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China nach der US-Wahl „Trump hat die dunkelste Seite der Demokratie hervorgebracht“

Während sich der Rest der Welt fragt, wie es nach der Wahl in den USA weitergehen soll, überwiegt in China die Schadenfreude.

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Das ist der Trump-Clan
Der 45. Präsident der USA heißt Donald Trump, die First Lady Melania. Für den Wahlsieger spielte seine Familie eine wichtige Rolle im Wahlkampf – und tut es auch während der Präsidentschaft noch. Denn Donald Trump misstraut den meisten politischen Beratern. Nur seine engsten Angehörigen dürfen ihm die Meinung sagen und Ratschläge geben. Quelle: REUTERS
Ivanka Trump Quelle: AP
Donald Trump Jr Quelle: AP
Tiffany Trump Quelle: REUTERS
Tiffany Trump Quelle: REUTERS
Eric Trump Quelle: AP
Seine Ehefrau Lara Yunaska stand ihm bei jeder Wahlkampfveranstaltung seines Vaters zur Seite. Eric ist der Sohn von Ivana Trump, Trumps erster Ehefrau. Im Jahr 2012 wurde Eric vom „Forbes“-Magazin zu einem der Top 30-Immobiliengurus gekürt. Er leitet gemeinsam mit seinen Geschwistern das Trump Imperium und ist Gründer. Quelle: REUTERS

Viel Reisschnaps und einen frühen Feierabend. So kann man sich zuletzt die Tage im chinesischen Propagandaministerium vorstellen. Oder Ministerium für Öffentlichkeitsarbeit, wie es mittlerweile charmant auf Englisch heißt. Erst läutet Großbritannien mit dem Brexit das Ende der Europäischen Union ein. Und dann wählen die Amerikaner einen Verrückten zum Präsidenten. Besser hätten es sich Chinas Machthaber nun wirklich nicht ausdenken können.

Seit des Wahlsiegs der Republikaner sinnieren chinesische Staatsmedien dementsprechend genüsslich über die Krise der westlichen Demokratien. Schon im Vorfeld sollen die chinesischen Zensoren die Redaktionen angewiesen haben, ausführlich über die (zahlreichen) Skandale und Eklats des amerikanischen Wahlkampfs zu berichten. In der Wahlnacht erklärte Chinas wichtigste Zeitung People's Daily dann in ihrem Leitartikel, dass der Wahlkampf „unbestreitbar die dunkelste Seite der so genannten Demokratie in den USA“ hervorgebracht hätte.

Die Diskussion in Europa, um die Zukunft der transatlantischen Beziehungen, die unter anderem durch den Gastkommentar von Barack Obama und Angela Merkel in der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftswoche mitbestimmt wurde, wird indes wenig Platz eingeräumt. Denn politisch betrachtet ist Trump aus chinesischer Sicht ein Hauptgewinn. Er erscheint nicht nur wie der lebende Beweis für die Unterlegenheit der westlichen Demokratien. In China ist man beispielsweise stolz darauf, dass neue Parteimitglieder an den Unis und Schulen nur unter den besten Schülern und Studenten rekrutiert werden.

Trumps wirtschaftspolitische Pläne

Zudem bedeutet die Wahl Trumps mehr Spielraum für die aufsteigende Supermacht. Das prognostiziert auch der Politikwissenschafter Mei Xinyu in einem Artikel in der staatlichen Global Times. Denn während Obama beispielsweise im Konflikt um die Bebauung von Inseln im Südchinesischen Meer China wiederholt vor einer weiteren Ausdehnung gewarnt hatte. Und Clinton vor der Wahl erklärt hatte, die Ausweitung durch eine größere militärische Präsenz eindämmen zu wollen, lassen Trumps Ankündigungen in Peking auf das Gegenteil hoffen.

Der amerikanische Botschafter Max Baucus in Peking versuchte zwar verzweifelt Schadensbegrenzung zu betreiben. So erklärte er, die „wichtigsten Beziehungen der Welt” würden unter der Präsidentschaft Trumps nicht leiden. Änderungen in der Klimapolitik oder der Haltung gegenüber Nordkorea seien nicht zu erwarten. Zudem sei die Forderung Trumps, Produkte aus China mit einer Einfuhrsteuer von 45 Prozent zu belegen, „in einem hitzigen Wahlkampf“ gefallen und würde sich so gar nicht durchführbar lassen.

Auf Weibo, der sozialen Plattform, wo das Propagandaministerium sonst politische Kommentare gerne verschwinden lässt, kennt der Spott aber keine Grenzen. Die angeblich größte Nation der Welt werde nun von dem größten Spinner regiert, kommentiert ein Nutzer. Ein anderer schreibt, dass die Wahl für ihn keine Überraschung sei. In den USA würde sowieso das Geld die Demokratie regieren.

Erst am Wochenende wurden die Tiraden für einen kurzen Moment von einer anderen Nachricht verdrängt. Es tauchte ein Video von Trumps vierjähriger Enkeltochter auf, die auf Chinesisch ein Gedicht aus der Tang-Dynastie rezitierte. Auf Weibo gab man sich daraufhin erleichtert. Trump habe zwar keine Ahnung von China, aber dann könnte ihn zumindest seine Enkeltochter ab und zu beraten.

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