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Frank Appel kritisiert Trump-Politik Warum der Post-Chef gegen die US-Steuerreform wettert

Einziger Kritiker der US-Steuerreform: Frank Appel (r.) auf dem Podium in Davos. Quelle: Getty Images

In Davos loben Manager und Banker die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump. Nur einer bürstet gegen den Strich: Deutsche-Post-Chef Frank Appel. Seine Gründe.

Die Welt des Weltwirtschaftsforums in Davos spielt nach ganz eigenen Regeln. Eine lautet: Auf den unzähligen Panels sollen die Top-Leute aus Unternehmen, Politik und internationalen Organisationen zwar diskutieren, aber nicht offen streiten. Jedenfalls läuft es so meistens. Das ist gut für die Harmonie untereinander, aber nicht immer für den Unterhaltungswert.

Insofern hat Frank Appel, Vorstandschef der Deutschen Post, der Davos-Gemeinde einen guten Dienst erwiesen. Er schießt offen gegen Mitdiskutanten und deren Begeisterung für die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump.

Eigentlich sind sich die Davos-Teilnehmer, insbesondere wenn sie aus den USA kommen, in diesen Tagen einig: Mit der massiven steuerlichen Entlastung für amerikanische Unternehmen, hat der US-Präsident ein gutes Werk vollbracht. Wachstum, Arbeitsplätze, Konsum, all das werde wachsen.

Stimmt nicht, sagt nun Appel, und warnt vor zu viel Euphorie. Er sitzt auf einem Podium mit drei amerikanischen Managern und Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam, als er seine Ausführungen macht. Es wirkt schon seit Minuten - Blackstone-Chef Steven Schwarzmann hat die Steuerreform gerade über alles gelobt -, als halte Appel es aus seinem Stuhl nicht aus.

Dann legt er los: „Man darf bei dieser Steuerreform nicht vergessen, was Länder in Zukunft wirklich erfolgreich macht. Das sind Infrastruktur, Bildung, Freihandel, ausgeglichener Haushalt.“ Er sehe nicht, dass die USA dies angingen. „Wenn eine Steuerreform Defizite verursacht und damit das Geld für diese Aufgaben fehlt, wird das vielleicht für zwölf Monate gut sein. Aber dann?“

Appel glaubt, das wird deutlich, dass massive Steuersenkungen auf Pump nicht mehr in die Zeit passen. Zumindest nicht, wenn sie bedingungslos erfolgen. „Wenn man die Produktivität seiner Volkswirtschaft nicht steigert, wird man keinen Erfolg haben“, sagt Appel. „Und die Produktivität steigert man langfristig durch bessere Bildung und bessere Infrastruktur und offene Grenzen.“

Bevor seine Mitdiskutanten ihre Einwände vorbringen können, ergänzt Appel: „Die Steuerreform wird auf kurze Sicht gut. Aber sie löst kein fundamentales Problem.“

Wette niemals gegen die USA

Mit dieser Haltung ist Appel in Davos, zumindest öffentlich, in einer Minderheit. Dementsprechend ist der Widerspruch. „Die USA funktionieren anders“, sagt Credit-Suisse-Chef Thiam. „Es gibt unzählige Investoren in aller Welt, die das Budget-Defizit der USA gerne finanzieren.“ Und Blackstone-Chef Schwarzmann sagt: „In Gesprächen mit Kunden merken wir, wie viel an Investitionen in die Fertigung in den USA fließen soll. Und das erzählen sie mir nicht auf Konferenzen, wo man sowas eben sagt, sondern im echten Leben.“

Die Chefin der US-Börse Nasdaq, Nadine Friedman, springt ihm bei: „Unternehmen werden die Vorteile der Steuerreform nutzen, um einen Teil an Aktionäre auszuschütten und einen Teil in die Zukunft zu investieren. Es wird in jedem Fall einen Aufschwung bewirken.“ So sieht es auch Thiam: „Man darf so ein Budget nicht statisch sehen. Die Steuersenkungen sind ein Startpunkt für eine dynamische Entwicklung.“ Und dann erinnert er an eine vermeintliche Lebensweisheit. An Appel gewandt sagt Thiam: „Wette nie gegen die US-Wirtschaft.“

Am Ende ist es Börsen-Chefin Friedman, die die Brücke zu den Bedenken des Deutschen schlägt: „Ich glaube schon, dass es möglich ist, so mehr Investitionen in die USA zu holen, mehr Leute zu beschäftigen, mehr Kaufkraft zu kreieren. Und trotzdem stimmt, was Frank sagt: Wir brauchen auch mehr Geld für Infrastruktur.“

Appel bleibt trotz versöhnlicher Worte skeptisch: „Ein einzelner Schritt aber hilft doch nicht. Es braucht mehr als Steuersenkungen.“

Investoren gespannt auf Trumps Auftritt in Davos

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