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Bettina Röhl direkt

Terrorismus: So macht Enthaupten Spaß!

Seite 3/7

Eine mordfreie Gesellschaft ist das wahre Ideal

Und es sind eben nicht nur elf Millionen Menschen zu Tode gebracht worden, sondern alle Menschen, die diese Menschen kannten oder die dabei waren, wurden Opfer dieses Mordens. Die Gesellschaft insgesamt erlitt ein Trauma, von dem sich Mitteleuropa nur sehr sehr langsam erholen konnte. Und das ist ein ganz entscheidender Faktor, der von der modernen Kriminologie brutal ausgeblendet wird: die Ermordung eines Menschen ist immer auch ein Seelentod für die Angehörigen und Freunde und immer auch eine Traumatisierung der Gesellschaft.

Eine mordfreie Gesellschaft ist das wahre Ideal. Jeder Mord ist immer auch eine Begünstigung, nicht eines konkreten weiteren Mordes, aber der unguten Denkbarkeit des Mordes in der Gesellschaft. Ein mordfreie Gesellschaft ist das wahre Ideal. Und die kann es wahrscheinlich nur geben, wenn die Gesellschaft quasi paradiesisch den Mord vergisst und jeder Mensch den Mord für undenkbar hält.

Die moderne Kriminologie ist jedenfalls ein Schlag ins Gesicht des Paradieses, in dem sie den Mörder und den Mord als allzu menschlichen Teil der Menschheit und jedes Menschen verniedlicht. Jeder könne zum Mörder werden, ist ein beliebter Spruch. Die Gesellschaft hätte die Mörder, die sie verdient, ein anderer Spruch, und über allem schwebt der dauerirrende Karl Marx mit seinem Sprüchlein, dass ihm nichts Menschliches fremd wäre.

Und man möchte anfügen: insbesondere die blutige Revolution nicht. Harte Strafen hielten keinen potenziellen Mörder von der Tat ab und den Befürwortern der zu Recht abgeschafften Todesstrafe wird mit dem Schwert der Gerechtigkeit entgegengehalten, dass die Todesstrafe eher kontraproduktiv wirkte.

Indes hat es vorrangig nicht um das Strafmaß und die Sanktionen zu gehen, sondern um die Be- und Verurteilung der Tat und des Täters. Die Strafe und das Strafmaß können ihre entscheidende Bedeutung nur ausfüllen, wenn es eine klare saubere Entscheidung und Begründung gibt.

Und für eine Begründung, die dem Anspruch Begründung zu sein Genüge tun kann, bedarf es der adäquaten Werteentscheidung. Unterliegen die Repräsentanten des Staates selber der Faszination des Mordes, können sie weder den gesetzlichen Rahmen schaffen noch können sie den gesetzlichen Rahmen im Einzelfall ausfüllen.

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Wenn der Mord entmordet wird

Wenn der Mord entmordet wird und mit viel juristischem Gedöns und viel juristischer Scharlatanerie ein Mordprozess allzu oft zu einem zeitgeistigen Spektakel wird, dann steigt der gesellschaftliche Schaden der Gesellschaft ins Unermessliche, mit Folgewirkungen, die unsichtbar und unabschätzbar sind.

Die Behandlung des Mordes in einer Gesellschaft hat in Wahrheit weitreichende Bedeutung für das Wohlergehen der Gesellschaft. In abgeschwächter Form gilt das genauso für die Vergewaltigung oder die Körperverletzung im Allgemeinen, die als bloße Körperverletzung chancenlos im Gesetz steht und weniger Strafpunkte bringt als ein paar Schwarzfahrten mit der S-Bahn.

Die körperliche Unversehrtheit des Menschen, ein angeblich so hehres Rechtsgut, gilt im Alltag der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 2014 regelmäßig so gut wie nichts. In einem solchen Umfeld, in dem das Koordinatenkreuz der Gesellschaft arg locker vor sich hin schwabbelt, entscheidet allzu oft der Zeitgeist, die Mode, was Sache ist.

Die NSU-Morde, die bislang nicht rechtskräftig abgeurteilt sind, stehen als Tat fest, und die überlebende Täterin steht als eine aus jedem menschlichem Rahmen heraus fallende Mörderin mindestens im veröffentlichten Teil der Öffentlichkeit fest. Dagegen werden andere klare Mordtaten nicht auf der Ebene der Schuld und der Rechtswidrigkeit, sondern bereits auf der Ebene der Tatbestandsmäßigkeit entmordet.

Wie sagte Joschka Fischer so schön, ja, er habe Steine auf den gewalttätigen Demonstrationen in Frankfurt geworfen, auf denen durch Steinwürfe Polizisten zum Teil sehr schwer verletzt oder durch Molotowcocktails lebensgefährlich verletzt wurden, aber listigerweise habe er die Steine, anders als die Täter, nur "in die Luft geworfen". Das muss man nicht kommentieren, das spricht für sich selbst.

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