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Irak Gewalt in Bagdad: Sicherheitskräfte gehen gegen Proteste vor

Irakische Medien sprechen von einem bisher beispiellosen Vorgehen der Sicherheitskräfte. Seit Oktober 2019 sind bei den Protesten mehr als 460 Menschen getötet worden.

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Die seit Monaten andauernden Proteste im Irak richten sich gegen die weit verbreitete Korruption und Misswirtschaft im Land. Quelle: AP

In der irakischen Hauptstadt Bagdad ist es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Spezialeinheiten seien mit Gewalt gegen Protestlager vorgegangen, um Plätze, Straßen und Brücken im Zentrum der Stadt wieder zu öffnen, berichteten Augenzeugen und irakische Medien am Samstag. Die Einheiten hätten auch Protestzelte angezündet.

Der irakische TV-Sender Al-Sharqia sprach von einem bislang beispiellosen Vorgehen der Sicherheitskräfte. Augenzeugen und Medien berichteten auch von Verletzten, unter anderem durch Tränengas. Demnach rückten die Sicherheitskräfte auf den Tahrir-Platz in Bagdad vor, dem wichtigsten Zentrum der Demonstrationen im Irak.

In Bagdad und im Süden des Landes kommt es seit Oktober immer wieder zu Protesten gegen die Regierung, Misswirtschaft und die weit verbreitete Korruption. Der vom Parlament gewählten Menschenrechtskommission zufolge wurden dabei mehr als 460 Menschen getötet und mehr als 20 000 verletzt. Menschenrechtler werfen den Sicherheitskräften einen unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt vor.

Die Demonstrationen führten zum Rücktritt von Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi. Die von der Mehrheit der Schiiten dominierte Regierung im Irak pflegt gute Beziehungen zum ebenfalls schiitischen Iran.

Augenzeugen berichteten am Samstag, die Anhänger des einflussreichen schiitischen Predigers Muktada al-Sadr hätten sich von den Demonstrationen zurückgezogen und ihre Protestlager aufgelöst. Al-Sadr gehört zu den wichtigsten Politikern des Landes. Bei der Parlamentswahl 2018 hatte sein Block die meisten Stimmen gewonnen. Der populistische Prediger kritisierte in den vergangenen Monaten immer wieder die Korruption und verlangte politische Reformen.

Am Freitag hatten Zehntausende Anhänger Al-Sadrs bei einem Massenprotest in Bagdad den Abzug der US-Truppen aus dem Irak gefordert. In diesem Monat hatte bereits das irakische Parlament beschlossen, dass alle ausländischen Truppen das Land verlassen müssten. Es reagierte damit auf die Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani bei einem US-Raketenangriff in Bagdad.

Im Irak sind rund 5000 US-Soldaten im Einsatz. Sie waren unter anderem entsendet worden, um das irakische Militär im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu unterstützen.

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