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Riedls Dax-RadarTrump-Turbulenzen, aber kein Trump-Crash

Der überraschende Wahlsieg von Donald Trump rüttelt die Anlagemärkte kräftig durch, doch bisher sind die großen Trends intakt. Vor Börseneröffnung in New York bleibt der große Crash zunächst aus.Anton Riedl 09.11.2016 - 11:18 Uhr

Die Nachricht, dass Trump die Präsidentschaftswahl gewonnen hat, auf einem Monitor an der Frankfurter Börse.

Foto: REUTERS

Mit deutlichen Kursabschlägen reagieren die weltweiten Anlagemärkte auf die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Der Nikkei verliert in wenigen Stunden fünf Prozent, die anderen asiatischen Börsen sind etwa zwei bis drei Prozent im Minus. Der Dax beginnt im frühen Handel knapp über der Marke von 10.000 Punkten, kann sich dann aber im Laufe des Vormittags bis auf 10.400 hocharbeiten. Die Futures für die US-Märkte liegen nach ersten Reaktionen drei bis vier Prozent unter Vortag.

Das sind, als erste Reaktionen der Märkte, zwar klare Abschläge, aber es ist nicht der große Crash. Bisher sind die Verluste deutlich kleiner als beim Brexit-Schock. Das kann sich noch ändern – etwa wenn der Handel an den US-Börsen einsetzt.

Mit dem Sieg Trumps haben die Börsen nicht gerechnet. Andererseits waren viele institutionelle Anleger wegen der Brexit-Erfahrung nicht nur blauäugig, also wurden Absicherungsstrategien gefahren. All dies trug dazu bei, dass sich die Abschläge bisher im Rahmen halten.  

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Dollar-Schwäche und Währungskapriolen

Heftig sind bisher die Reaktionen an den Währungsmärkten. Der Mexikanische Peso verliert bis zu 13 Prozent, Rupie, Rubel, Türkische Lira und Südafrikanischer Rand geben ebenfalls deutlich nach. Der Dollar verliert an Boden, der Euro klettert zwischenzeitlich bis auf 1,13 Dollar, geht aber dann wieder auf 1,11 Dollar zurück. Auch bei den anderen Schwellenländerwährungen werden die heftigen Anfangsverluste nach einigen Stunden wieder geringer. Die Reaktion auf den Trump-Sieg ist deutlich, aber keine Währungskatastrophe.

Dennoch, durch den Sieg Trumps wird sich die Lage für die Schwellenländer wieder verschärfen – und das ist auch für die Industrieländer ein Nachteil. Wenn Mexiko aus Angst vor Trump wirtschaftliche Probleme bekommt, spüren das auch die dort besonders aktiven deutschen Autokonzerne. Gerade Mexiko ist als Drehscheibe zwischen den lateinamerikanischen Ländern und den USA von großer Bedeutung.

