1. Startseite
  2. Politik
  3. Ausland
  4. Streit mit Donald Trump: Harvard darf keine internationalen Studenten mehr aufnehmen

Streit mit Donald TrumpHarvard darf keine internationalen Studenten mehr aufnehmen

Weitere Eskalation im Konflikt zwischen Elite-Uni und Trump-Regierung: Harvard darf keine ausländischen Studierenden mehr annehmen. 23.05.2025 - 07:26 Uhr aktualisiert
Blick auf die Harvard Universität in Cambridge, Massachusetts, Foto: REUTERS

Im andauernden Streit mit Harvard will die Regierung von Präsident Donald Trump die Elite-Universität an der Aufnahme internationaler Studierender hindern. Heimatschutzministerin Kristi Noem habe entsprechende Schritte eingeleitet, teilte ihr Ministerium mit. Künftig dürfe Harvard im Rahmen eines eigens dafür vorgesehenen Bundesprogramms keine neuen Studierenden aus dem Ausland mehr aufnehmen. Bereits eingeschriebene internationale Studierende müssten sich demnach nach anderen Hochschulen umsehen – sonst verlören sie ihren Aufenthaltsstatus in den USA.

Ein Sprecher der Universität im Bundesstaat Massachusetts bezeichnete das Vorgehen der Regierung in einer E-Mail als „rechtswidrig“. Es war von einer „Vergeltungsmaßnahme“ die Rede, die Harvard und den Vereinigten Staaten „ernsthaften Schaden“ zufüge und den akademischen Auftrag der Hochschule sowie ihre Forschung untergrabe. „Wir setzen alles daran, Harvards Fähigkeit zu bewahren, internationale Studierende und Wissenschaftler aus mehr als 140 Ländern aufzunehmen“, hieß es darin weiter.

Wichtige Zertifizierung als Druckmittel

Für viele US-Universitäten sind die Einnahmen internationaler Studierender ein bedeutender Teil des Budgets – nicht zuletzt, weil sie oft deutlich höhere Studiengebühren zahlen als inländische Studierende. Nach Angaben der Hochschule sind derzeit rund 6.800 internationale Studierende an Harvard eingeschrieben. Das entspricht etwa 27 Prozent der gesamten Studierendenschaft.

Trump gegen Harvard

Washington riskiert den Verlust kluger Köpfe

Trumps Regierung verbietet Harvard die Aufnahme ausländischer Studierender. Wer bereits da ist, muss die Uni wechseln – oder das Land verlassen. Kann Deutschland die Talente für sich gewinnen?

von Sonja Álvarez, Sophie Crocoll, Daniel Goffart und weiteren

Damit Hochschulen in den USA internationale Studierende aufnehmen dürfen, benötigen sie eine Zertifizierung im Rahmen des sogenannten Student and Exchange Visitor Program (SEVP), das vom Heimatschutzministerium verwaltet wird. Diese Zertifizierung will das Ministerium Harvard nun entziehen. Ob und in welchem Umfang die Maßnahme rechtlich Bestand haben wird, ist offen.

Dem Schritt war Mitte April ein Schreiben von Heimatschutzministerin Noem vorausgegangen. Darin forderte sie Harvard auf, bis Ende April detaillierte Informationen zu ausländischen Studierenden vorzulegen – unter anderem zu möglichen illegalen Aktivitäten, Protestbeteiligungen oder Verstößen gegen Visa-Vorgaben. In einem weiteren Schreiben erklärte Noem nun, Harvard sei dieser Aufforderung nicht nachgekommen – deshalb werde die Zertifizierung entzogen. Sie gab der Hochschule 72 Stunden Zeit, um ihren Forderungen doch noch zu erfüllen.

Elite-Uni im Streit mit Trump

Das bedeutet Trumps Förderstopp für Harvard

Donald Trump will seine Vorstellungen an den US-Elite-Unis durchsetzen – andernfalls würden Fördergelder, Steuervorteile und Einschreibungsrechte gestrichen. Wie abhängig ist Harvard finanziell?

von Sebastian Schug, Kevin Gallant und Anabel Schröter

Proteste als Begründung – oder Vorwand?

Die Trump-Regierung begründet ihr Vorgehen mit propalästinensischen Protesten an US-Universitäten, die zwar nicht mehr so groß wie zu Beginn des Gaza-Kriegs ausfallen, aber weiterhin andauern. Hochschulen wie Harvard wird vorgeworfen, nicht entschieden genug dagegen vorzugehen und antisemitische Vorfälle auf dem Campus zu dulden.

