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Ende der Iran-SanktionenDeutsche Autobauer halten sich noch zurück

Nach rund einem Jahrzehnt sollen die westlichen Strafmaßnahmen gegen den Iran fallen. Vor allem für Autobauer bietet der iranische Absatzmarkt große Möglichkeiten. Doch deutsche Unternehmen sind skeptisch. 16.01.2016 - 10:28 Uhr

Ölraffinerie: Großbritannien bezieht ein Prozent seiner Ölimporte aus dem Iran, und damit 11.000 Barrel pro Tag.

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Das Logo von Total. Frankreich importiert bisher vier Prozent seines Rohöls aus dem Iran. Das entspricht 49.000 Barrel pro Tag.

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Der große Absatzmarkt Iran lockt auch deutsche Autobauer - doch vor dem nahenden Ende der westlichen Sanktionen halten sich die Hersteller noch zurück. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. So teilte Europas größter Autokonzern VW mit: „Wir verfolgen die aktuelle Entwicklung und prüfen mögliche Optionen. Es gibt jedoch noch keine Entscheidungen oder Beschlüsse.“ Bis 2009 hatte Volkswagen im Iran Fahrzeuge des Typs Gol produziert.

Aus Unternehmenskreisen war zu hören, dass die Wolfsburger durchaus mit von der Partie sein wollen, wenn westliche Hersteller ihre Autos wieder im Iran verkaufen dürfen. Als Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) im Juli 2015 als einer der ersten westlichen Spitzenpolitiker nach Teheran reiste, wurde er von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet, darunter Manager von VW und Daimler. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) hatte das Land in der Vergangenheit als interessanten Markt bezeichnet.

Die Erdöl-Reserven Nigerias betragen 4,9 Milliarden Tonnen. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist weitgehend vom Öl-Export abhängig. 90 Prozent der Exporterlöse gehen auf die hohen Reserven zurück, das macht 80 Prozent der staatlichen Einnahmen und rund ein Drittel des BIP aus.

Foto: ASSOCIATED PRESS

5,8 Milliarden Tonnen betragen die Erdöl-Reserven in Libyen. Haupthandelspartner waren laut Auswärtigem Amt Italien und Deutschland, die rund 50 Prozent der Exporte aufnahmen.

Foto: REUTERS

Russland besitzt Erdölvorkommen in Höhe von 8,2 Milliarden Tonnen. Diese gliedern sich in sogenannte konventionelle und unkonventionelle Reserven sowie Polaröl.

Foto: ITAR-TASS

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind nach Saudi-Arabien die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der arabischen Welt. Dort schlummerten nach OPEC-Angaben gegen Ende 2013 rund 12,85 Milliarden Tonnen Erdöl.

Foto: AP

Katar gilt als "Boomland": Das Wirtschaftswachstum war in den letzten Jahren immer im zweistelligen Bereich (2011: 14 Prozent). In Katar lagerten 2011 nach OPEC-Angaben 25,38 Milliarden Barrel Erdöl. Laut Auswärtigem Amt macht Katar 62 Prozent seines BIP im Öl- und Gassektor. An erster Stelle der Lieferländer lag nach katarischen Angaben für 2009 die USA mit einem Anteil von 12,3 Prozent, gefolgt von Deutschland mit 9,1 Prozent.

Foto: REUTERS

In Kuwait betrugen die Erdöl-Reserven 101,5 Milliarden Barrel. Der Ölsektor macht seit Jahren mit einem Anteil von inzwischen über 90 Prozent den bedeutendsten Posten der Staatseinnahmen aus. Hauptabnehmer kuwaitischer Ausfuhren sind Japan, Südkorea, Indien, USA und China.

Foto: REUTERS

141,35 Milliarden Barrel Öl hat der von Krieg und Terrorismus geplagte Irak in Reserve. Nach Angaben des Auswärtigen Amts machen Ölexporte 90 Prozent der Staatseinnahmen und über 60 Prozent des BIP aus.

