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Stockender Güterverkehr Tagelange Staus zwischen USA und Mexiko legen Logistik lahm

An einem Grenzübergang in El Paso warten Autos und Lastwagen, um von Mexiko aus in die USA zu gelangen. Quelle: dpa

An vielen Grenzübergängen von Mexiko in die USA stockt der Güter- und Personenverkehr, was LKW-Fahrer und Unternehmer verzweifeln lässt. Grund dafür ist der Abzug von etlichen Zollbeamten durch die Trump-Regierung.

Stundenlang, manchmal gar Tage stehen die Lastwagenfahrer im Stau, um ihre Lieferung gen Norden zu bringen. An etlichen Grenzübergängen von Mexiko in die USA geht es nur noch stockend voran, seitdem die Trump-Regierung zahlreiche Zollbeamte für einen anderen Job abgezogen hat. Statt den Personen- und Güterverkehr zu prüfen, sollen sie nun den Andrang von Migrantenfamilien aus Zentralamerika bewältigen. Schon warnen Handelsverbände vor massiven wirtschaftlichen Folgen durch das Chaos an den Grenzen.

In Ciudad Juárez, einer gegenüber vom texanischen El Paso gelegenen Grenzstadt in Mexiko, übernachten Brummifahrer in ihren Wagen, um ihren Platz in der Lkw-Schlange nicht zu verlieren. Die Verwaltung hat mobile Toiletten herangeschafft, und eine Motorenölfirma engagiert Models, die in hautenger Kleidung Burritos und Wasserflaschen an untätige Fahrer verteilen.
„Meine Familie erkennt mich zu Hause nicht wieder“, erzählt Jaime Monroy, ein Berufskraftfahrer mit Wohnsitz in Ciudad Juárez. Auch er hat die Nacht in seinem Gefährt verbracht, das Holzmöbel geladen hat. „Ich fahre um drei Uhr morgens los und komme um zehn Uhr abends zurück“, sagt er.

Sein Kollege Arturo Menendez hat eine wahre Odyssee hinter sich. Um vier Uhr morgens habe er sich vergangenen Freitag mit einem Sattelzug voller Kartons in die Lkw-Schlange vor die mehrspurige Brücke der Amerikas gestellt, die Ciudad Juárez und El Paso verbindet, berichtet der 44-Jährige. Um 18 Uhr habe man ihn dann angewiesen, vor der für Samstag geplanten erstmaligen Schließung aller Spuren der Brücke wieder wegzufahren. Am Montag habe er es dann wieder versucht. Im Stau stand er hinter Hunderten Lastwagen, die drei Sicherheitschecks passieren mussten. „All das fing vor zwei Wochen mit Trump an“, sagt Menendez.

Tatsächlich erinnern die Zustände an betroffenen Grenzübergängen ein bisschen an eine Drohung, die der US-Präsident zuletzt abgeschwächt hat: Er werde bald die Grenze notfalls komplett schließen, sollte Mexiko nicht sofort den Andrang der Migranten stoppen, hatte Donald Trump unlängst gewarnt. Auch wenn es soweit nicht gekommen ist, haben US-Behörden mit der Umschichtung der Zollbeamten vielen Lkw-Fahrern und Reisenden beträchtliche Hürden in den Weg gelegt.

Gleichwohl sieht sich die Trump-Regierung mit einer neuen Rekordzahl an Menschen konfrontiert, die auf ein neues Leben in den USA hoffen. Mehr als 53.000 Mitglieder von Migrantenfamilien wurden im März an der Grenze aufgegriffen, also im Durchschnitt mehr als 1700 pro Tag. Die Zahlen stellen den Höchststand vom Februar in den Schatten, als 36.000 Eltern und Kinder beim illegalen Grenzübertritt erwischt wurden.

Trump reagierte auf seine Weise, indem er die Führungsetage des Heimatschutzministeriums durcheinanderwirbelte. Die bisherige Ressortchefin Kirstjen Nielsen muss gehen. Ob dies alsbald die Lage an der Grenze zu Mexiko ändert, ist fraglich.

Hunderte Grenzbeamte beugen sich nicht wie gewohnt über Frachtgut, sondern nehmen Personalien von Migranten auf, befördern sie von A nach B oder stehen in Krankenhäusern für Neuankömmlinge Wache, die medizinisch versorgt werden müssen. Grenzbeamte der Border Patrol verrichten ebenfalls Jobs, für die sie nicht ausgebildet wurden - wie etwa Medizinchecks von Kindern und Familien in Auffanglagern.

Und zuletzt hatten die US-Behörden wissen lassen, dass bis zu 2000 Zollinspekteure von Grenzübergängen abgezogen werden könnten. Die Folgen für den grenzüberschreitenden Verkehr sind schon jetzt immens. In El Paso wurde eine Brücke für Lastwagenfahrer gesperrt, sie müssen jetzt auf zwei nahe Übergänge ausweichen. Am einzigen Grenzübergang für Lkw-Fahrer im kalifornischen San Diego sind zwei von zehn Spuren geschlossen.

Und in Nogales im Staat Arizona wollen die Behörden am Sonntag eine Gewerbeanlage dicht machen, die von großer Bedeutung für den grenzüberschreitenden Handel ist. Bis zu 12.000 Lastwagen queren jeden Tag über Nogales die Grenze, oft haben sie Wassermelonen, Auberginen, Beeren und Weintrauben im Laderaum.

Unternehmer haben nun Mühe, ihre Waren zu Läden, Fabrikanten und Baustellen in den USA zu bringen. So langsam sind sie mit ihrer Geduld am Ende. Von dem Problem sei das ganze System betroffen, sagt Paola Avila, Vorsitzende einer Handelsallianz, die sich für grenzüberschreitendes Gewerbe stark macht. „Jeder spürt es.“

Avila ist auch Vizepräsidentin für internationale Angelegenheiten bei der Handelskammer im kalifornischen San Diego. Die Verzögerungen im Grenzverkehr könnten mehr Unternehmen zu einer Produktionsverlagerung nach Asien bewegen, warnt sie. Dies könnte Jobs in den USA und Mexiko bedrohen. „Wir sperren amerikanische oder mexikanische Fabrikanten aus, die US-Arbeiter beschäftigen.“

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