Trumps wirtschaftspolitische Pläne
Trump will für mehr Wachstum in der US-Wirtschaft sorgen. „Bessere Jobs und höhere Löhne“, lautet eines seiner Kernziele. Der Immobilien-Unternehmer will die Staatsschuldenlast der USA von fast 19 Billionen Dollar abbauen. Er bezeichnet die Schuldenlast als unfair gegenüber der jungen Generation und verspricht: „Wir werden Euch nicht damit alleine lassen“. Defiziten im Staatshaushalt will er ein Ende bereiten.
Trump hat umfangreiche Steuersenkungen sowohl für die Konzerne als auch für Familien und Normalverdiener angekündigt. Er spricht von der größten „Steuer-Revolution“ seit der Reform von Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren. Wer weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdient, soll dank eines Freibetrages künftig gar keine Einkommensteuer mehr zahlen. Den Höchstsatz in der Einkommensteuer will er von momentan 39,6 Prozent auf 33 Prozent kappen. Ursprünglich hatte er eine Absenkung auf 25 Prozent in Aussicht gestellt. Die steuerliche Belastung für Unternehmen will Trump auf 15 Prozent von bislang 35 Prozent vermindern. Das soll US-Firmen im internationalen Wettbewerb stärken. Firmen, die profitable Aktivitäten aus dem Ausland nach Amerika zurückholen, sollen darauf eine Steuerermäßigung erhalten. Die Erbschaftsteuer will der Republikaner ganz abschaffen. Eltern sollen in größerem Umfang Kinderbetreuungs-Ausgaben steuerlich absetzen können.
Trump verspricht, der „größte Job-produzierende Präsident“ der USA zu werden, „den Gott jemals geschaffen hat“. Bereits als Unternehmer habe er Zehntausende neue Stellen geschaffen.
Um amerikanische Arbeitsplätze zu sichern, will Trump die Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anheben und die US-Wirtschaft insgesamt stärker gegen Konkurrenz aus dem Ausland schützen. China, aber auch Mexiko, Japan, Vietnam und Indien wirft Trump beispielsweise vor, die Amerikaner „auszubeuten“, indem sie ihre Währungen zum Schaden von US-Exporten abwerten und manipulieren.
Das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) lehnt Trump ab. Für ihn schadet ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt – vor allem zum staatlichen Beschaffungsmarkt – den amerikanischen Firmen. Das geltende Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln, die TPP-Handelsvereinbarung mit asiatischen Staaten aufkündigen. Trump setzt generell anstatt auf multilaterale Handelsabkommen, etwa im Rahmen der Welthandelsorganisation, auf bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten und Wirtschaftsräumen.
Die Handelsbeziehungen zu China, der nach den USA zweitgrößten Wirtschaftsmacht weltweit, will Trump grundlegend überarbeiten. Er wirft der Volksrepublik vor, ihre Währung künstlich zu drücken, um im Handel Vorteile zu erlangen. Er will das Land daher in Verhandlungen zwingen, damit Schluss zu machen. Auch „illegale“ Exportsubventionen soll die Volksrepublik nicht mehr zahlen dürfen. Verstöße gegen internationale Standards in China sollen der Vergangenheit angehören. Mit all diesen Maßnahmen hofft er, Millionen von Arbeitsplätzen in der US-Industrie zurückzugewinnen.
In der Energie- und Klimapolitik hat Trump eine Kehrtwende angekündigt. Er will die USA von den ehrgeizigen Klimaschutzvereinbarungen von Paris abkoppeln, die Umwelt- und Emissionsvorschriften lockern und eine Rückbesinnung auf fossile Energieträger einläuten: „Wir werden die Kohle retten.“ Die umstrittene Fracking-Energiegewinnung sieht Trump positiv.
Trump verspricht der Wirtschaft eine umfassende Vereinfachung bei den staatlichen Vorschriften. Er werde ein Moratorium für jede weitere Regulierung durch die Behörden verhängen, kündigte er an. Trump will Milliarden in die Hand nehmen, um Straßen, Brücken, Flughäfen und Häfen zu bauen und zu modernisieren. Finanzieren will er das unter anderem dadurch, dass die US-Verbündeten einen größeren Teil an den Kosten für Sicherheit und Verteidigung in der Welt übernehmen sollen.

Dass durch eine erneute Schwäche des Rubels und der Lira Russland und die Türkei unter Druck geraten, ist für diese angeschlagenen Länder eine zusätzliche Belastung. Und Japan freut sich garantiert nicht darüber, dass der Yen wieder als sicherer Hafen gilt, an Wert gewinnt und dies die internationalen Geschäfte der großen japanischen Exporteure erschwert.

Freie Währungsmärkte haben zwar den Vorteil, dass sie auf unerwartete Situationen schnell reagieren; die substanziellen Folgen für die Realwirtschaft und die Unternehmen sind dann aber oft erst nach Wochen und Monaten zu spüren.

Sollten sich die jüngsten Entwicklungen (schwächerer Dollar, sehr schwache Schwellenwährungen, anziehender Euro, starker Yen) verfestigen, wäre das insgesamt eine Belastung für die Weltwirtschaft und damit ein Risiko für den großen Aufwärtstrend an den Weltbörsen.

