41. Präsident der USA: George Bush senior gestorben
Der frühere US-Präsident George H. W. Bush ist tot. Er starb im Alter von 94 Jahren.
Foto: dpaGeorge Herbert Walker Bush sei ein „Glücksfall“ für Deutschland gewesen, meinte Helmut Kohl einmal - und das ist keine Übertreibung. Der 41. Präsident der USA (1989-1993) war nach dem Fall der Berliner Mauer der erste westliche Staatsmann, der das Wort „Wiedervereinigung“ überhaupt in den Mund nahm. Der keine Furcht vor einem geeinten Deutschland hatte. Der, ganz im Gegensatz zu Frankreich und Großbritannien, in den entscheidenden Monaten nicht mauerte und nicht auf Zeit spielte. Rasch und entschlossen setzte Bush senior damals auf „ein Deutschland“.
In den letzten Jahren war es ruhiger um ihn geworden, immer wieder musste er im Krankenhaus behandelt werden. Am Freitagabend Ortszeit starb George H. W. Bush im Alter von 94 Jahren - ein Freund der Deutschen war er immer geblieben.
Als Bush, Sohn der „Geldaristokratie“ Neuenglands, im Januar 1989 ins Weiße Haus einzog, ahnte niemand, dass die politische Weltordnung bald aus den Fugen geraten sollte. Zwar war Bush zuvor acht Jahre lang Vizepräsident unter Ronald Reagan gewesen, dem Mann, der 1987 den sowjetischen Parteichef vor dem Brandenburger Tor aufrief: „Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!“ Doch niemand rechnete damit, dass sich die Ereignisse derart überstürzen würden.
Schon am Tag nach dem Mauerfall im November 1989 führten Bush und Bundeskanzler Kohl ein Telefongespräch. „Alles Gute und viel Glück“, wünschte der Amerikaner. Ein kluger Schachzug des in Sachen Außenpolitik und Diplomatie gewandten Bushs war es auch, darauf zu verzichten, persönlich in Siegerpose in Berlin aufzutreten. Bewusst vermied Washington damals alles, was Moskau hätte provozieren können - auch das war wichtig für den Gang der Dinge.
Entschlossen setzte sich Bush damals ans Werk, redete Gorbatschow bei einem legendären Treffen am 3. Dezember 1989 in Malta ins Gewissen. Bei Margaret Thatcher und François Mitterrand, den beiden Deutschland-Skeptikern aus London und Paris, musste er geradezu Seelenmassage betreiben - sie waren beide gegen ein geeintes Deutschland.
Außenpolitik war die heimliche Domäne Bushs. Als US-Botschafter bei den Vereinten Nationen und in Peking, später als Chef des Geheimdienstes CIA, vor allem aber als langjähriger Vizepräsident hatte er die Welt kennengelernt.
„Für uns Deutsche war der amerikanische Präsident ein Glücksfall“, bekannte Kohl später. Immer wieder berieten die beiden Männer damals über den Gang der Geschichte. Bush bastelte damals bereits an einer „neuen Weltordnung“, eine friedliche Welt jenseits der Block-Konfrontation - die allerdings niemals zustande kam.
George Herbert Walker Bush, der 41. Präsident der USA, zeigte nach dem Fall der Berliner Mauer besonderes Profil und diplomatisches Geschick. Als einer der ganz wenigen westlichen Staatschefs stellte er sich offen hinter die deutsche Einheit. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl zollte ihm dafür großes Lob.
Foto: ReutersBush gelang es auch, Anfang 1991 eine große internationale Kriegskoalition gegen den Irak zu schmieden, der mit Ägypten, Syrien und Saudi-Arabien sogar arabische Staaten angehörten.
Foto: ReutersEine weitere Besonderheit: Acht Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit als Präsident zog 2001 sein Sohn George W. ins Weiße Haus ein. Auch sein jüngerer Sohn John Jeb machte politische Karriere und stieg zum Gouverneur von Florida auf. Daher wurde die Bush-Familie in den USA manchmal auch die „Kennedys der Republikaner“ genannt.
Foto: dpaBush kann auf eine lange politische Laufbahn zurückblicken. Unter anderem diente er acht Jahre lang als Vizepräsident für Ronald Reagan (1981-1989). Ende der 70er Jahre war er zeitweise Chef des Geheimdienstes CIA. Zuvor diente er Präsident Richard Nixon als Gesandter in Peking und war an der Normalisierung der Beziehungen zu China beteiligt.
Foto: REUTERSBush wurde 1924 als Sohn einer angesehenen Bankiers- und Politikerfamilie in Massachusetts geboren. Im Zweiten Weltkrieg diente er im Pazifik als Navy-Offizier (hier eine Aufnahme datiert auf das Jahr 1943) und wurde abgeschossen. Nach Kriegsende studierte er an der berühmten Yale-Universität Wirtschaftswissenschaften.
Foto: dpaAls 24-Jähriger ging Bush nach Texas, stieg als Selfmademan ins Ölgeschäft ein und wurde Millionär. Dort legte er auch die Grundlagen für seinen politischen Aufstieg und schloss wichtige Freundschaften.
