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Konjunktur Platzt in China die nächste Blase?

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Krankenhaus: Chinesische Patienten zahlen aus eigener Tasche Quelle: Laif/Giulio Sarchiola

Von den privaten Unternehmen kämen so gut wie keine Impulse, warnte schon vor Monaten die Weltbank. Viele Experten sind daher skeptisch. „Ich glaube nicht, dass China den Wechsel zu einem inlandsgetriebenen Wachstum schaffen wird“, sagt der amerikanische Ökonom Michael Pettis, der an einer Pekinger Universität lehrt.

Sorgen bereitet Beobachtern auch, dass die Milliarden aus dem Konjunkturprogramm und das billige Geld der Notenbank neue Blasen aufgepumpt haben. Die Royal Bank of Scotland schätzt, dass etwa ein Fünftel der Neukredite der Banken als Spekulationsgeld an die Börsen geflossen ist. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Aktienmarktes in Shanghai ist bereits höher als 35.

Am Immobilienmarkt sieht es ähnlich aus. Um 85 Prozent haben die Immobilienverkäufe in den vergangenen zwölf Monaten zugelegt. In Shanghai sind die Preise in diesem Zeitraum um 30 Prozent gestiegen. Doch viele der Wohnungen stehen leer. Aus Mangel an rentablen Anlagemöglichkeiten kaufen die Chinesen Häuser und Apartments in der Hoffnung auf steigende Preise. Mittlerweile liegt der Preis einer Immobilie beim Neunfachen des durchschnittlichen jährlichen Haushaltseinkommens. In westlichen Industrieländern gilt schon ein Faktor von vier als Alarmzeichen für eine Überhitzung.

Fast alles produziert China im Übermass

Auch am Markt für Büroimmobilien treibt die Spekulation Blüten. „Legt man beispielsweise für Peking die Vermietungsaktivitäten der vergangenen Jahre zugrunde, decken die derzeitigen Leerstände bei Büroimmobilien die Kapazität für die kommenden 14 Jahre ab“, sagt Steffen Hauptmann, Fondsmanager bei Galiplan Financial Services.

Ob Aluminium, Glas, Stahl oder Zement – fast alles produziert China im Übermaß. So können die Hütten des Landes jedes Jahr 690 Millionen Tonnen Stahl herstellen – bei einer Nachfrage von 540 Millionen Tonnen. Das Land hat Kapazitäten, um 1,8 Milliarden Tonnen Zement herzustellen, benötigt derzeit aber nur 1,5 Milliarden Tonnen.

Das Gefährliche ist, dass all die Überkapazitäten mit Krediten finanziert sind, die die Banken meist auf Geheiß der Regierung ohne vernünftige Bonitätsprüfungen vergeben haben. Seit Monaten expandieren die Kredite mit Raten von über 30 Prozent. Finden sich für die aus dem Boden gestampften Wohnungen, Einzelhandelsflächen und Lagerhallen keine Mieter, dürfte es den Investoren schwerfallen, die Kredite zurückzuzahlen. Analysten schätzen, dass sich der Anteil fauler Kredite am BIP auf 30 bis 40 Prozent beläuft. In Japan lag der Anteil nach dem Platzen der Spekulationsblase Anfang der Neunzigerjahre bei 17 Prozent. Die Folge waren eine Dauerkrise, Stagnation und Deflation.

Wird China am Ende des Tages zu einem zweiten Japan statt zu einem globalen Powerhouse? Ausgeschlossen ist das nicht. Für die Regierung in Peking ist das ein Horrorszenario. Um dem Missbrauch von Krediten zu Spekulationszwecken und der Blasenbildung entgegenzuwirken, will sie die Banken zwingen, Kredite künftig nicht mehr den Darlehensnehmern, sondern deren Geschäftspartnern auszuzahlen. An dem grundsätzlich expansiven Kurs in der Geld- und Fiskalpolitik aber, so bekräftigte Premier Wen Jiabao kürzlich, werde die Regierung weiter festhalten. Nichts brauchen Chinas kommunistische Führer mehr als ein kräftiges Wirtschaftswachstum. Es ist die Voraussetzung für soziale Ruhe und den Erhalt der Macht der KP. Bisher ging die Rechnung auf. Doch wie lange noch? Sicher ist: Platzt die Drachen-Blase, werden nicht nur die Chinesen unsanft aus ihren Wachstumsträumen geweckt.  

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