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Joe Biden in South Carolina „Wir sind am Leben“

Joe Biden im strategisch wichtigen South Carolina. Quelle: imago images

Nach Wochen voller Rückschläge konnte Joe Biden ein Comeback in South Carolina feiern. Beim „Super Tuesday“ könnte der Ex-Vizepräsident es jedoch wieder schwer haben.

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Joe Biden strahlte über das ganze Gesicht, als er in Columbia, South Carolina, die Bühne betrat. Nach Wochen voller Rückschläge konnte der ehemalige Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten seinen ersten Erfolg verbuchen. Und was für einen. Der Ex-Vizepräsident gewann die Vorwahl seiner Partei mit deutlichem Vorsprung, er erhielt 49 Prozent der Stimmen. Biden deklassierte damit sämtliche Konkurrenten und hängte auch den bisherigen Frontrunner Senator Bernie Sanders, der auf 20 Prozent kam, klar ab. „Wir sind am Leben“, rief Biden seinen feiernden Anhängern entgegen. „Wenn die Demokraten mich nominieren, können wir Donald Trump schlagen!“

Biden brauchte diesen Sieg. Dringend. Nachdem er in den ersten drei Wettbewerben um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten enttäuscht hatte, galt seine Bewerbung um die Nominierung für manche Beobachter bereits als gescheitert. Finanziell ist seine Kampagne schon lange angeschlagen, die frühen Niederlagen untergruben sein angeblich stärkstes Argument, der wählbarste Kandidat zu sein. Doch der Ex-Vizepräsident versuchte seine nervösen Anhänger zu beruhigen, versprach im wichtigen South Carolina einen deutlichen Triumph. Und er konnte liefern.

Die erste Vorwahl in einem Südstaat ist strategisch extrem wichtig. Vier der sechs vergangenen Gewinner erkämpften sich auch die Kandidatur der Demokraten. Der Grund ist die demographische Zusammensetzung der Wähler im Palmetto State. Dort stellen Afroamerikaner die Mehrheit der Parteibasis – wie in vielen anderen Bundesstaaten im Süden auch. Seit Jahrzehnten gehört diese Bevölkerungsgruppe zu den treusten Wählern der Partei. Gegen sie geht bei den Demokraten nichts.

Der Ex-Vizepräsident hat bei diesen Wählern traditionell einen guten Stand – und das nicht nur, weil er acht Jahre lang als unter dem immer noch extrem beliebten Barack Obama gedient hatte. Afroamerikanische Demokraten gelten, stark vereinfacht gesprochen, als moderater als die weiße Aktivistenbasis, die etwa in den Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire das Geschehen dominiert. Davon konnte Biden profitieren. Schließlich verspricht er seinen Anhängern anders als sein aktueller Hauptkonkurrent Bernie Sanders keinen Umsturz, sondern Reformen mit Augenmaß. „Über eine Revolution reden hat noch niemandes Leben verbessert“, fasste Biden den Unterschied zwischen den Kandidaten in seiner Siegesansprache zusammen.

Der Erfolg katapultiert den Ex-Vizepräsidenten wieder in die Spitzengruppe im Kampf um die Nominierung. Dass er dort auch bleibt, ist jedoch nicht ausgemacht. Bereits am Dienstag finden am ersten Super Tuesday die nächsten Vorwahlen statt. Dann wählen 14 Bundesstaaten und das Territorium American Samoa. Insgesamt ein Drittel aller Parteitagsdelegierten werden an diesem Tag vergeben.

Wie viel Rückenwind Biden in dieser kurzen Zeit aufbauen kann, ist offen. Zumal auch wieder Wettbewerbe anstehen, bei denen der bisherige Frontrunner Sanders erneut groß abräumen könnte. Trotzdem hätte der Ex-Vizepräsident wohl veritable Chancen, dem selbsterklärten demokratischen Sozialisten gefährlich zu werden, sollte es zu einem Zweikampf zwischen den beiden Bewerbern kommen. Danach sieht es allerdings nicht aus.

Ein solches Duell ist allerdings noch nicht in Sicht. Bislang ist von Bidens moderaten Konkurrenten um die Nominierung nur Geschäftsmann Tom Steyer aus dem Rennen ausgestiegen. Die anderen Kandidaten, Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg und Senatorin Amy Klobuchar, wollen vorerst weitermachen. Schlimmer noch: Am Dienstag greift erstmals auch New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg ins Rennen ein. Der Milliardär hatte im Herbst seine Kandidatur erklärt, nachdem Bedenken lautgeworden waren, ob Biden die Nominierung für den moderaten Parteiflügel gewinnen könnte. Nun wird er selbst zur Gefahr für den Ex-Vizepräsidenten.

Bloomberg hat fast eine halbe Milliarde Dollar in seine Kandidatur gesteckt – ein Vielfaches von dem was die anderen Demokraten im Rennen ausgeben konnten. Der Unternehmer konnte so erhebliche Aufmerksamkeit für seine Bewerbung generieren und diese in Umfragewerte ummünzen, die zumindest auf der nationalen Ebene - trotz zweier schwacher Auftritte in Fernsehdebatten - nur knapp unter Bidens liegen.

In den kommenden Vorwahlen könnte sich das nun rächen. Teilen sich Biden und Bloomberg die moderaten Wähler, dürfte es Sanders leichter haben, in mehreren Staaten als Sieger vom Platz zu gehen und unter den für die Nominierung notwendigen Delegierten einen signifikanten Vorsprung aufzubauen. Die massive Investition des Milliardärs hätte dann die Kandidatur des Sozialisten gegen Trump nicht etwa verhindert, sondern erst möglich gemacht.

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