Bürgerkrieg in Syrien: Wer steckt hinter der Gruppe Hayat Tahrir al-Sham?
Mitglieder der islamistischen Gruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS) und verbündete Oppositionskämpfer bei der Kontrollübernahme des internationalen Flughafens von Aleppo.
Foto: imago imagesSeit mehr als 13 Jahren herrscht in Syrien Bürgerkrieg. Am 27. November haben die syrischen Rebellen eine neue Offensive gestartet. Am Sonntagmorgen erklärten sie, Damaskus befreit und das Assad-Regime gestürzt zu haben.
Angeführt werden die Aufständischen von der islamistischen Gruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS). Die Gruppe wurde 2017 als Zusammenschluss der Al-Nusrah-Front (ANF), eines Al-Qaida-Ablegers, und mehrerer anderer Gruppen gegründet. Der Anführer Abu Mohammed al-Dschulani sagte sich damals öffentlichkeitswirksam von dem Terrornetzwerk los. Dennoch führt das US-Außenministerium die Gruppe seit 2018 auf der Liste der internationalen Terrororganisationen.
In den vergangenen Jahren herrschte die Miliz über Teile der nordwestsyrischen Provinz Idlib. Nach und nach soll die HTS ihre Machtposition dort ausgebaut haben. Zudem habe HTS eine eigene Regierungsstruktur aufgebaut. Unter dem Namen „Syria Salvation Government“ (SSG) werden die rund vier Millionen Einwohner der Region verwaltet. Die SSG ist auch Ansprechpartner für die in der Region tätigen internationalen Hilfsorganisationen.
Die Türkei soll die Miliz unter anderem mit Hilfslieferungen unterstützen. Das Land hat eine 911 Kilometer lange Grenze zu Syrien und ist seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs 2011 zu einem der wichtigsten Unterstützer der Gruppen geworden, die Präsident Baschar al-Assad stürzen wollen. Dennoch beteuerten türkische Regierungsvertreter, dass das Land nicht an der Offensive beteiligt sei.
Ziel der HTS ist die Errichtung einer islamistischen Herrschaft in Syrien. Dazu soll das Regime gestürzt und anschließend durch einen sunnitisch-islamischen Staat ersetzt werden. Nach dem Sturz Assads soll die Machtübernahme der Rebellen friedlich verlaufen, kündigte Anführer Dschulani an. Öffentliche Einrichtungen in Damaskus „werden bis zur offiziellen Übergabe unter der Kontrolle des ehemaligen Ministerpräsidenten bleiben“, kündigte er in sozialen Medien an.
Ob und wie Dschulani auf andere Gruppen in Syrien zugehen wird, um gemeinsam über die Zukunft des Landes zu entscheiden, ist derzeit unklar. So sehen etwa kurdische Milizen in seinem Sturz eine Chance für einen politischen Neuanfang Syriens.
Mit Agentur-Material
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