Am Tag der US-Wahl gehen manche Bürger aus voller Überzeugung für einen Kandidaten zur Urne, andere machen sich die Entscheidung schwer. David Hansen aus Minnesota: „Die Republikaner werden zu weit rechts sein und die Demokraten zu weit links, ich konnte für keinen der beiden stimmen.“ Der 63-Jährige gab an, daher den Libertären Gary Johnson gewählt zu haben. „Es scheint so, als würde Hillary versuchen, das zu tun, was man ihr gesagt hat. Trump macht einfach das, was er tun will - und er ist nicht fit genug für das Präsidentenamt.“

Foto: AP

Russ Van Deursen aus New Hampshire: „Unser Land muss Fortschritte machen und ich glaube nicht, dass es unter einem Präsidenten Donald Trump positiv nach vorne gehen wird.“ Er gehörte zu den ersten Wählern des Wahltages in dem winzigen Dorf Dixville, in dem am Dienstag gleich nach Mitternacht abgestimmt wurde.

Foto: dpa

Von den insgesamt acht vergebenen Stimmen in der Ortschaft gingen vier an Clinton, zwei an Trump und eine an den Libertären Gary Johnson. Auch Mitt Romney erhielt eine Stimme, stand aber gar nicht auf dem Wahlzettel.

Foto: dpa

Im Wahlbüro P.S. 59 in New York wird eine halbnackte Demonstrantin abgeführt, kurz bevor Präsidentschaftskandidat Donald Trump zur Abstimmung kommt.

Foto: REUTERS

Der republikanische Präsidentschaftskandidat stimmte am Vormittag ab. Mit im Bild: Ivanka und Arabella Trump.

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Na, ob Melania Trump ihr Kreuzchen auch am richtigen Fleck macht? Donald Trump scheint sich da nicht so ganz sicher zu sein...

Foto: REUTERS

Aufkleber für jeden Wähler: Wer seine Stimme abgegeben hat, erhält einen „I voted“-Sticker, auch die Präsidentschaftskandidaten.

Foto: REUTERS

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton bei der Abstimmung in Chappaqua, New York.

Foto: REUTERS

An Hillarys Seite: ihr Ehemann und Ex-US-Präsident Bill Clinton.

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Eine Menge jubelnder Anhänger machte Fotos. Sie empfinde „größte Demut“, sagte die frühere Außenministerin und First Lady. „Ich weiß, wie viel Verantwortung damit zusammenhängt.“

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Clintons Vizepräsidentschafts-Kandidat Tim Kaine (l.) bei der Abstimmung in Richmond, Virginia.

Foto: AP

Der republikanische US-Vizepräsidentschaftskandidat und Gouverneur von Indiana, Mike Pence, hat in Indianapolis gewählt. Er und seine Frau Karen wurden mit keinen Warteschlangen konfrontiert und nahmen sich rund fünf Minuten Zeit für die Stimmabgabe. Danach sagte Pence vor einer kleinen Gruppe, er sei dankbar für die Unterstützung und die Gebete in ganz Amerika. Er versprach, mit Trump als US-Präsident werde das Land wirtschaftlich erfolgreicher werden.

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Mehr als 40 Millionen Frühwähler haben schon vor dem 8. November ihre Stimme abgegeben. Wer am Dienstag wählt, muss mit langen Schlangen vor den Wahllokalen rechnen.

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Abstimmung in der Feuerwache: Ein Wahllokal in Arlington, Virginia. Auch hier stehen die Wähler Schlange, um ihre Stimme abzugeben.

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Ein Wahllokal in einer Schule im New Yorker Stadtteil Chelsea. Unter anderem in New York gab es Berichte über lange Warteschlangen und einzelne Wahllokale, die zu spät geöffnet hätten.

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Viele Wähler äußerten Erleichterung, dass nach zwei Jahren des Wahlkampfs, einer rassistisch geladenen Rhetorik und scharfen Vorwürfen gegen die Kandidaten das Ende in Sicht sei. „Ich bin die Schlammschlacht leid“, sagte etwa eine Republikanerin aus Minnesota.

Foto: dpa

Auch in Übersee, wie hier in Japan, wird das Ergebnis aus den USA mit Spannung erwartet.

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Patrick Murphy hat in Florida gegen Marco Rubio verloren. Er bedankte sich bei seinen Unterstützern.

Foto: AP

Hoffen und Beten im Lager von Hillary Clinton. Sie liegt deutlich hinter ihrem Konkurrenten.

