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Karriereleiter Homeoffice: Was wir nach Ende der Kontaktsperre beibehalten sollten

Neben all den heftigen Dämpfern für unser Berufsleben in diesen Tagen haben wir nun in der Not auch die große Gelegenheit, eingefahrene Prozesse im Berufsalltag aufzubrechen.

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Unser Kolumnist Marcus Werner ist Fernsehmoderator und Buchautor und arbeitet als Berater für Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.

Eine meiner freiberuflichen Maskenbildnerinnen hat mir vergangene Woche am Telefon gesagt: „Du, ich mache gerade Homeoffice.“ Und dann musste sie verzweifelt lachen. Maskenbilderinnen im Homeoffice haben eben einfach nicht viel zu tun. Und warten auf bessere Zeiten. Gerade Selbständigen und Freiberuflern brechen gerade die Aufträge weg, mitunter auf null.

Aber viele von uns können weiterarbeiten. Auch und gerade in klassischen Bürojobs. Nur läuft bei diesen Bürojobs meist gar nichts mehr klassisch. Deutschland lernt gerade zu improvisieren. Und wenn wir das gut machen, dann hat jeder von uns sogar die Chance, nach der Krise von der Krise zu profitieren. Und wir könnten triumphieren: Nimm das, Corona!

Wenn wir nämlich jetzt erkennen, wo die Vorteile der in der Not geborenen neuen Prozesse und Arbeitsweisen liegen, und jetzt schon für die Zukunft mitplanen. Denken wir radikal. Was entpuppt sich in diesen Tagen als besser? Dann: einprägen, diskutieren, für die Zukunft weiter entwickeln. Wenn wir irgendwann auf die Corona-Krise zurück gucken, dann werden wir vielleicht sagen: Wirtschaftsleistung erstmal richtig eingebrochen, aber Arbeitsprozesse im Büro radikal modernisiert. Und besonders auch: digitalisiert.

1. Unsere Konferenzdisziplin spart zusammengezählt mehrere Stunden pro Woche

Meetings, Sitzungen, Termine, Konferenzen. Alles das Gleiche, und alles ist neu. Ganz wesentlich werden wir dieser Tage aus unserem Trott gerissen durch die Abstandsregel. Zwei Meter zwischen zwei Kollegen. Das lässt sich in vielen Konferenzräumen einfach nicht umsetzen. Die sind zu klein oder der Tisch ist nicht groß genug. Und was machen wir nun? Viele tagen im Stehen.

Ich kenne eine Redaktion, da findet die Nachmittagskonferenz mit ungefähr acht Leuten jetzt im Foyer statt. Einfach um die zwei Meter einhalten zu können. Da stehen dann die Leute in einem großen Kreis. Ganz ohne Tische. Das geht, weil bis auf ein paar Seiten Papier und einem Kugelschreiber in der Hand wird da nichts gebraucht. Und es sieht dann so ein bisschen aus, wie auf einem Kindergeburtstag, wenn der Plumpsack umgeht. Aber jetzt kommt´s. Die Konferenzen sind seitdem viel kürzer.

Bislang hat die Konferenz stattgefunden in einem Raum, in dem hatten zwei Kollegen Zugriff auf ihren Computer. Und während der Gespräche haben die dann direkt Änderungen in ihrem Redaktionssystem vorgenommen. Das war effizient für die beiden, aber die anderen mussten warten. Jetzt werden die Einträge ins Redaktionssystem vorher oder nachher erledigt. Das ist letztendlich Büro-Effizienz aus seuchenhygienischen Gründen. So verrückt das klingt.

Davon abgesehen plätschern die Konferenzen nun nicht mehr so aus am Ende. Wenn man gemütlich beisammen sitzt mit dem Nachmittagskaffee in der Hand, dann kann aus einer Besprechung am Ende ja schon mal ein nettes Plaudern werden. Und dann gibt es ja immer irgendjemanden, der noch eine private Story loswerden will. Aber daran haben womöglich nur zwei, drei Kollegen ein vitales Interesse, die anderen fünf gucken nervös auf die Uhr, schaffen dann aber den Absprung nicht: „Sind wir dann mal durch?“ So etwas reinzuwerfen, das traut sich eben nicht jeder.

