MSMT-Bericht: Russland beliefert Nordkorea mit Flugabwehrsystem
Vor fast genau einem Jahr hatten Russland und Nordkorea, nach einem Besuch von Präsident Wladimir Putin in Pjöngjang, ein Abkommen über eine umfassende strategische Partnerschaft unterzeichnet. Inzwischen werden nach und nach Details dieser Vereinbarung bekannt. Laut einem Bericht des Multilateral Sanction Monitoring Team (MSMT) hat Moskau im vergangenen Jahr mindestens ein mobiles Flugabwehrraketensystem vom Typ Pantsir an Nordkorea geliefert.
Pantsir ist ein mobiles Luftabwehrsystem zur Bekämpfung von Flugzeugen, Marschflugkörpern, Präzisionswaffen und Drohnen. Mit dessen Stationierung erhält Nordkorea erstmals ein modernisiertes Luftverteidigungssystem, das sowohl den bisherigen russischen Bestand als auch die ungetesteten Eigenentwicklungen übertrifft.
Seit November 2024 soll Russland Nordkorea darüber hinaus mit Kurzstrecken-Luftabwehrsystemen und moderner Störtechnik beliefert haben. Das Material sei mit russischen Frachtflugzeugen transportiert worden, heißt es in dem Bericht. Zudem soll Moskau operatives Know-how weitergegeben haben. So übermittelte Russland Nordkorea Datenrückmeldungen zu ballistischen Raketen, die die Lenkgenauigkeit verbessert haben sollen.
Diese Lieferungen verstoßen gegen die bestehenden UN-Sanktionen, die ein Waffenembargo gegen Nordkorea vorschreiben. Das MSMT überwacht im Auftrag des UN-Sicherheitsrats die Einhaltung dieser Sanktionen. Die Gruppe wurde im Oktober 2024 auf Initiative Südkoreas und der USA gegründet und nahm im Februar ihre Arbeit auf. Mitglieder sind unter anderem die USA, Japan, Großbritannien, Südkorea und Deutschland.
Die Informationen stammen aus Geheimdienstberichten der Mitgliedstaaten. Welche Nation die Angaben zur Pantsir-Lieferung gemacht hat, bleibt offen.
Die Lieferungen aus Russland könnte Nordkorea im Gegenzug für seine militärische Unterstützung Russlands im Ukrainekrieg erhalten haben. Erst Ende April bestätigte Nordkorea erstmals, eigene Soldaten zur Unterstützung Russlands in den Ukrainekrieg entsandt zu haben. Der Einsatz sei demnach auf Befehl von Machthaber Kim Jong-un angeordnet worden, berichtete Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur KCNA. „Die Operationen zur Befreiung der Region Kursk“ seien siegreich abgeschlossen worden, wird die nordkoreanische Militärführung von KCNA zitiert.
Laut Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes hat Nordkorea im vergangenen Herbst rund 11.000 Soldaten zur Unterstützung Russlands entsandt. Diese sollen vor allem in der Region rund um die von der Ukraine besetzten Gebiete im russischen Kursk eingesetzt worden sein.
Zusätzlich zur Entsendung von Soldaten liefert Nordkorea nach Angaben des südkoreanischen Generalstabs weiterhin Munition und Waffen im großen Stil nach Russland, darunter Kurzstreckenraketen, Panzerhaubitzen und Raketenwerfer. Laut MSMT lieferte Nordkorea über 20.000 Container mit Rüstungsgütern – darunter neun Millionen Artilleriegeschosse und Munition für Raketenwerfer.