International: Kanada und Deutschland vereinbaren Rohstoffpartnerschaft
Der kanadische Ministerpräsident Mark Carney hat Deutschland eine enge Rohstoffpartnerschaft angeboten. „Es gibt enorme Möglichkeiten und Chancen für kritische Rohstoffe und Metalle. Und es gibt alle möglichen Formen von Energie, wie zum Beispiel LNG und Wasserstoff, die wir auch bereitstellen und liefern können“, sagte Carney am Dienstag nach einem Treffen mit Kanzler Friedrich Merz. Damit diese Güter auch nach Deutschland und Europa geliefert werden können, wolle seine Regierung einen dreistelligen Millionenbetrag einsetzen, um die Hafen-Infrastruktur im Osten Kanadas auszubauen. Positive Reaktionen kamen von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).
„Wir werden eine Reihe von Investitionen tätigen, und das werden wir auch formell ankündigen innerhalb der nächsten zwei Wochen“, sagte Carney weiter. Ausgebaut werden sollten etwa der Hafen von Montreal und der Tiefseehafen Churchill in Manitoba
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche unterzeichnete mit dem kanadischen Energieminister Tim Hodgson eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Rohstoffbereich. Darin werden als Rohstoffe etwa Lithium, Seltene Erden, Kupfer, Wolfram, Gallium, Germanium und Nickel genannt.
Ministerpräsident Carney verwies auf eine Reihe von bilateralen Verträgen, die bereits in den Bereichen Kupfer- und Lithium-Verarbeitung geschlossen wurden. Dabei geht es nicht nur darum, durch kanadische Rohstoffe die Versorgungssicherheit zu verbessern, sondern auch um Verarbeitungsstufen – die dann in Kanada stattfinden können. Dazu gehören Verhüttung, Raffinierung und Recycling.
Merz betonte, das Volumen im EU-Handel mit Kanada habe seit dem teilweisen Inkrafttreten des Freihandelsabkommens Ceta 2017 um mehr als ein Drittel zugenommen. DIHK-Außenhandelsexperte Volker Treier sprach sogar von einem Anstieg im Waren- und Dienstleistungsaustausch um mehr als 70 Prozent. „Kanada vereint das, was Europa derzeit dringend braucht: verlässliche Märkte, Rohstoffe und Innovationsstärke“, sagte er.
Wirtschaftsministerin Reiche erklärte, dass Deutschland mit dem Konzept einer „Produktionsallianz“ einen Dialog mit Industrie und Partnerländern verfolge. Bestehende Instrumente wie der Deutsche Rohstofffonds, der von der staatlichen Förderbank KfW verwaltet wird, sollten genutzt werden, um Investitionen in Bergbau, Verarbeitung und Recycling zu fördern. Die Kooperation werde durch das deutsche Kompetenzzentrum für Bergbau und Rohstoffe in Kanada und die Deutsche Rohstoffagentur (Dera) in Berlin unterstützt.
Carney verwies auf eine Reihe von Abkommen zwischen deutschen und kanadischen Unternehmen wie zwischen Vacuumschmelze und Torngat Metals, Enertrag und Rock Tech Lithium sowie Aurubis und Troilus Gold. Rock Tech Lithium teilte mit, dass man die langfristige Versorgung des geplanten Lithiumhydroxid-Konverters in Guben in der Niederlausitz mit erneuerbarer Energie sicherstellen wolle. Aurubis unterstrich, dass man sich Lieferungen von Kupfer aus dem sogenannten Troilus-Projekt in Quebec gesichert habe.
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