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Gescheiterter Wagner-PutschPutin dankt Sicherheitsapparat für Zerschlagen des Aufstands

Nach Prigoschin meldet sich auch der Kremlchef zwei Tage nach der Zerschlagung der Wagner-Revolte zu Wort – und erklärt das Nichtstun der Sicherheitsorgane. 27.06.2023 - 07:28 Uhr Quelle: dpa

Der russische Präsident Wladimir Putin meldet sich nach dem Aufstand in einer Fernsehansprache zu Wort.

Foto: AP

Kremlchef Wladimir Putin hat den russischen Sicherheitskräften und der Bevölkerung nach der Zerschlagung der Revolte der Privatarmee Wagner für ihren Rückhalt gedankt. „Ich danke allen Soldaten, Mitarbeitern der Geheimdienste, die sich den Aufständischen in den Weg gestellt haben”, sagte Putin heute in einer im Staatsfernsehen übertragenen Rede. Auf seinen Befehl hin sei alles getan worden, um Blutvergießen zu verhindern. „Das hat Zeit gebraucht”, sagte Putin. „Der bewaffnete Aufstand wäre auch so zerschlagen worden.”

Wenn sich Söldner und reguläre Truppen beschossen hätten, wäre dies vor allem Kiew und dem Westen zugutegekommen, erklärte Putin. Dort habe man bereits gehofft, dass sich Russland selbst zerfleische. Doch die russische Gesellschaft habe sich als geschlossen erwiesen in ihrer Ablehnung des Aufstands. Dies hätten am Ende auch die Umstürzler erkannt und aufgegeben.

In der Nacht zum Samstag hatte Söldnerchef Jewgeni Prigoschin schwere Vorwürfe gegen das russische Verteidigungsministerium erhoben und Minister Sergej Schoigu beschuldigt, einen Angriff auf ein Militärlager der für Moskau kämpfenden Wagner-Truppe befohlen zu haben. Anschließend hatte er die südrussische Millionenstadt Rostow am Don besetzt und einige Einheiten seiner Truppe Richtung Moskau geschickt. Ihr praktisch ungehinderter Vormarsch auf Moskau, der erst gut 200 Kilometer vor der russischen Hauptstadt stoppte, weil Prigoschin aufgegeben hatte, rief im Land Schockwellen hervor.

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von Max Biederbeck

Putin gesteht Opfer ein

Putin versuchte nun in seiner Rede, den Eindruck zu bewahren, dass die Macht- und Sicherheitsorgane handlungsfähig seien. So lobte er den Mut und die Selbstaufopferung russischer Piloten, die getötet worden sein, als sie sich den Umstürzlern entgegenstellten. Es war das erste Mal, dass die russische Führung damit Opfer während des Aufstands eingestand.

Zugleich machte der 70-Jährige ein Angebot an die Wagner-Kämpfer. Sie seien missbraucht worden für die persönlichen Ziele und Ambitionen eines Einzelnen, hätten aber in der Vergangenheit ihren Patriotismus bereits bewiesen. Er bot den Kämpfern an, in den russischen Streitkräften zu dienen.

Das Geschäft mit dem Krieg: Privatarmeen weltweit im Einsatz
Das russische Unternehmen blickt auf Einsätze unter anderem in Libyen, Syrien, der Ukraine und Afrika zurück. Ihm werden Verstöße gegen das Völkerrecht und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.
Heute heißt das inzwischen umstrukturierte US-Unternehmen Constellis und hat nach eigenen Angaben in 45 Ländern etwa 20 000 Mitarbeiter. Blackwater operierte von 2003 an im Auftrag der US-Regierung im Irak-Krieg. Mitarbeiter sollen dort etwa an Folter-Verhören in US-Geheimgefängnissen beteiligt gewesen sein.
Im Sudan standen die Schnellen Einsatztruppen (Rapid Support Forces, RSF) lange eng an der Seite des Militärs. Schätzungen gehen von 70 000 bis 150 000 Kämpfern aus. Experten werfen ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen und Menschenschmuggel vor. Seit Mitte April bekämpfen sich Armee und RSF in einem Machtkampf brutal.
Offiziell bietet das türkische Privatunternehmen Beratung, Logistik und Trainings in Fragen von Militär und Sicherheit an. Kritiker werfen ihm vor, für Präsident Recep Tayyip Erdogan verdeckte Operationen auszuführen. Es gibt Berichte, Sadat kämpfe etwa in Syrien und Libyen und sei an der Niederschlagung des Putschversuchs gegen Erdogan im Jahr 2016 beteiligt gewesen.

Jeder Versuch, in Russland Chaos zu stiften, sei zum Scheitern verurteilt, betonte der Präsident. „Die Organisatoren des Aufstands, die das Land verraten haben, haben auch diejenigen verraten, die auf ihrer Seite waren”, sagte Putin.

Putin dankt Lukaschenko und hält an Schoigu fest

Er dankte auch dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko für die Vermittlung in dem Konflikt mit Wagner-Chef Prigoschin. Sein Ex-Vertrauter Prigoschin soll, nachdem er am Samstag den Marsch auf Moskau aufgegeben hatte, in Belarus Zuflucht finden. Das könnten auch andere Wagner-Kämpfer tun. Sein Amnestieangebot gelte, betonte Putin.

Viele politische Beobachter hatten vor der Rede mit einer Entlassung des Verteidigungsministers Sergej Schoigu gerechnet, der seit Monaten wegen der Misserfolge beim Angriffskrieg gegen die Ukraine in der Kritik stand und auch dem Aufstand Prigoschins nichts entgegenzusetzen hatte. Doch Putin hielt trotz der Kritik – zumindest vorläufig – an Schoigu fest, auch weil dieser als persönlicher Vertrauter des Kremlchefs gilt.

Lesen Sie auch: Wie „Putins Koch“ mit seiner Wagner-Gruppe Geld verdient

dpa
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