Foto: REUTERS

Der Gottesstatt Iran besitzt mit 154,58 Milliarden Barrel die weltweit drittgrößten Ölreserven. Bedeutende Handelspartner des Irans außerhalb der EU sind China, die Vereinigten Arabischen Emirate, Süd-Korea und Indien.

Foto: AP

Bis 2010 hatte Saudi-Arabien die weltweit größten Ölreserven stets bei sich verbuchen können. Dann wurde es jedoch von einem südamerikanischen Land vom Thron gestoßen. Die größte Volkswirtschaft des arabischen Raums besitzt Erdölvorkommen in Höhe von 264,52 Milliarden Barrel Öl.

Foto: REUTERS

Das ölreichste Land der Welt, Venezuela, ist für die nächsten Jahrzehnte gerüstet. 297,57 Milliarden Barrel Öl ruhten in dem Land. Die Vorräte befinden sich hauptsächlich im Delta des Orinoco-Flusses im Osten des Landes.

Über 95 Prozent der Exporterlöse Venezuelas kommen laut Auswärtigem Amt aus dem Ölbereich. Venezuela ist der größte Erdölexporteur Lateinamerikas. Die Erdöleinnahmen machen rund ein Drittel des BIP aus und tragen rund 50 Prozent zu den Staatseinnahmen bei.

Foto: REUTERS

Die VW-Tochter Audi sieht in dem islamischen Schwellenland sogar „wachsendes Potenzial für Premiummarken“. Allerdings betonte eine Sprecherin, man habe bisher weder einen autorisierten Importeur noch ein Händlernetz im Iran und übe daher noch keine Geschäftstätigkeit aus. Audi beobachte die politische Entwicklung. Ähnliche Töne kamen vom Sportwagenbauer Porsche. Die VW-Marke warte zunächst ab, wie sich die Lage entwickle, sagte ein Sprecher. Auch BMW betonte: „Ein zukünftiger Einstieg in den iranischen Markt hängt sowohl von den politischen als auch von den wirtschaftlichen Entwicklungen ab.“

Indes plant Daimler, wieder im Iran aktiv zu werden - „natürlich unter Berücksichtigung aller möglicher exportrechtlicher Regelungen“. Vor diesem Hintergrund tätige Daimler derzeit einzelne Geschäfte, sagte eine Sprecherin. Die Stuttgarter wollen im Falle der Sanktionsaufhebung ein Vertriebsbüro für ihr Nutzfahrzeuggeschäft im Iran errichten, das vom Regionalzentrum in Dubai aus gesteuert wird.

Die größte Hürde gebe es bislang noch für Finanztransaktionen. „Wegen der Sanktionen können wir zum Beispiel noch keine Räume mieten und keine Leute einstellen, weil wir keine Löhne zahlen können“, erklärte die Daimler-Sprecherin. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete am Samstag unter Berufung auf Unternehmensberater, Volkswagen, Audi, Skoda, BMW und Daimler führten im Iran aber bereits Gespräche über Vertriebsfirmen und teils über mögliche eigene Produktionslinien. Die Vorgaben in dem Land seien allerdings strikt - etwa mit Blick auf die Schaffung neuer Jobs oder die Übertragung technischen Wissens.

Der US-Autoriese General Motors (GM) mit seiner europäischen Tochter Opel-Vauxhall will sich hingegen vorerst nicht in die Karten schauen lassen. In Detroit verwies man auf die nach wie vor bestehenden US-Sanktionen gegen den Iran. Entsprechend habe man keine Geschäftspläne in dem Land.

Es wird damit gerechnet, dass an diesem Wochenende der rund 13 Jahre lange Atomstreit zwischen Iran und dem Westen beendet wird. Dann würden die internationalen Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen das Land aufgehoben. Die Automobilindustrie ist eine der wichtigsten Branchen im Land. Die französischen Hersteller Renault und Peugeot haben bereits angekündigt, groß im Iran aktiv zu werden. Zudem hatten Unternehmen etwa aus China versucht, die Lücke zu füllen, die westliche Konzerne wegen der Sanktionen hinterlassen hatten.

dpa
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