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Corona-Restriktionen Deutsche Firmen in Südafrika werden ausgebremst

Südafrika verhängte einen der härtesten Lockdowns weltweit, samt Verbot des Alkoholverkaufs und des Joggens. Zunächst hatte sich Corona bislang vergleichsweise langsam bemerkbar gemacht. Quelle: AP

Südafrika ist Deutschlands wichtigster Handelspartner auf dem afrikanischen Kontinent und leidet enorm unter Corona. Das Land verhängte einen der härtesten Lockdowns weltweit – mit Folgen auch für deutsche Betriebe.

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Deutsche Unternehmen in Südafrika sind in Sorge wegen akuter Beeinträchtigungen durch die Covid-19-Restriktionen des Landes. Sie drohen bei Deutschlands wichtigstem Handelspartner auf dem afrikanischen Kontinent, Produktionserweiterungen und wichtige Wartungen lahmzulegen.

Benötigt werden Hunderte Techniker und Experten aus dem Ausland, die aber wegen der geschlossenen Grenzen nicht ins Land können. Das geht aus einer Umfrage der für das südliche Afrika zuständigen Auslandshandelskammer (AHK) hervor. „Innerhalb kurzer Zeit hatten wir Antworten von etwa 20 Firmen, die um die 600 Techniker und Ingenieure benötigen“, sagte am Dienstag der AHK-Geschäftsführer Matthias Boddenberg der Deutschen Presse-Agentur. Zur Zeit werde daher mit den Behörden eine Ausnahmegenehmigung für einen oder mehrere Sonderflüge verhandelt, wie es sie bereits nach China und Russland gegeben hat.

Ein Viertel der in Afrika gemeldeten Corona-Fälle entfällt auf Südafrika, gefolgt von Ägypten, Nigeria und Ghana. Südafrika verhängte einen der härtesten Lockdowns weltweit, samt Verbot des Alkoholverkaufs und des Joggens. Zunächst hatte sich Corona infolgedessen vergleichsweise langsam bemerkbar gemacht. Doch das ändert sich nun: „Das Tempo der Ausbreitung wird immer schneller“, sagt Richard Mihigo, einer der Leiter der Corona-Bekämpfung bei der WHO Afrika.

Denn in den vergangenen Wochen haben viele afrikanische Länder, auch Südafrika, begonnen, ihre Corona-Maßnahmen zu lockern. Im Grunde bleibt ihnen auch keine andere Wahl, denn die wirtschaftlichen Folgen der Einschränkungen sind schon jetzt verheerend. „In Afrika hat jeder Monat eines harten Lockdowns einen Verlust von 2,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts zur Folge“, schätzt Adrian Gauci von der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (Uneca). Für viele Menschen Afrikas sind Lockdowns existenzbedrohend. Geschätzte 80 Prozent der Bürger arbeiten in der informellen Wirtschaft, sie können nicht ins Homeoffice wechseln.

Das wirtschaftliche Leben muss deshalb weitergehen. Um die Pandemie trotzdem einzudämmen, ist das Testen essenziell – doch das ist eine der größten Herausforderungen. „Wir testen noch immer nicht genug“, sagt Africa-CDC-Vize Ouma. Die meisten Länder kommen auf dem globalen Markt nicht an genug Testkits ran und haben auch nicht ausreichend Labor-Kapazitäten. Zum Vergleich: Deutschland führt derzeit etwa 56 Tests pro 1000 Bürger durch, in Südafrika sind es knapp 19, wie Zahlen der University of Oxford zeigen.

Corona ist derweil nicht das einzige Problem des Landes: Der Kap-Staat – der bisher vor allem auf Kohlekraft setzt – leidet unter einer schweren Energiekrise, die die Konjunktur im Land stark beeinträchtigt hat. Nur drei Wochen vor der Einführung einer der weltweit striktesten Ausgangssperren hatte sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Südafrika noch für eine Vertiefung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen eingesetzt. Deutschland war 2018 nach China und vor den USA mit einem Volumen von etwa 17 Milliarden Euro zweitwichtigster Handelspartner Südafrikas, das als wichtiges Sprungbrett vieler Unternehmen für den Kontinent gilt. Dort sind alle wichtigen Automobilhersteller wie Volkswagen, BMW oder Mercedes vertreten, das gerade eine Montagelinie für die neue C-Klasse aufbaut. Auch Energiekonzerne und Zulieferer wie Siemens, Continental oder Voith gehören dazu. Insgesamt wird die Zahl der in Südafrika tätigen deutschen Unternehmen auf mehr als 600 Betriebe geschätzt.

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