Kritiker werfen der Regierung vor, die Proteste lediglich als Vorwand zu nutzen, um politisch unliebsame Institutionen unter Druck zu setzen. Insbesondere als links geltende Universitäten würden demnach zunehmend ins Visier geraten – etwa wegen Programmen zur Förderung von Vielfalt und Chancengleichheit, die auf den Abbau historischer Benachteiligung von Schwarzen, Frauen und anderen marginalisierten Gruppen abzielen.

USA

100 Tage Trump, 10 Schicksale

Donald Trump wollte keine Schonzeit und gönnte sie keinem. Er hält Menschen weltweit in Atem – und degradiert US-Bürger zu Opfern seines willkürlichen Regierens. Eine Zwischenbilanz.

von Julian Heißler

Besonders im Fokus der Trump-Regierung stehen ausländische Studierende, denen eine Beteiligung an den propalästinensischen Protesten vorgeworfen wird. In mehreren Fällen wurden Abschiebeverfahren eingeleitet – etwa gegen einen Absolventen der Columbia University in New York, der seit Anfang März im Bundesstaat Louisiana in Abschiebehaft sitzt, während sich Gerichte mit seinem Fall beschäftigen.

Die rechtliche Grundlage für solche Festnahmen ist stark umstritten. Harvard dürfte mit der Weigerung, sensible Informationen über internationale Studierende offenzulegen, somit wohl auch den Schutz dieser Studierendengruppe im Blick gehabt haben.

Noem: Warnung für andere Universitäten

Beim Sender Fox News verteidigte Noem das Vorgehen der Regierung gegen Harvard. Die Hochschule habe „mehrfach die Gelegenheit“ gehabt, Informationen über kriminelle Aktivitäten ausländischer Studierender zu übermitteln, sich jedoch geweigert.

„Studierende aus dem Ausland, die (...) nicht an diesen kriminellen Aktivitäten beteiligt sind, werden sich eine andere Universität suchen müssen“, sagte Noem und warf Harvard vor, nicht nur Proteste, sondern auch „gewalttätige Proteste“ auf dem Campus zugelassen zu haben. Bei X hatte sie die Universitätsverwaltung davor beschuldigt, Gewalt und Antisemitismus zu dulden und zudem auch eine „Kooperation mit der Kommunistischen Partei Chinas“ auf dem Campus begünstigt zu haben. Die neue Maßnahme sei „eine Warnung an alle anderen Universitäten, endlich für Ordnung zu sorgen“, so Noem.

Stefanie Stantcheva

Die Trump-Erklärerin

von Henrike Adamsen

Harvard-Absolvent Lauterbach: „forschungspolitischer Suizid“

Ex-Gesundheitsminister und Harvard-Gastdozent Karl Lauterbach hat Pläne der US-Regierung zur Abweisung internationaler Studierender an der Elite-Universität kritisiert. Die Angriffe der Regierung von US-Präsident Donald Trump seien „forschungspolitischer Suizid“, sagte der SPD-Politiker, der seit dieser Woche auch den Forschungsausschuss des Bundestages leitet, der „Rheinischen Post“.

„Wenn ausgerechnet die wichtigsten und leistungsstärksten Universitäten absichtlich geschwächt werden, legt man die Axt an bei einem der bedeutendsten Pfeiler für die amerikanische Wirtschaft“, fügte er hinzu. Unzählige Unternehmen in den USA profitierten von dem Wissen, das Harvard-Absolventen mitbrächten. „Viele ausländische Harvard-Absolventen bleiben ja in den USA nach dem Studium“, sagte Lauterbach.

Bildung

US-Richterin bremst Trumps Harvard-Pläne aus

Seiner Biografie auf der Seite des Bundestags zufolge ist der ehemalige Gesundheitsminister Absolvent und Gastdozent der Harvard School of Public Health. Er hoffe sehr, dass sich die Entscheidung Trumps noch abwenden lasse, sagte Lauterbach. „Aber selbst wenn das möglich ist, geht von der Attacke auf die freie Lehre und Forschung ein abschreckendes Signal aus.“

Harvard wehrt sich

Anders als viele andere Hochschulen widersetzt sich Harvard offen politischen Vorgaben aus Washington, die auch Zulassungsverfahren, Diversitätsprogrammen und Personalentscheidungen betreffen. Die Universität geht juristisch gegen die Maßnahmen vor.

Im Zuge des Streits hat die Regierung der Elite-Universität bereits Fördermittel in Milliardenhöhe gestrichen oder eingefroren. Angesichts der finanziellen Einschnitte hatte Harvard-Präsident Alan Garber zuletzt angekündigt, auf ein Viertel seines Gehalts zu verzichten.

dpa
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick