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Nach neuen Festnahmen Trotz Verbots: Tausende demonstrieren erneut in Hongkong

Die Festnahme zweier prodemokratischer Abgeordneten hat die Atmosphäre weiter aufgeheizt. Trotz Verbots gehen wieder Tausende Hongkonger auf die Straße.

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Am Morgen war die Lage noch friedlich: Mit dem Protestzug erinnern die Demonstranten an den fünften Jahrestag des Scheiterns der Wahlreform 2014. Quelle: dpa

Trotz des Verbots einer Großdemonstration ist es am Samstag in Hongkong erneut zu Protesten gegen die Regierung gekommen. Tausende Menschen aller Altersgruppen zogen wieder durch die Straßen. Die Demonstranten folgte einem Aufruf zu einem religiösen Marsch, der entlang prominenter sakraler Stätten in den historischen Distrikt Sheung Wan und weiter in Richtung Regierungsviertel führte. Viele „spazierten“ nur, wie sie sagten, auf dem Fußweg und sahen davon ab, Straßen zu blockieren.

Die Situation in der chinesischen Sonderverwaltungszone wurde durch neue Festnahmen verschärft. Nachdem die Polizei schon mehrere führende Mitglieder der Protestbewegung abgeführt hatte, wurden zusätzlich noch zwei prodemokratische Abgeordnete festgenommen. Au Nok-hin und Jeremy Tam wurden bereits am Freitag aufgegriffen, wie örtliche Medien am Samstag berichteten. Ihnen wird Behinderung der Polizei vorgeworfen. Der Abgeordnete Au soll ferner einen Polizisten angegriffen haben.

Mit dem Protestzug am Samstag will die Demokratiebewegung den fünften Jahrestag des Scheiterns der Wahlreform 2014 begehen. Es war damals der Anfang der heute als „Regenschirmbewegung“ bekannten prodemokratischen Demonstrationen, die Teile der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole wochenlang lahmgelegt hatten. Der Name stammt von den Regenschirmen, mit denen sich die Demonstranten damals gegen die Sonne, den Regen, aber auch gegen das Pfefferspray der Polizei schützten.

Nach dem Verbot der großen Demonstration am Samstag nahmen die Organisatoren der Civil Human Rights Front (CHRF) ihren Aufruf zu dem Marsch auch zurück. Es wäre eine illegale Versammlung gewesen, so dass Teilnehmer mit rechtlichen Konsequenzen hätten rechnen müssen. Im Internet gab es hingegen auch Aufrufe für einen religiösen Marsch am Samstagnachmittag.

Die Polizei beteuerte, die Festnahmen der führenden Mitglieder der regierungskritischen Bewegung hätten nichts mit den geplanten neuen Demonstrationen zu tun. Mehrere von ihnen, darunter der bekannte frühere Studentenführer Joshua Wong und seine Mitstreiterin Agnes Chow, kamen kurze Zeit später wieder auf Kaution frei.

Seit fast drei Monaten kommt es in Hongkong immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong und eine Beschneidung ihrer Freiheitsrechte. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie in ihrem eigenen Territorium als chinesische Sonderverwaltungsregion nach dem Grundsatz „ein Land, zwei Systeme“ autonom regiert. Die sieben Millionen Einwohner stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber – anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

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