Aber: Im Stehen. Ohne Kaffee, weil dafür keine Hand frei ist. Im Foyer, wo man lauter reden muss - da hat doch keiner auf langes nettes Gequatsche Lust. Und genau das spart vielleicht drei, vier Minuten. Macht bei acht Teilnehmern zusammengerechnet gut und gerne eine halbe Personenstunde. Pro Woche zweieinhalb Stunden. Alleine gespart durch diese eine Konferenz.

Bewahren wir uns diese Konferenzdisziplin. Auch nach Corona. Und wenn Sie jetzt denken: Wie unpersönlich das alles ist. Da fehlt mir doch das Socializing mit meinen Kollegen. Wir sind doch auch noch Menschen. Ja, das mit dem Socializing können Sie dann ja anders einrichten. Für alle, die daran Interesse haben. Etwa bei einem festgelegten Kaffeeplausch immer um 15 Uhr. Für fünf Minuten. Das geht übrigens auch digital. Aber dazu gleich mehr.

2. Homeoffice ist effizienter, als wir dachten. Und fegt sogar die Straßen frei.

Wenn wir ehrlich sind: Viele haben doch lange despektierlich gedacht, Homeoffice ist vor allem für Leute von Vorteil, die gerne den ganzen Tag im Schlafanzug zwischen Couch und Kühlschrank hin und her latschen.

Jetzt aber zeigt sich oft: Homeoffice kann enorm effizient sein und damit praktikabel bei Teams, deren Arbeit am Erfolg eines Projektes gemessen wird und nicht allein an ein- und ausgestempelter Lebenszeit in Minuten. Weil:

a. Die Pendelei ins Büro fällt weg. Das spart bei vielen oft nicht nur eine ganze Stunde Lebens-/Arbeitszeit täglich, die wir sonst in der Bahn oder im Stau verblasen. Sondern das ist außerdem auch noch gut für die Gesundheit (Stichwort: Stress und Frust) und für die Luft (Stichwort: Stickoxide) und das Klima (klar, Stichwort: CO2). Unterm Strich können wir dank Homeoffice länger schlafen, länger Pause machen oder länger arbei-ten. Das ist alles besser, als zu pendeln.

b. Homeoffice schafft für viele ein Klima, in dem sie sich besser konzentrieren können. Gerade bei Teams, die sonst eng auf eng im Großraumbüro zusammensitzen. Selbst die, die in die Firma kommen, profitieren so von denen, die von zuhause aus arbeiten. Es wird eben auch im Großraum ruhiger, allein schon, wenn dort weniger Leute telefonieren.

c. Abstimmungen zwischen Kollegen im Büro und denen zuhause verlaufen oftmals zielgenauer, weil vorab besser nachgedacht wird, bevor man anruft: „Was will ich jetzt eigentlich exakt klären?“. Spontane Zwischenrufe über den Flur wie „Samma, mir fällt gerade ein…“, sowas fällt dann weg. Das berichten mir jetzt schon Kollegen und Freunde aus ihrem Corona-Alltag: Unsere Abstimmungen sind jetzt viel besser auf den Punkt.

Achten Sie auf all das Schöne, was Homeoffice Ihnen dieser Tage bringt. Und überprüfen Sie, wie man diese Errungenschaften freiwillig nach Corona bewahren kann, ohne die Nachteile zu ignorieren. Fällt uns daheim nach einer Woche Homeoffice die Decke auf den Kopf, dann könnten tageweise rotierende Homeoffice-Schichten im Wechsel mit Kol-legen dabei helfen, dass insgesamt das Gewusel im Großraum abnimmt. Das könnte im großen Stil organisiert sogar ein Baustein zur Bekämpfung des Verkehrsinfarkts in unse-ren Städten sein.

Vermissen wir den persönlichen Austausch mit Kollegen in der direkten Begegnung, könnte dies durch tägliche kurze Video-Calls und festgelegte persönliche Treffen - etwa auch in der Mittagspause - ein- oder zweimal die Woche kompensiert werden. Hier ist einfach Experimentierfreude und Spaß am Feinjustieren gefragt. Es lohnt sich, gedanklich dran zu bleiben. Es etwa gibt Firmen, die jetzt zu festen Zeiten Online-Kaffeepausen ab-halten, bei denen sich die Kollegen zuhause und in der Firma zum Schnacken und Klö-nen per Videochat treffen. Damit der Flurfunk-Kontakt aufrecht erhalten bleibt - sogar über weite Strecken.

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