America first So bereitet Trump den Handelskrieg vor

Ob Strafzölle oder neue Importsteuern – Kern der Außenpolitik des neuen US-Präsidenten dürfte der Handel sein. Schon geht in Europa die Angst vor einem Wirtschaftskrieg mit den USA um. Aber wie realistisch ist das?

US-Präsident Donald Trump flankiert von seinem designierten Handelsminister Wilbur Ross Quelle: AP

Wenn Jacob Kirkegaard mal so richtig besorgt ist, dann merken die Besucher das nicht sofort. Der schlaksige Däne mit der jungenhaften Strubbelfrisur kann seine Empörung meist gut hinter einem Lächeln verbergen. Doch als er an diesem regnerischen Wintertag in Washington, D.C. empfängt, in der zweiten Etage eines dieser langweiligen, modernen Glas-und-Stahl-Bürohäuser, da ist ihm nicht zum Lachen zumute.

Kirkegaard ist empört, verunsichert – auch tief besorgt. Seit fünfzehn Jahren lebt er in der US-Hauptstadt, um die Handelsbeziehungen auf der Welt zu studieren. Bisher war es dabei ja immer so: die US-Präsidenten, gleich welchen Lagers, hielten es in Sachen Handel mit Kurt Tucholsky: Was die Wirtschaft angeht, so ist sie verflochten. Und das fanden eigentlich auch immer alle mehr oder weniger in Ordnung so.

Nun aber ist Trump der neue Chef im Weißen Haus. Und Kirkegaard befürchtet schlimmes: "Uns war doch allen eigentlich bislang klar, wie es läuft: Globalisierung kostet Jobs in den Industrieländern. Dafür aber sinken dort die Preise.

Deshalb lohnt es sich am Ende für alle." Die US-Regierungen der letzten Jahrzehnte hätten es allerdings – anders als viele europäische Länder -  konsequent versäumt, die Vorteile der Globalisierung vom oberen Ende der Gesellschaft ans untere zu verteilen. Deshalb sei dort eine handels- und globalisierungskritische Masse entstanden. Eben jene Wählerschaft, die Donald Trump und seine "America First" Ideen ins Weiße Haus gebracht hätten.

Diese Leute, glaubt Kirkegaard, wollten nun Resultate sehen: Eine Neuverhandlung oder Abschaffung der Freihandelsabkommen Nafta und TPP, den angekündigten 35-Prozent-Einfuhrzoll für Firmen, die außerhalb der USA mehr produzieren als in den Staaten. Oder seine 20 Prozent „border adjustment tax“, ein Kernbestandteil der angekündigten Unternehmenssteuerreform, mit der Trump Unternehmen angeht, die es wagen, etwa Produktionsstätten in Mexiko zu bauen.   Sollte all das kommen, glaubt Kirkegaard, sei ein Handelskrieg mit China und Europa „nicht unwahrscheinlich.“

Die Konsequenzen wären gewaltig. Allein die Dimensionen des deutschen Engagements in den Vereinigten Staaten verdeutlichen das: knapp zehn Prozent unserer Exporte gehen jedes Jahr in die USA. Amerika ist der wichtigste Handelspartner der Bundesrepublik, Waren im Wert von 173 Milliarden Euro wurden 2015 zwischen beiden Ländern ausgetauscht – vor allem aus dem  Maschinenbau und der Autoindustrie. Bei Daimler, VW und BMW gehen 200.000 der zwei Millionen Jobs auf Ausfuhren in die USA zurück.

Die scheinen mit Trumps Politik in Gefahr. „Unter Präsident Trump droht uns ein Handels- und Wirtschaftskrieg mit Amerika“, gab DIW-Chef Marcel Fratzscher neulich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu Protokoll. Dennis Snower, Präses des Kieler Instituts für Weltwirtschaft sieht durch Trump gar die „liberale Weltordnung in Frage gestellt“. Und Ifo-Kollege Clemens Fuest warnt: eine Million Arbeitsplätze in der deutschen Exportindustrie und 600.000 Jobs von US-Firmen in Deutschland seien gefährdet. Um elf Milliarden Euro, so hat es sein Institut neulich für die ARD berechnet, würde die deutsche Wirtschaftsleistung abnehmen – und das nur aufgrund von Trumps angekündigten Schutzzöllen.

Wissenswertes zum internationalen Handel

Vor allem zwei Entwicklungen machen den Forschern Sorgen: Zum einen die unglaublichen Befugnisse des US-Präsidenten beim Thema Handel, wo er so gut wie alles mit sogenannten „Executive Orders“ auf den Kopf stellen kann. Zum anderen seine lange angekündigte Unternehmenssteuerreform, die aller Wahrscheinlichkeit nach eine „border adjustment tax“ beinhalten wird – also einen Steueraufschlag für in die USA importiere Produkte. Von ihr wären vor allem deutsche Konzerne betroffen und befürchten Nachteile gegenüber der US-Konkurrenz.

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