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Dafür bei den Trump-Anhängern großer Jubel. Je näher ein Sieg des Republikaners rückt, desto euphorischer wird die Stimmung auf den republikanischen Wahlpartys.

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Nachdem ein Großteil der Stimmen ausgezählt ist und alles nach einem Sieg für Donald Trump aussieht, sieht man bei Clinton-Anhänger in durchweg entsetzte Gesichter.

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Hillary Clinton geht an diesem Wahlabend nicht mehr auf die Bühne. Ihr Wahlkampfleiter vertröstete ihre Anhänger auf den nächsten Tag. CNN berichtete, Hillary Clinton habe Trump angerufen und dessen Sieg eingeräumt.

Foto: REUTERS

Donald Trump betritt als frisch gekürter nächster Präsident der USA gemeinsam mit seiner Familie die Bühne. Zudem erklärt er, Hilary Clinton Hillary habe hart gearbeitet und man schulde ihr Dank. Es sei ein sehr harter Wahlkampf gewesen. Jetzt sei es Zeit für alle Amerikaner, zusammenzukommen. Er versprach, er wolle ein Präsident für alle US-Amerikaner werden.

Foto: REUTERS

Die Unsicherheit, wer die Wahl gewinnt, ist nun zwar an den Börsen vorbei; doch die Unsicherheit, was Präsident Trump von seinen vagen und heftigen Plänen durchsetzen will und kann, ist umso größer. Diese Unsicherheit ist ein politisches Risiko für die Märkte, das in den nächsten Monaten bestehen bleibt.

Das beginnt bei der real gewordenen Gefahr eines Protektionismus und geht hin bis zum möglichen Angriff auf die starke Marktstellung führender amerikanischer High-Tech-Unternehmen wie Apple oder Amazon. Entsprechend hoch sind, mit aktuell fünf bis sechs Prozent, hier die Kursabschläge.

Auch wenn die Geschäfte der amerikanischen High-Tech-Protagonisten derzeit gut laufen, dürfte es ihnen schwer fallen, im unsicheren Umfeld der Präsidentschaft Trumps den Aufwärtstrend wie bisher fortzusetzen. Dass der Nasdaq-100-Index sein bisheriges Hoch bei 4911 Punkten bald übertreffen wird, ist vorerst wenig wahrscheinlich.

Trump gewinnt US-Wahl

Sieg der Besorgten

Kommentar von Hauke Reimer

Entscheidende Untergrenzen in Dax und Dow Jones haben bisher gehalten

Im Dax fallen die Reaktionen überwiegend negativ aus, nur vier Aktien notieren nach Handelsbeginn im Plus: Auffallender Weise sind das die Pharma- und Gesundheitswerte Merck, Fresenius, FMC und Bayer. Darin spiegelt sich die Hoffnung wider, dass es nun für die Branche nicht zu dem politischen Druck kommt, der unter einer Präsidentin Clinton befürchtet wurde. Andererseits stehen vor allem unter den Industriewerten die großen Exporteure unter Druck: Daimler, Volkswagen oder BMW. Eine neue Abwärtstendenz indessen lässt sich aus den Abschlägen dieses Vormittags noch nicht ableiten.

Geht es nach der Reaktion des Dax, hat sich die Situation zwar verschärft, der Aufwärtstrend am Aktienmarkt ist aber noch nicht zerstört. Bisher hat der Dax genau auf der hier beschriebenen Unterstützungszone um 10.000 Punkte gehalten. Das ist ein gutes Zeichen, auch wenn die Reaktion der richtungsgebenden US-Börsen noch ansteht. Die US-Futures haben bisher ebenfalls wichtige Untergrenzen verteidigen können, im Dow-Future das Niveau um 17.700 Punkte.

Fazit nach den ersten Reaktionen auf Trump: Die Märkte sind tief verunsichert, doch die bisherigen Trends sind nicht gebrochen. Gründe dafür sind die Hoffnung, dass Trump als Präsident nicht so schlimm wird wie als Wahlkämpfer, dass er die Konjunktur in den USA ankurbelt und dass die Notenbank nun länger als bisher erwartet zurückhaltend bleibt. Eine endgültige Entwarnung ist das noch nicht, doch es spricht dafür, dass die große Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten auch bei einem Präsidenten Trump weitergehen kann.

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