssystem plötzlich, den Wagen abzustellen. Es war auf das „Weingut Lammershoek“ programmiert, von einem Anwesen ist allerdings nichts zu sehen. Anruf beim Farmmanager Schalk Opperman: Alles richtig gemacht, gleich zweige ein Sandweg ab, der führe zum Weingut. Einige Kilometer später hinterlassen die Reifen Staubwolken auf der trockenen Piste. Dann tauchen plötzlich Weinberge auf – und ein Stausee, in dessen Mitte Rinder aus der letzten noch übrig gebliebenen Pfütze trinken.

Armer Kaiser. Ist die Fußballlegende bei der Jagd auf Südafrikas beste Weinlagen etwa zu spät gekommen? „Keineswegs“, sagt Opperman. Franz Beckenbauer habe Lammershoek unter mehr als 40 Angeboten gut ausgewählt. Auch wenn derzeit eine Dürre im trockenen Swartland in der Provinz Westkap wüte, sei dieser Teil des Weinlands spitzenmäßig, sagt der Winzer. In unmittelbarer Nachbarschaft befänden sich mehrere Güter, die einige der besten Tropfen des Landes produzierten.

Mein Haus, mein Auto, mein Wein: Schon lange kaufen sich Menschen ohne materielle Sorgen ein Weingut. Der britische Sänger Sting hat eines in der Nähe von Florenz in der Toskana, der französische Schauspieler Gérard Depardieu züchtet Reben an der Loire, US-Regisseur Francis Ford Coppola besitzt gleich zwei Güter in Kalifornien.

In den vergangenen Jahren ist das Interesse an einem Investment in Südafrika gestiegen. Die Zeitzone ist dieselbe wie in Deutschland, das politische Klima relativ stabil, das meteorologische sowieso. Die Reben profitieren von Böden aus Granit oder Schiefer, selbst im heißen Sommer schickt der Ozean kühle Winde übers Land.

Schon seit 350 Jahren wird am Kap der Guten Hoffnung Wein angebaut. Eines der ältesten Gebiete befindet sich rund um den Ort Franschhoek, etwa 60 Kilometer östlich von Kapstadt. Zu den ersten Winzern gehörten 200 Hugenotten-Familien im 17. Jahrhundert, die ihre Reben aus der alten Heimat mitgebracht hatten.

Seit dem Ende des Apartheid-Regimes sind südafrikanische Weine weltweit erfolgreich. Im Hemel-en-Aarde-Tal in der Nähe des Städtchens Hermanus findet Peter-Allan Finlayson vom Weingut Crystallum beste Voraussetzungen für Sauvignon Blanc, Chardonnay und Syrah. Ein paar Kilometer weiter konzentrieren sich Suzaan und Chris Alheit auf Chenin Blanc. Der Superstar unter den südafrikanischen Winzern ist derzeit Eben Sadie, der in der Nähe von Beckenbauer anbaut. „Seine seltenen Weine sind gesuchte Trophäen für jeden Weinkeller“, sagt zum Beispiel der deutsche Master-Sommelier Hendrik Thoma.

Bis zu solchen Trophäen ist es für die deutschen Promi-Winzer noch ein weiter Weg. Camps Bay, ein nobler Stadtteil von Kapstadt, oder das 50 Kilometer weiter östlich gelegene Somerset West sind in den vergangenen Jahren zu bevorzugten Zielen wohlhabender deutscher Emigranten geworden. Auch entlang der Weinroute weht an den Einfahrten zu den opulenten Gutshäusern neben der südafrikanischen immer häufiger die schwarz-rot-goldene Flagge.

Die Münchner Unternehmerfamilie Schörghuber war Vorreiter des Südafrika-Trends. Die heutige Chefin Alexandra Schörghuber hatte sich ins Kapland verliebt und die Weinfarm Blaauwklippen erworben – was sich eher als teures Hobby entpuppte. Das Weingut könne man jedenfalls kaum als „Geldmaschine“ bezeichnen, sagt selbst der Kellermeister Rolf Zeitvogel.

Die besten Weine unter 15 Euro
Quita da Cabriz Dao 2014Aus Portugal stammt dieser Rotwein, in dessen Abgang die Jury die Noten von weißer Schokolade entdeckt hat. Davor rochen sie Aromen von dunkler Kirsche, getrockneter Erdbeere, die sich mit würzigen Noten mischen. 90 von 100 Punkten. 5,90 Euro, erhältlich unter anderem bei Portwine.de Quelle: PR
Villa Pillo Borgoforte 2014Auf Platz 25 von 100 schafft es mit 91 Punkten dieser toskanische Rotwein, den die Tester so beschreiben:
Charles Smith Riesling Kung Fu Girl 2015 Auf Anhieb mag es absurd klingen, einen Riesling nach deutschem Vorbild aus Washington State in Deutschland zu kaufen. Dafür spricht die Neugier. Und der Name. Und die Bewertung des Wine Spectator, die lebendige Säure im Kontrast zu Noten von reifer Birne und Aprikose konstatieren. 90 von 100 Punkten. 14,49 unter anderem erhältlich bei der-weinmakler. Quelle: PR
Montes Cabernet Sauvignon 2014Eine
Fritz's Riesling 2014Der deutsche Produzent Fritz Hasselbach hat mit fritzriesling.com in den USA guten Erfolg. Auch bei den Testern des Wine Spectator kommt Fritz's gut an. Sie loben seinen Duft nach Himbeerkonfitüre, Minze und die cremige Struktur mit knackiger Säure. 90 von 100 Punkten. 7,15 Euro, erhältlich unter anderem bei Xanthurus. Quelle: PR
Chapoutier Bila-Haut 2014Dieser französische Rotwein überzeugte die Tester durch Frische und Geschmeidigkeit. Dunkle Beeren, Pflaume, Kräutertee und pfeffrige Töne werden notiert. Ebenso Lakritz im Finish. 90 von 100 Punkten. 14,95 unter anderem erhältlich bei Wineinblack. Quelle: PR
Vertiver Rioja 2014Wer Rijoa hört, denkt Rotwein. Diesen spanischen Weißwein der Bodega Ontanon empfanden die Tester als wagemutig mit ausdrucksstarken Aromen und kräftigem Auftritt. Pfirsich und Quitte mischen sich mit Brioche, Kamille und getrockneter Ananas. Eine saftige Säure verbände sich mit leichten Tanninen. Empfohlen wird, ihn ein wenig reifen zu lassen, um ihn harmonischer wirken zu lassen. 91 von 100 Punkte. 8,99 erhältlich über die belgische Webseite Wereldwineonline. Quelle: PR

Der 48-Jährige stammt aus einer badischen Winzerfamilie. Zwischen Südafrika und der deutschen Weinregion herrscht schon seit Jahrzehnten ein reger Austausch, viele südafrikanische Winzer haben ihre Meisterprüfung im baden-württembergischen Weinsberg abgelegt oder an der hessischen Hochschule Geisenheim Weinbau und Oenologie studiert. Von dieser länderübergreifenden Zusammenarbeit profitierte vor allem der südafrikanische Rebensaft, sagt Zeitvogel: In den vergangenen 20 Jahren seien die Kapweine noch deutlich besser geworden.

Trotzdem muss er kreativ sein, um seinen Wein an den Kunden zu bringen. Der Kellermeister baut derzeit noch eine Brennerei mit Grappa und Gin und hat das inzwischen oft kopierte Konzept des sonntäglichen Wochenmarkts entwickelt – mit Weinproben, Schnitzelständen und Country-Musik. Mehr als ein Drittel seiner Weinproduktion verkauft Zeitvogel sonntags.

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