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„Russland, mach Dich bereit“ Trump kündigt Raketenangriff in Syrien an

US-Präsident Donald Trump droht im Syrien-Streit Russland mit Vergeltung. Quelle: AP

Russland droht den USA im Streit über einen mutmaßlichen syrischen Giftgasangriff mit militärischer Eskalation. Der US-Präsident droht über Twitter seinerseits mit einem Raketenangriff. Deutsche Anleger sind verunsichert.

US-Präsident Donald Trump hat als Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Duma einen Raketenangriff auf Syrien angekündigt. "Russland, mach Dich bereit", twitterte Trump am Mittwoch. Raketen würden kommen. „Russland hat geschworen, alle Raketen abzuschießen, die auf Syrien abgefeuert werden“, warf Trump Russland vor. Kurz zuvor hatte Russland mit einer militärischen Eskalation gedroht. Russlands Botschafter in Libanon erklärte, sollten die USA Syrien mit Raketen angreifen, werde es Vergeltungsmaßnahmen geben. Dann würden die Raketen abgeschossen und auch die Abschussvorrichtungen ins Visier genommen, sagte Botschafter Alexander Sasypkin am Dienstagabend dem Hisbollah-Fernsehsender al-Manar. Er berief sich auf eine entsprechende Erklärung des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des russischen Armeechefs vom 13. März. Die europäische Flugsicherungsbehörde Eurocontrol warnte die Fluggesellschaften, im östlichen Mittelmeer könnten innerhalb der nächsten 72 Stunden Luft-Boden-Raketen und Marschflugkörper eingesetzt werden.

Potenzielle russische Angriffsziele wären den Äußerungen Sasypkins zufolge demnach auch US-Kriegsschiffe in der Region, wenn von denen Marschflugkörper abgefeuert würden. Damit würde eine direkte Konfrontation der beiden Atommächte drohen. Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja warnte am Dienstagabend im UN-Sicherheitsrat, man befinde sich auf dem Weg zu "sehr traurigen und ernsten Ereignissen". "Ich fordere Sie erneut auf, ich bitte Sie erneut eindringlich, Ihre Pläne aufzugeben, die Sie aktuell für Syrien entwickeln", sagte er an die Adresse der USA.

Den Ernst der Lage führte auch die Eurocontrol-Warnung vor Augen. Die Fluggesellschaften sollten wegen der Gefahr von Luftangriffe in Syrien besondere Vorsicht im östlichen Mittelmeer walten lassen. Innerhalb der nächsten drei Tage Stunden könnten Luft-Boden-Raketen und Marschflugkörper eingesetzt werden, und es könne zur Störung von Navigationsgeräten kommen, teilte die Aufsichtsbehörde am Dienstag mit.

Fluggesellschaften meiden syrischen Luftraum

Entsprechend warnten die Luftfahrtbehörden in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland vor dem Einflug in den syrischen Luftraum. Ein Lufthansa-Sprecher sagte am Mittwoch, die Gesellschaft vermeide den Luftraum im östlichen Mittelmeer schon seit geraumer Zeit. EasyJet erklärte, es habe Vorkehrungen getroffen. So würden Flüge von Tel Aviv aus auf eine sichere Route umgeleitet. EasyJet fliegt unter anderem von Berlin nach Tel Aviv. Ryanair und British Airways teilten mit, die Lage ernsthaft zu verfolgen.

Die USA erwägen zusammen mit Frankreich und Großbritannien einen Militärschlag als Reaktion auf einen mutmaßlichen Chemiewaffen-Angriff in Syrien. Der saudiarabische Kronprinz Mohammed bin Salman brachte eine Beteiligung seines Landes ins Gespräch. Dies könnte geschehen, wenn die Umstände es erforderten, sagte Salman in Paris. Der Westen macht die syrische Regierung und deren Verbündeten Russland dafür verantwortlich. Die beiden Länder weisen dies zurück, und Russland bestreitet, dass es den Giftgasangriff überhaupt gegeben hat. Botschafter Sasypkin mahnte eindringlich, dass ein militärischer Zusammenstoß verhindert werden müsse. Russland sei zu Verhandlungen bereit. Vize-Außenminister Michail Bogdanow hatte am Dienstag erklärt, es gebe auf Arbeitsebene Kontakte zwischen Vertretern beider Mächte wegen Syrien. Er glaube, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzen werde.

Im April 2017 hatten die USA als Reaktion auf einen mutmaßlichen Giftgasangriff auf die von Rebellen gehaltene Stadt Chan Scheichun von zwei Kriegsschiffen im Mittelmeer aus einen syrischen Luftwaffenstützpunkt mit Marschflugkörpern beschossen.

Die Umstände des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes in Duma sind unklar. Dort liefen bereits Verhandlungen über den Abzug der Rebellen der von Saudi-Arabien unterstützten Salafistengruppe Dschaisch al-Islam. Syrien bestreitet, Giftgas in Duma eingesetzt zu haben. Russland sprach von einer Inszenierung durch die Extremisten, um dem Westen einen Vorwand für ein militärisches Eingreifen zu liefern. Beide Länder haben Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) eingeladen, in Duma die Vorwürfe eines Giftgasangriffs zu überprüfen. Die OPCW will Inspektoren entsenden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, bei rund 500 Krankenhauspatienten in Duma seien Anzeichen und Symptome festgestellt worden, die auf einen Kontakt mit giftigen Chemikalien schließen ließen. Sie verlangte einen sofortigen ungehinderten Zugang, um den Opfern helfen zu können.

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