Nordkorea-Konflikt Donald Trumps gefährliches Spiel mit dem Verrückten-Image

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Was bei der Chaos-Strategie herauskommt

Drei Folgen der Chaos-Strategie sind denkbar. Bestenfalls fürchtet Nordkorea den mächtigen Rivalen; aus Angst vor dem unberechenbaren Trump und seinem tödlichen Atomwaffenarsenal gibt Pjöngjang nach und friert sein Atomwaffenprogramm und seine Raketentests (möglicherweise gegen Wirtschafshilfen) ein.
Möglich aber auch, dass sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un unbeeindruckt gibt, weiter droht und aufrüstet. Sollte Donald Trump dann nicht reagieren, droht er an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Szenario drei: Die Stimmung kippt komplett. Nordkorea traut den USA alles zu, auch den Einsatz von Atomwaffen – und sieht keinen Ausweg, außer selbst per Erstschlag seine Position zu verbessern.

Ely Ratner, Asienexperte bei der US-Denkfabrik „Council on Foreign Relations“ fürchtet, dass die Trump’sche Strategie nicht aufgeht. Die Aussagen hätten den Konflikt nur weiter angeheizt. Die Aussagen des US-Präsidenten seien „unverantwortlich“.

Dass die Nordkorea-Krise eskalieren könnte, glaubt auch dessen Denkfabrik-Kollegin Rebecca Friedman Lissner. „Wenn es zu einer Zuspitzung der Krise kommt, wird die Trump-Regierung kaum glaubhaft vermitteln können, dass sie an einer Entspannung interessiert ist“, so die frühere Beraterin des US-Energieministeriums. Trumps impulsives Temperament und seine Besessenheit, bloß keine Schwäche zu zeigen, mache ihn „mehr als andere Präsidenten vor ihm empfänglich, tatsächlich Atomwaffen einzusetzen“, befürchtet Lissner. Das Weiße Haus müsse verbal abrüsten und eine „kohärente Strategie“ entwickeln, wie man mit Nordkorea umgeht, sind sich die beiden Beobachter einig.

Das ist gleichwohl leichter gesagt, als getan. Die Fronten zwischen den USA und Nordkorea sind schließlich verhärtet: Das kommunistische Regime scheint unter keinen Umständen bereit, auf sein Atomwaffenprogramm zu verzichten. Und die USA wollen nicht dulden, dass Nordkorea seine nuklearen Fähigkeiten weiterentwickelt. Um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, will die mächtigste Streitkraft der Welt auch weiterhin militärische Übungen mit Südkorea durchführen. „Es ist völlig unklar, wie unter diesen Umständen überhaupt ein erster Dialog zustandekommen kann“, sagt Ratner.

Aus Mangel an Alternativen könnte Trump also noch eine Weile weiter poltern und drohen, und seine Chaos-Strategie fortführen – so ungewiss ihr Nutzen auch ist.

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