Foto: REUTERSIn Bushs Amtszeit als Präsident fiel auch die Entspannung mit dem sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow. Historiker rechnen es Bush hoch an, dass er nach dem Fall der Mauer und während der deutschen Wiedervereinigung jedes „Triumphgeschrei“ gegenüber Moskau vermied. Der damalige Bundeskanzler Kohl sagte einmal, ohne Bush hätte es die deutsche Einheit nicht gegeben.
Foto: dpaIn Bushs Amtszeit fiel aber auch der Panamakrieg. Die US-Intervention Ende 1989, bei der 1500 Menschen ums Leben kamen, galt als völkerrechtlich umstritten. Dagegen feierte Bush die Verhaftung von Militärmachthaber General Manuel Noriega, der später in Miami wegen Drogenhandels zu 40 Jahren verurteilt wurde, als klaren Erfolg.
Foto: dpaObwohl seine Popularität nach dem Kuwaitkrieg 1991 Traumwerte erreichte, verlor er nur eineinhalb Jahre später die Präsidentschaftswahl – gegen den jungen und zunächst weithin unbekannten Demokraten Bill Clinton. Bush wurde zum Verhängnis, dass die Wirtschaft schwächelte – das ließen ihm die Amerikaner nicht durchgehen.
Foto: APSpäter erlebte er aber mit, wie sein ältester Sohn zwei Mal zum Präsidenten gewählt wurde. George W. Bush war allerdings unbeliebter als sein Vater – auch in Deutschland.
Foto: ReutersDer ältere Bush war ein Republikaner der alten Schule – von Donald Trump hielt er offenbar nicht viel. Laut einem Buch des Autoren und Historikers Mark Updegrove hatten weder George H. W. Bush noch Bush Junior eine gute Meinung von Trump. Im Vorwahlkampf mussten sie mitansehen, wie der politische Außenseiter ihren Sohn und Bruder Jeb Bush (rechts im Bild) ein ums andere Mal verspottete. Keiner der beiden Ex-Präsidenten hat laut dem Historiker bei der Wahl im November 2016 für den Kandidaten der Republikaner gestimmt.
Foto: REUTERSIm April musste George H. W. Bush Abschied von seiner Frau nehmen. Die beiden waren mehr als 70 Jahre lang verheiratet. Trump fehlte damals bei der Beerdigung. In der ersten Reihe saßen seine Frau, First Lady Melania Trump, Hillary und Bill Clinton sowie das vormalige First Couple Barack und Michelle Obama einträchtig nebeneinander. Ein seltenes Bild.
Foto: REUTERSImmer wieder machte Bush auch mit bunten oder ausgefallenen Socken von sich reden. So trug er etwa bei der Trauerfeier für seine Frau ein Paar mit einem Stapel Bücher.
Foto: APEine weitere Bewährungsprobe für den ehemaligen Navy-Offizier, der im Zweiten Weltkrieg mit seiner Maschine im Pazifik unter Feuer kam und notwassern musste, war 1990 der irakische Überfall auf das kleine Nachbar-Emirat Kuwait. Bush war zuvor von der US-Öffentlichkeit zeitweise als „Weichling“ betrachtet worden. Nun musste er in der strategisch hochsensiblen Ölregion des Nahen Ostens Härte und Führungskraft zeigen. Doch in zähen Verhandlungen gelang Bush das Kunststück, unter Führung der USA eine internationale Streitmacht von weit über einer halben Million Mann zusammenzustellen.
Die Sensation dabei war, dass mit Syrien, Ägypten und Saudi-Arabien auch arabische Soldaten an der „Operation Wüstensturm“ teilnahmen. Bush gelang es sogar, den UN-Segen zu erhalten - ganz im Gegensatz zu Bush junior, der zwölf Jahre später gegen den ausdrücklichen Widerstand vieler Verbündeter und ohne UN-Votum in den Krieg zog.
Der Waffengang des Vaters führte im Januar und Februar 1991 innerhalb von Wochen zum Sieg. Wieder erwies „der Alte“ militärische und politische Zurückhaltung. Ganz bewusst verzichtete er darauf, seine Truppen bis nach Bagdad weitermarschieren zu lassen.
„Kuwait ist befreit, Iraks Armee ist besiegt, wir haben das Vietnam-Syndrom ein für alle Mal verscheucht“, jubelte Bush sen. Ende Februar 1991. Erleichtert, fast wie von einem Fluch befreit fühlten sich die Amerikaner damals.
Für den Augenblick hatte Bush recht: Die USA waren nach dem Zerfall der Sowjetunion die einzig verbliebene Supermacht, Bushs Popularität wuchs in den Himmel - doch längerfristiges politisches Glück brachte ihm das nicht.
Im Herbst 1992 unterlag Bush im Präsidentenwahlkampf einem strahlenden, jungen Mann, der noch Monate zuvor eher unbekannt war: Bill Clinton. Der außenpolitische Stratege Bush hatte es nicht geschafft, die lahmende Wirtschaft wieder flott zu kriegen - und wenn es ums Geld geht, sind die US-Wähler unerbittlich. „Selten ist ein amerikanischer Präsident tiefer gefallen als George Bush“, meinte ein Kommentator damals.