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Post aus Harvard
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Unbequeme Wahrheiten über das US-Handelsdefizit

Martin Feldstein Quelle: Bloomberg, Montage
Martin S. Feldstein US-amerikanischer Ökonom, Professor für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Oberster Wirtschaftsberater für US-Präsident Ronald Reagan Zur Kolumnen-Übersicht: Post aus Harvard

Schuld am chronischen Handelsbilanzdefizit der USA ist nicht das Ausland. Schuld sind die Amerikaner selbst, die mehr ausgeben als produzieren.

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Die USA haben ein Außenhandelsdefizit in Höhe von rund 450 Milliarden Dollar, das entspricht 2,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP). Anders ausgedrückt: Die Amerikaner importieren für 450 Milliarden Dollar mehr Güter und Dienstleistungen als sie ausführen. Was ist der Grund dafür – und welche Folgen hätte ein möglicher Rückgang des Defizits für den amerikanischen Lebensstandard?

Es ist allzu leicht, die Schuld für das enorme Handelsdefizit auf ausländische Regierungen zu schieben, die vermeintlich den Verkauf von US-Produkten in ihren Ländern blockieren und damit amerikanische Unternehmen und den Lebensstandard ihrer Angestellten gefährden.

Leicht ist es auch, Regierungen anzuklagen, die Exporte in die USA subventionieren, wodurch US-Unternehmen Umsätze an ausländische Anbieter verlieren (zumal eine solche Subventionierung des amerikanischen Konsums den US-Haushalten zu Gute kommt).

In Wahrheit liegt die Ursache für das US-Handelsdefizit nicht in ausländischen Importbarrieren oder Exportsubventionen. Sondern schlicht darin, dass die USA mehr ausgeben als produzieren. Insgesamt betrachtet ist das Handelsdefizit ein Ergebnis der Spar- und Investitionsentscheidungen der Haushalte und Unternehmen. Die Politik im Ausland beeinflusst nur die Art und Weise, wie das Defizit unter Amerikas Handelspartnern aufgeteilt wird.

Warum das Handelsdefizit auf die Spar- und Investitionsentscheidungen der Amerikaner zurückgeht, ist schnell erklärt: Wenn der Anteil an der Gesamtproduktion, den ein Land spart, größer ist als derjenige, den es investiert, entsteht ein Produktionsüberschuss, den es dem Rest der Welt verkaufen kann. Mit anderen Worten: Die Ersparnisse abzüglich der Investitionen entsprechen den Exporten abzüglich der Importe – eine grundlegende Buchhaltungsregel, die für jedes Land zu jeder Zeit gültig ist.

Um das US-Handelsdefizit zu verringern, müssen die Amerikaner also mehr sparen. Oder weniger investieren. Ausländische Märkte stärker für US-Produkte zu öffnen oder US-Märkte für ausländische Produkte zu schließen, hat folglich keinen nennenswerten Einfluss auf das Handelsdefizit.

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