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Demokraten-ParteitagKamala Harris: Das war ihr erster Test – und sie hat bestanden

Kamala Harris lässt sich auf dem Parteitag der Demokraten von den Delegierten feiern. Auch wenn ihre Rede inhaltlich vage bleibt. Doch genau das könnte sie ins Weiße Haus bringen.Julian Heißler 23.08.2024 - 06:00 Uhr

Die Vizepräsidentin und Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Kamala Harris, auf dem Democratic National Congress (DNC).

Foto: AP

Kamala Harris strahlt, als sie zu den Klängen des Beyoncé-Songs „Freedom“ im United Center in Chicago auf die Bühne tritt. Der Jubel in der Arena, er will gar kein Ende nehmen. Harris saugt den Applaus auf, winkt immer wieder ins Publikum. Mehrfach setzt sie am Rednerpult zur Rede an, doch gegen die Euphorie in der Halle kommt die 59-Jährige kaum an. Erst als sich der Beifall ein wenig legt, beginnt die Kandidatin zu sprechen.

Harris‘ Rede war der bisherige Höhepunkt ihres Wahlkampfs – und ihrer politischen Karriere. Innerhalb nur eines Monats ist aus der zuvor viel kritisierten Vizepräsidentin die Hoffnungsträgerin ihrer Partei geworden – und eine Projektionsfläche für große Teile der amerikanischen Bevölkerung, die Donald Trump ablehnen. Sie hat Spendenrekorde gebrochen, die Umfragen durcheinandergewirbelt und so dem Wahlkampf eine neue Dynamik verliehen.

Der Parteitag in Chicago war nun darauf ausgerichtet, diese Trendlinien zu verlängern – und die Kandidatin auch offiziell den Wählern vorzustellen. Denn für viele Wähler dürfte Harris trotz ihrer erfolgreichen Wochen noch eine große Leerstelle sein.

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Über ihre Biografie, ihre politischen Überzeugungen und Ziele, war der breiten Öffentlichkeit vor dem Parteitag nur wenig bekannt. Kein Wunder: Als Vizepräsidentin gehörte es zu ihren Aufgaben, sich unterzuordnen. Und einen monatelangen Vorwahlkampf – in den USA eigentlich üblich, wenn kein amtierender Präsident zur Wiederwahl antritt – musste Harris in diesem Jahr auch nicht durchstehen.

Umfragen trotz Harris-Hypes denkbar knapp

Die Kandidatin hat sich das zu Nutze gemacht, blieb inhaltlich in den vergangenen Wochen bewusst vage. Interviews hat sie seit Bidens Rückzug im Juli noch nicht gegeben, beantwortete auch sonst kaum Fragen der Presse. Auch programmatisch hat sie sich bislang kaum positioniert – abgesehen von einer Rede über die Ziele ihrer Wirtschaftspolitik.

Deshalb war die Erwartung an ihren Auftritt vor dem Parteitag so enorm: Nie zuvor konnte sich die Kandidatin einem so großen Publikum präsentieren, nie wieder wird sie die Gelegenheit haben, bei so vielen Menschen einen ersten Eindruck zu hinterlassen. Fehler konnte sie sich deshalb kaum erlauben. Schließlich sind die Umfragen dem Harris-Hype zum Trotz denkbar knapp.

Die Kandidatin nutzte die Chance. Sie sprach über ihre Jugend als Tochter von Einwanderern in Oakland, Kalifornien, und ihre Karriere als Staatsanwältin und Politikerin. Immer wieder verknüpfte sie ihre Lebensgeschichte mit ihren politischen Motivationen und Zielen. Sonderlich konkret wurde sie gleichwohl nicht. „Wir wissen, dass eine starke Mittelschicht immer entscheidend für den Erfolg Amerikas war. Und der Aufbau dieser Mittelschicht wird eines der wichtigsten Ziele meiner Präsidentschaft sein“, sagte Harris etwa mit Blick auf ihre wirtschaftspolitische Agenda. „Das ist eine persönliche Angelegenheit für mich. Die Mittelschicht ist der Ort, woher ich komme.“ Ins Detail ging sie gleichwohl kaum.

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Das musste sie auch nicht. Ziel ihrer Rede war nicht, ein ausformuliertes und durchgerechnetes Programm vorzulegen. Harris musste den Wählern zeigen, dass sie ihre Anliegen versteht, welche Werte sie vertritt – und was sie von Donald Trump unterscheidet.

Kein Wunder also, dass die Demokratin fast mehr über die Pläne ihres Gegenkandidaten zu sprechen schien als über ihre eigenen. „In vielerlei Hinsicht ist Donald Trump ein unernster Mann“, so Harris. „Aber die Folgen einer Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus wären äußerst ernst.“ So schuf sie den Kontrast, der ihre Kandidatur weiter beflügeln und Harris so zur ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika machen soll.



Damit knüpfte die Kandidatin an das Erfolgsrezept an, mit dem die Demokraten in den vergangenen Jahren bei Wahlen sehr erfolgreich waren. Die Opposition zu Trump schweißt die normalerweise äußerst vielstimmige Partei zusammen, ermöglicht es ihr, eine Koalition von ganz links bis weit in die politische Mitte hinein zu schmieden.

Es dürfte kein Zufall sein, dass kurz vor Harris Adam Kinzinger in Chicago sprach – ein ehemaliger republikanischer Kongressabgeordneter, der nach dem 6. Januar 2021 das zweite Amtsenthebungsverfahren gegen Trump unterstützt hatte. Kinzingers prominenter Platz auf der Rednerliste sollte enttäuschten Republikanern signalisieren, dass in Harris‘ Bündnis Platz für sie ist. Ebenso wie ihre Entscheidung, Tim Walz zu ihrem Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten zu machen, weißen Männern aus der Arbeiterklasse des Mittleren Westens zeigen sollte, dass sie ein wichtiger Teil der demokratischen Allianz sind. Inhalte, zumal potenziell kontroverse, könnten den Zusammenhalt in dieser fragilen Koalition gefährden. Auch deshalb hält sich Harris mit Details zu ihren Plänen zurück.

Die Delegierten störten sich daran gleichwohl nicht. Sie feierten die Rede der Vizepräsidentin – ganz so, wie sie in den Tagen zuvor die anderen Redner gefeiert hatten. Der Enthusiasmus, der die Partei seit dem Verzicht von Joe Biden ergriffen hat, prägte die Convention, vertrieb zumindest zeitweise die Selbstzweifel und die Furcht, unter denen die Demokraten in den Monaten vor dem Rückzug des Präsidenten gelitten hatten.

Ob diese Welle der Begeisterung Harris bis ins Weiße Haus tragen kann, ist alles andere als sicher. Doch den Parteitag, die erste große Hürde ihrer Kandidatur, hat sie erfolgreich genommen. Will sie gewinnen, darf sie sich auch in den kommenden Wochen keinen großen Fehler erlauben.

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