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OPEC Vertiefen Russland und Saudi-Arabien ihre Kooperation?

Erdölförderung in Südamerika Quelle: dpa

Ende 2016 hat sich die OPEC mit Russland und neun weiteren Staaten lose zusammengeschlossen. US-Medien berichten von einer möglichen Vertiefung des Bündnisses, das fast die Hälfte der weltweiten Ölexporte kontrolliert.

Die als „OPEC+“ bekannte lose Verbindung zwischen der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und zehn Partnerstaaten, darunter Russland, Kasachstan und Mexiko, könnte möglicherweise vertieft werden. Einem Bericht des Wall Street Journals zufolge wollen die Staaten ihre Zusammenarbeit auf dem Ölmarkt verstärkt institutionalisieren. Demnach sollen die Partner um Russland für bis zu drei Jahre an den offiziellen OPEC-Treffen teilnehmen. „Letztlich kann eine solche Vertiefung nur einen Beitritt von Russland und Co. zur OPEC bedeuten“, sagt Carsten Fritsch, Rohstoff-Analyst bei der Commerzbank.

Auf den ersten Blick gibt es durchaus Argumente, die für eine solche Vertiefung sprächen: Gemeinsam kontrollieren die OPEC-Staaten und die zehn Partner fast die Hälfte der weltweiten Ölexporte – entsprechend groß wäre ihre Marktmacht.

Die bisherige lose Kooperation und die damit verbundenen Produktionskürzungen haben den Markt zudem wieder ins Gleichgewicht gebracht und die Ölpreise merklich steigen lassen.

Wenig Nutzen für Russland

Für Russland könnte sich eine solche Vertiefung vor allem politisch lohnen, denn es könnte den Einfluss der USA in der arabischen Welt schwächen. „Zwar sind die USA nicht mehr allzu abhängig von Öl aus Saudi-Arabien, aber die Verbindung zwischen Trump und der Königsfamilie Saud ist nach wie vor intensiv“, sagt Fritsch. „Russland käme es deswegen zupass, einen Keil zwischen die USA und Saudi-Arabien zu treiben.“

Trotzdem hält Fritsch eine solche Vertiefung der Zusammenarbeit für „sehr unwahrscheinlich“. Es bringe Russland aus finanzieller Sicht kaum Vorteile, sich noch stärker an die OPEC zu binden – zwar profitiere Russland aktuell vom gestiegenen Ölpreis, allerdings sei dies zunächst mit fallenden Absatzmengen verbunden.

Seit Anfang 2017 regulieren die Staaten gemeinsam ihre Ölförderung. „Die Staaten, die zum erweiterten Kreis der OPEC gehören, setzen die gemeinsamen Ziele zwar um, aber das geht nur schleppend voran.“ Das hat technische Gründe – aber nicht ausschließlich.

NOPEC gegen OPEC+

In den OPEC-Staaten um Saudi-Arabien kontrollieren staatliche Konzerne den Ölsektor, entsprechend schnell lässt sich die Rohöl-Fördermenge ausweiten oder zurückfahren. Der russische Markt dagegen ist heterogener: Dort tummeln sich Großkonzerne wie Rosneft und Lukoil sowie mehrere mittlere und kleinere Ölförderer. „Zum Teil sind diese Unternehmen börsennotiert und müssen die Interessen ihrer Anleger im Blick haben“, sagt Fritsch. „Deswegen fällt es Russland schwerer, die Fördermengen zu kürzen.“ Schon bei der vergangenen Kürzung der Förderung musste Russlands Regierung viel Überzeugungsarbeit leiste, so Fritsch. Würde Russland seine Bindung zur OPEC weiter stärken, dürfte das Problem noch zunehmen.

Zudem bleibt offen, wie Donald Trump auf eine Vertiefung von „OPEC+“ reagieren würde. In Amerika, mit einer Fördermenge von zwölf Millionen Barrel Öl pro Tag aktuell der größte Ölproduzent der Welt, ist schon seit Jahren ein Antikartellgesetz in der Diskussion, das „NOPEC“ genannt wird und sich gegen die OPEC-Staaten richtet. Bisher haben sich mehrere US-Präsidenten gescheut, damit ernst zu machen, um die Verbindung zu Saudi-Arabien nicht zu gefährden. Doch Donald Trump ist unberechenbar wie keiner seiner Vorgänger. Und die Demokraten im Repräsentantenhaus sähen ein entsprechendes Gesetz ebenfalls gerne.

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