Tanja Gönner ist Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Am Wahlabend antwortete sie in Berlin auf die Fragen von WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar.
Frau Gönner, es ist noch vieles unklar heute Abend. Was ist Ihr erster Eindruck?
Wir werden lang warten müssen. Aber das Ergebnis ändert auch nichts daran, was wir seit Wochen sagen. Wir brauchen eine stabile Regierung. Wir brauchen Klarheit für die Wirtschaft, weil die Welt um uns herum nicht schläft. Die Parteien sind jetzt aufgefordert, relativ schnell ins Handeln zu kommen, damit wir wirklich wieder klare und stabile Verhältnisse für klare Reformen in diesem Land haben.
Wir müssen vielleicht sogar Tage warten, bis Klarheit herrscht.
Aus meiner Sicht sind die Parteien in der Mitte aufgefordert, sich Gedanken darüber zu machen, welchen Teil sie beitragen sollten zur Stabilität. Das gilt für alle, die da sind. Und dann hoffe ich, dass die Parteien der Mitte wissen, welche Aufgabe sie haben.
Waren sie eigentlich überrascht vom Ergebnis?
Man hätte sich möglicherweise etwas anderes gewünscht, aber letzten Endes gilt, wenn der Wähler gesprochen hat, haben die Parteien zu schauen, dass sie etwas Sinnvolles hinbekommen. Wir [als BDI] können nur formulieren, was wir brauchen und das tun wir.
Was wäre ein schnelles Signal an die Wirtschaft?
Das beste Signal wären wirklich schnelle und zügige Ergebnisse einer Koalitionsvereinbarung. Und das ist nicht nur Formelkompromisse sind, sondern dass man wirklich klar hat, dass wir eine andere Wirtschaftspolitik brauchen, dass wir vor großen Aufgaben stehen und deswegen Strukturreformen benötigen.
Wäre die Abschaffung des Lieferkettengesetzes ein Beispiel?
Der Bürokratierückbau ist ganz oben und da könnte man ganz viele, auch kleine Signale senden. In der EU scheint es sehr gute Fortschritte zu geben und ich glaube, das könnte man dann als Vorbild für Deutschland nehmen.
Wären auch die Steuern ein Signal, ein Unternehmenssteuersatz von 25 Prozent?
Wir haben ja als BDI eine entsprechende Studie vorgelegt, dass 25 Prozent der Wert wäre, mit dem wir zumindest annähernd wieder wettbewerbsfähig werden.