Russland-Affäre "War Room" soll Vorwürfe gegen Donald Trump abwehren

Donald Trump feiert seine Auslandsreise als Erfolg. Nun ist er zurück im rauen Washingtoner Alltag - konfrontiert mit einer zunehmend eskalierenden Krise um Russland-Kontakte seines Lagers im Wahlkampf.

Zurück in den USA: Donald und Melania Trump. Quelle: REUTERS

Nach seiner Rückkehr von einer neuntägigen Auslandsreise holt die Russland-Affäre Donald Trump wieder voll ein. Nach Medienberichten steht der US-Präsident mittlerweile unter derart großem Druck, dass er eine Art Krisenzentrum („War Room“) im Weißen Haus zur Bewältigung der wachsenden politischen und juristischen Herausforderungen plant.

Ziel sei es, der nicht abreißenden Serie schädlicher Enthüllungen im Zusammenhang mit Kontakten seines Wahlkampflagers zu Russland aggressiver entgegenzutreten. Eine für diese Woche geplante Großkundgebung in Iowa sagte Trump ab.

Jüngste Hiobsbotschaft für Trump sind Berichte, nach denen Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner im Dezember einen geheimen Kommunikationsdraht zum Kreml vorgeschlagen haben soll. Zudem könnte bereits in den nächsten Tagen der vom US-Präsidenten entlassene FBI-Chef James Comey vor einem Kongress-Ausschuss aussagen. Dabei geht es um die Frage, ob Trump versucht hat, die Untersuchung von Kontakten seines Wahlkampflagers zu Russland zu hintertreiben.

Der „New York Times“ zufolge wird im Weißen Haus an einem „Plan zur Schadensbegrenzung“ gearbeitet. Trumps Team von Privatanwälten solle ausgeweitet und sein Kommunikationsteam neu organisiert werden - der „Washington Post“ zufolge wahrscheinlich mit einer gestutzten Rolle für den bedrängten Pressesprecher Sean Spicer.

Der Zeitung zufolge denkt Trump auch daran, besonders offensiv auftretende ehemalige Wahlkampfmitarbeiter zurückzurufen. Diskussionen mit ihnen über die Einrichtung eines „War Rooms“ - Strategiezentrums in Krisenzeiten - seien im Gange.

Zu den jüngsten Berichten über Kushner schwieg sich das Weißen Haus zunächst aus. Trump startete aber schon gleich am Sonntagmorgen - wenige Stunden nach seiner Rückkehr - einen neuen Angriff gegen die Medien.

Er glaube, dass vieles von dem, was angeblich durch undichte Stellen im Weißen Haus an die Öffentlichkeit dringe, fabrizierte Lügen seien, twitterte der Republikaner. Wann immer man die Wörter „Quellen sagen“ in den „fake news media“ sehe und keine Namen genannt würden, sei es sehr möglich, dass diese Quellen erfunden seien: „Fake News Media sind der Feind!“

Kushner soll nach Angaben der „Washington Post“ im Dezember 2016 - nach der Wahl - bei einem Treffen mit dem russischen Botschafter in Washington, Sergej Kisljak, einen geheimen Kommunikationsdraht zum Kreml vorgeschlagen haben. Die Zeitung berief sich dabei auf nicht namentlich genannte Regierungsbeamte. Quelle sollen mitgeschnittene russische Kommunikationen sein. Kisljak war dem Bericht zufolge über den Vorstoß erstaunt und informierte seine Vorgesetzten.

Der „New York Times“ vom Samstag zufolge schlug Kushner vor, den geheimen Kanal zur Erörterung von Syrienstrategien und anderen Fragen zu benutzen. Kushner gehörte damals dem Trump-Übergangsteam an.

Russland wird der Versuch vorgeworfen, die Wahl zugunsten von Trump zu beeinflussen. Die Bundespolizei FBI und mehrere Kongressausschüsse untersuchen vor diesem Hintergrund auch Kontakte des Trump-Lagers zu Moskau. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob es Absprachen beider Seiten und Versuche einer Vertuschung gegeben hat, die als Rechtsbehinderung geahndet werden könnten.

Kushner hatte sein Treffen mit Kisljak zunächst nicht pflichtgemäß angegeben, dies jedoch später nachgeholt. Das FBI hält ihn nach Medienberichten inzwischen in der Russland-Frage für „eine Person von Interesse“. Diese Formulierung beschreibt jemanden, der als wichtig bei Ermittlungen gilt, aber nicht zwangsläufig eines Vergehens verdächtigt wird.

Die „Washington Post“ berichtete auch, dass der Geheimdienstausschuss des Senats Trumps Wahlkampfkomitee aufgefordert habe, dem Gremium alle Unterlagen zurückreichend bis Juni 2015 zu übergeben. Dies sei das erste Mal, dass ein Senatsausschuss das gesamte Wahlkampflager ins Visier nehme. Bisher seien nur Einzelpersonen Ziel der Untersuchungen gewesen.

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